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Politik

Biobanken: Persönlich­keitsrechte schützen und gute medizinische Forschung ermöglichen

Montag, 16. Dezember 2013

Berlin – Zunehmend werden Biomaterialien wie Blut oder Gewebe und zugehörige klinische Daten in großen, langfristig angelegten Biobanken gesammelt, wo sie für Forschungsfragen und Analysen zur Verfügung stehen. Biomedizinische Forscher und Ethiker plädieren dafür, die bisherigen Konzepte einer informierten Einwilligung durch die Probenspender weiterzuentwickeln.

„Es ist wichtig, dass praktische Konkordanz zwischen dem unbedingt notwendigen Schutz der Persönlichkeitsrechte der Spender von Biomaterialen und den unverzichtbaren und legitimen Forschungsinteressen von Nutzern von Biobanken realisiert werden kann. Gute medizinische Forschung zu ermöglichen, ist ein hoch ethisches Prinzip", erklärte Matthias Brumhard, Vertreter der Ethikkommission am Fachbereich Humanmedizin der Universität Gießen, beim 2. Nationalen Biobanken-Symposium Mitte Dezember in Berlin.

Im Rahmen des Symposiums diskutierten Forscher und Ethiker darüber, wie diese „praktische Konkordanz“ hergestellt werden könnte. Bürger haben sowohl ein Recht auf den Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte wie auch – als Patienten – ein Recht auf Behandlungsmöglichkeiten. Das bisherige Konzept des informed consent, also der auf Information und Aufklärung beruhenden Einwilligung des Patienten in die Verwendung der von ihm gewonnenen biologischen Proben, setzt voraus, dass die Materialien für spezifische Forschungszwecke gesammelt und aufbewahrt werden.

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Erste Biobanken, wie die Interdisziplinäre Biomaterial- und Datenbank Würzburg (ibdw) unter der Leitung von Prof. Dr. Roland Jahns, haben in den vergangenen Jahren neue, breit gefasste Patienteninformationen und Einwilligungserklärungen erarbeitet und mit den zuständigen Ethikkommissionen abgestimmt. Diese Ansätze sind auch in einen Mustertext für die Patienten- bzw. Probandeninformation und eine entsprechende Einwilligungserklärung eingeflossen, die im Arbeitskreis Medizinischer Ethik-Kommissionen erarbeitet wurden.

Bürger als aktive Partner einbeziehen
Nach Meinung von Peter Dabrock (Universität Erlangen-Nürnberg), dem stellvertre­tenden Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, ist die informierte Einwilligung eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Biobanken-Forschung. Er plädierte deshalb dafür, Bürgerinnen und Bürger als aktive Partner in den Forschungs­prozess einzubeziehen und mit einem offenen Diskurs  Vertrauen in die Forschung mit Biomaterialien aufzubauen.

Dabrock zufolge „gewinnen Biobanken Vertrauen und Interesse, wenn sie Probanden als Ko-Manager ihrer Daten begreifen und behandeln“. Probanden müssten die Möglichkeit haben, die Verwendung ihrer Daten zu einem gewissen Grad kontrollieren zu können, betonte Dabrock.

Nils Hoppe vom Centre for Ethics and Law in the Life Sciences an der Universität Hannover empfahl, das Konzept des informed consent grundsätzlich zu überdenken. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, um das etablierte Konzept weiterzuentwickeln, etwa in dem maßgeblich in Oxford entwickelten Modell des dynamic consent, bei dem Material­spender über soziale Netzwerke an die Biobank gebunden werden und jeweils in die Verwendung ihrer Materialien in bestimmten Projekten individuell einwilligen oder sie ablehnen können.

Dies sei allerdings komplex und aufwendig und daher nicht von jeder Biobank leistbar. Auch habe nicht jeder Patient oder Proband das gleiche Informationsbedürfnis. Statt einer Regelung auf der Makroebene könnten deshalb individuelle Arrangements der einzelnen Biobanken mit den Spendern sinnvoller sein.

Die Qualitätssicherung der Proben wurde ebenfalls thematisiert. Verschiedene wissen­schaftliche Projekte erforschen derzeit die Stabilität von Biomarkern bei unterschied­lichen Temperaturen und Lagerdauern und deren Einfluss auf die Analyseergebnisse. Auch die Arbeitsgruppe Biobanken des Arbeitskreises Medizinischer Ethik-Kommissionen will sich mit Qualitätskriterien für Biobanken beschäftigen. © tmf/KBr/aerzteblatt.de

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