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Medizin

Brustkrebs: Anastrozol halbiert Erkrankungsrisiko in Studie

Donnerstag, 12. Dezember 2013

London – Anastrozol kann einem Brustkrebsrisiko vorbeugen. In einer randomisierten Studie, die jetzt auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellt und zeitgleich im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)62292-8) publiziert wurde, senkte der Aromatase-Inhibitor die Inzidenz des Mammakarzinoms bei postmeno­pausalen Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko um mehr als die Hälfte.

Östrogen ist ein Schlüsselfaktor in der Brustkrebsentstehung. Anastrozol hemmt die Synthese von Östrogen. Es wurde deshalb erwartet, dass die International Breast Cancer Intervention Study II (IBIS-II), die die tägliche Einnahme von 1 mg Anastrozol mit Placebo verglich, eine präventive Wirkung zeigen wird, zumal eine solche bereits für Exemestan, einem anderen Aromatase-Hemmer gezeigt wurde (NEJM 2011; 364: 2381-2391).

Auch die „Anti-Östrogene“ Tamoxifen und Raloxifen, die die Wirkung des Hormons am Rezeptor modulieren, wirken bekanntlich brustkrebsvorbeugend. Beide Wirkstoffe sind in den USA in dieser Indikation sogar zugelassen und auch das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) empfiehlt Frauen mit erhöhtem Risiko mittlerweile Tamoxifen zur Brustkrebsvorbeugung.

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An der IBIS-II-Studie nahmen 3.864 postmenopausale Frauen teil, die aufgrund einer positiven Familienanamnese oder einer früheren Diagnose von nicht-invasiven Läsionen wie einem Carcinoma in situ oder einer atypischen duktalen Hyperplasie ein erhöhtes Brustkrebsrisiko hatten.

Tatsächlich erkrankten nach einer medianen Beobachtungszeit von 5 Jahren im Place­bo-Arm der Studie 85 von 1.944 Frauen (4 Prozent) an einem Mammakarzinom. Im Interventionsarm der Studie waren es nur 40 von 1.920 Frauen (2 Prozent), woraus das Team um Jack Cuzick vom Wolfson Institute of Preventive Medicine in London eine Hazard Ratio von 0,47 errechnet. Mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,32–0,68 zeigt sie eine signifikante Risikominderung um 53 Prozent an.

Die präventive Behandlung war in der Studie auf fünf Jahre beschränkt. Die Autoren erwarten jedoch, dass der Effekt noch einige weitere Jahre nachwirkt. Die kumulative Inzidenz nach 7 Jahren (2 Jahre nach dem Ende der Intervention) geben sie mit 5,6 Prozent im Placebo-Arm und 2,8 im Arm der früheren Anastrozoltherapie an.

Trotz der erwartet guten präventiven Wirkung dürfte der Nutzen umstritten bleiben. Dies liegt zum einen daran, dass ein Überlebensvorteil nicht zu erwarten ist. Brustkrebs ist heute bei einer Frühdiagnose fast immer heilbar. Allen Teilnehmerinnen der IBIS-II-Studie war aufgrund ihres erhöhten Risikos zu einer regelmäßigen Mammographie geraten worden. Nach fünf Jahren waren nur wenige Frauen an Krebs oder aus anderen Ursachen gestorben. Im Anastrozol-Arm gab es bisher nur 18 Todesfälle, im Placebo-Arm waren es 17.

Vor diesem Hintergrund dürften es viele Frauen als lästig empfinden, täglich ein Krebs­medikament einzunehmen, das nicht frei von Nebenwirkungen ist. Aromatase-Inhibitoren sind zwar deutlich besser verträglich als Tamoxifen. Cuzick sprach gegenüber den Medien sogar davon, dass Anastrozol „faktisch“ keine Nebenwirkungen hat.

Die klinische Erfahrung lehrt den Editorialisten David Cameron vom Edinburgh Cancer Centre jedoch etwas anderes. Die Compliance beim etablierten und lebensrettenden Einsatz von Anastrozol in der endokrinen Therapie des Mammakarzinoms sei suboptimal. Viele Frauen würden die Therapie aufgrund der schlechten Verträglichkeit vorzeitig abbrechen.

Ob sie überredet werden könnten, das Mittel ohne die Erfahrung einer Brustkrebs­diagnose und die Aussicht auf einen Überlebensgewinn einzunehmen, erscheint vor diesem Hintergrund fraglich. Auch bei Tamoxifen ist die anfängliche Euphorie einer Krebsprävention bald einer Ernüchterung gewichen. Das Mittel wird - auch bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko - in der Praxis kaum zur Krebsprävention eingesetzt. Die Teilnahme an der Mammographie erscheint vielen Frauen als der leichtere Weg. © rme/aerzteblatt.de

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