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Grippe: Quadrivalenter Impfstoff in Studie effektiv

Donnerstag, 12. Dezember 2013

dpa

Beirut – Ein quadrivalenter Influenza-Impfstoff, der neben zwei Influenza-A-Viren erstmals auch zwei Influenza B-Viren erfasst, hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1215817) die Rate von Grippe­erkrankungen bei Kindern halbiert. Ein Zusatznutzen gegen den zweiten Influenza B-Stamm konnte nicht gezeigt werden, da er in der Saison kaum aufgetreten war.

Die meisten Grippe-Erkrankungen werden durch Influenza A-Viren verursacht. Der Anteil der Influenza B schwankt sehr stark, zwischen 1 und 46 Prozent nach Angaben in der Literatur. Anders als bei der Influenza A, die in einer Vielzahl von Subtypen auftritt, ist die Influenza B auf zwei Stammlinien beschränkt: B/Victoria und B/Yamagata. Der saisonale trivalente Impfstoff enthält zwei Influenza A- und ein Influenza B-Virus.

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Bei der Auswahl zwischen den beiden Influenza B-Virusstammlinien hat die Weltgesund­heits­organisation in den letzten Jahren kein glückliches Händchen gehabt. Die Treffer­rate unterschied sich kaum von der 50 zu 50-Chance einer geworfenen Münze. Die Qual der Wahl könnte entfallen, wenn sich die inzwischen entwickelten quadrivalenten Impf­stoffe durchsetzen, die beide Influenza B-Stämme abdecken.

Ein Impfstoff des Herstellers GlaxoSmithKline Biologicals wurde in einer randomisierten Studie in acht Ländern (Bangladesh, Dominikanische Republik, Honduras, Libanon, Panama, die Philippinen, Thailand und die Türkei) an 2.379 Kindern im Alter von 3 bis 8 Jahren getestet. In der Vergleichsgruppe erhielten 2.398 Kinder eine Hepatitis A-Impfung. Primärer Endpunkt war eine durch Polymerasekettenreaktion nachgewiesene und kulturell bestätigte Influenza.

Wie Varsha Jain von der Amerikanischen Universität in Beirut und Mitarbeiter berichten, kam es bei 2,4 Prozent der geimpften Kinder zu einer durch Gentest bestätigten Grippe. In der Kontrollgruppe lag die Häufigkeit bei 5,73 Prozent, was eine Effektivität von 59,3 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 45,2 bis 69,7) ergibt. Bei den mittelschweren bis schweren durch Gentest bestätigten Influenza-Erkrankungen betrug die Effektivität 74,2 Prozent (51,5 bis 86,2 Prozent).

Diese Erkrankungen waren jedoch insgesamt selten (0,62 Prozent der geimpften Kinder und 2,36 Prozent in der Kontrollgruppe). Der Gentest auf Influenzaviren fiel übrigens nur bei der Minderheit der grippeartigen Erkrankungen positiv aus. In der Kontrollgruppe musste die klinische Diagnose in 71 Prozent der Fälle revidiert werden.

In den serologischen Tests erzielte der quadrivalente Impfstoff gegen alle vier Bestandteile hohe Antikörper-Titer. Die Autoren gehen deshalb davon aus, dass er der trivalenten Vakzine gleichwertig ist (auch wenn dies mangels Vergleichsgruppe mit konventioneller trivalenter Vakzine nicht Gegenstand der Studie war).

Die klinische Wirksamkeit gegen beide Influenza-B-Viren konnte die Vakzine in der Studie nicht unter Beweis stellen. In der Saison 2010/11, in der die Studie durchgeführt wurde, trat fast ausschließlich der Stamm B/Victoria auf. Der B/Yamagata-Stamm wurde nur bei zwei Patienten auf den Philippinen nachgewiesen (beide Male in der Kontrollgruppe).

An einer gleich guten Effektivität gegen beide Influenza B-Viren wird jedoch nicht gezweifelt. Die Bedenken richten sich eher gegen die Erhöhung der Hämaglutinin-Dosis (60 statt 45 µg), die durch die Aufnahme der vierten Komponente notwendig wurde. Verdächtige „Sicherheitsignale“ sind nach Auskunft des Editorialisten Lindsey Baden vom Brigham and Women’s Hospital in Boston bisher jeodch nicht aufgetreten.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation hat sich 2012 für die Verwendung von quadrivalenten Impfstoffen ausgesprochen, die inzwischen von mehreren Herstellern angeboten werden und teilweise in den USA und Europa zugelassen sind. Auch in Deutschland wird in diesem Jahr erstmals ein quadrivalenter Impfstoff verfügbar sein. Er enthält neben zwei Influenza A-Subtypen (California/7/2009 und H3N2) die B-Subtypen Massachusetts/2/2012-like Virus (aus der B-Yamagata-Linie) und das Brisbane/60/2008-like Virus, das die B-Victoria-Linie repräsentiert. © hil/aerzteblatt.de

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