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Medizin

Niederländer diskutieren Sterbehilfe kontrovers

Montag, 16. Dezember 2013

Rotterdam – Jeder fünfte Niederländer ist ein Befürworter der Sterbehilfe für Menschen, die trotz körperlicher Gesundheit sterben möchten und jeder Dritte hält einen assistierten Suizid für alte Menschen, die den Lebenswillen verloren haben, für richtig. Die Arbeits­gruppe um Natasja Raijmakers greift mit ihrer Studie ein in den Niederlanden kontrovers diskutiertes Thema auf. Sie veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Umfrage mit rund 2.000 Teilnehmern im Journal of Medical Ethics (http://dx.doi.org/10.1136/medethics-2012-101304).

Die aktive Sterbehilfe ist in den Niederlanden seit 2002 legal. Die Niederlande waren das erste Land, das schwerstkranken Patienten ohne Aussicht auf Besserung die Option eines medizinisch begleiteten Todes eröffnete. 2011 machten 3.446 Patienten Gebrauch von dieser Möglichkeit. Die Auflagen sind streng und die Fälle werden von Kontroll­komissionen geprüft. Neben diesen medizinisch bedingten Wünschen zur Sterbehilfe gibt es in den Niederlanden auch die Diskussion, ob möglicherweise alte körperlich gesunde Menschen, die den Lebenswillen verloren haben, die Möglichkeit eines medizinisch begleiteten Suizids haben sollten.

Die Forscher befragten 1.960 Niederländer im Alter zwischen 18 und 95 Jahren zu ihrer Einschätzungen der Sterbehilfe. Die Befragung enthielt außerdem die Bewertung zu zwei Fallbeispielen, bei denen ein Arzt Beihilfe zum Suizid leistet. Zum einen ein an Krebs erkrankter Patient und zum anderen ein gesunder alter Mensch, der die Lebenslust verloren hat. 

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Mehr als die Hälfte der Teilnehmer antwortete, dass jeder Mensch ein Recht auf Sterbe­hilfe haben und den Zeitpunkt seines Todes selbst bestimmen können sollte. Rund ein Fünftel der Befragten befürwortete eine Sterbehilfe für gesunde Menschen, die den Lebenswillen verloren haben. Die Hälfte sprach sich explizit gegen solch eine Form der Sterbehilfe aus und ein Drittel war unentschlossen.

Für gesunde alte Menschen mit Todeswunsch lag die Zustimmung zu einer indirekten Sterbehilfe, beispielsweise durch die Bereitstellung von Tabletten, bei rund einem Drittel. Bei den Fallbeispielen hielt jedoch nur noch ein Viertel den assistierten Suizid für richtig. Eine deutliche Mehrheit von zwei Drittel befürwortete die Beihilfe zum Selbstmord bei dem Krebspatienten.

Das Alter und die Gesundheit der Befragten hatte keinen Einfluss auf die Antworten. Teilnehmer mit höherer Bildung, ohne religiösen Glauben und dem Willen nach Selbstbestimmung sprachen sich deutlich häufiger für die Sterbehilfe aus.

Obwohl nur eine Minderheit der Sterbehilfe von Personen ohne Lebenswillen zustimmt, macht sie einen bedeutenden Gesamtanteil im Meinungsbild aus. Aus diesem Grund mahnen die Forscher dazu den Wunsch nach einer solchen Sterbehilfe ernst zu nehmen und in die politische Diskussion mit einzubeziehen. © hil/aerzteblatt.de

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