NewsMedizinRohmilch: Studie sieht hohes Infektionsrisiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Rohmilch: Studie sieht hohes Infektionsrisiko

Montag, 16. Dezember 2013

dpa

St. Paul – Die Infektionsrisiken, die vom Konsum von Rohmilch ausgehen, werden häufig unterschätzt. Eine Untersuchung der Gesundheitsbehörden im US-Staat Minnesota in Emerging Infectius Diseases (Online) kommt zu dem Ergebnis, dass etwa 17 Prozent aller Rohmilchkonsumenten innerhalb eines Jahrzehnts wenigstens einmal eine schwere Darminfektion erleiden. Die American Academy of Pediatrics warnt unabhängig von der Untersuchung vor allem Kinder und Schwangere vor dem Konsum von nicht-pasteu­risierter Milch.

Vor der Einführung der Pasteurisierung waren Krankheitskeime in der Milch eine häufige Ursache von Infektionskrankheiten und Todesfällen im Kindesalter. Damals wurde auch die Tuberkulose durch Milch übertragen. Inzwischen haben sich die hygienischen Verhältnisse verbessert – die Viehbestände werden auf Tuberkulose untersucht – und für den Fall einer Infektion stehen Antibiotika zur Verfügung.

Anzeige

Rohmilch ist in den letzten Jahren in den USA modern geworden. Anhänger schätzten nicht nur den „natürlichen“ Geschmack, den Produkten wird auch eine gesundheits­fördernde Wirkung zugeschrieben, für die es nach Einschätzung der American Academy of Pediatrics jedoch keine Belege gibt. Die US-Pädiater schätzen in einer aktuellen Stellungnahme in Pediatrics (2013; doi: 10.1542/peds.2013-3502), dass in den 30 Staaten, die den Verkauf von Rohmilch erlauben, zwischen 1 und 3 Prozent aller Milchprodukte unpasteurisiert verzehrt werden, darunter auch häufig von Kindern und Schwangeren.

Rohmilch kann neben Listeria monocytogenes noch andere Keime wie Campylobacter jejuni, Salmonellen, Brucellen und Escherichia coli O157 übertragen, die auch bei gesunden und immunkompetenten Menschen schwere Infektionskrankheiten auslösen können. Besonders gefürchtet ist Escherichia coli O157, dessen Toxine ein hämolytisch-urämisches Syndrom induzieren können, das vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen häufig ein akutes Nierenversagen zur Folge hat.

Trisha Robinson und Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden in Minnesota berichten jetzt, dass zwischen 2001 und 2010 mehr als 20.034 Infektionen mit Campylobacter, Cryptosporidium, Escherichia coli und Salmonellen gemeldet wurden. Von den Infektionen, die innerhalb des Staates erworben wurden, hatten 3,7 Prozent der Patienten Rohmilch oder Rohmilchprodukte konsumiert.

Robinson schätzt aufgrund dieser Zahlen, dass nicht weniger als 17,3 Prozent der Rohmilchkonsumenten im Untersuchungszeitraum wenigstens einmal eine Infektion mit den Krankheitserregern erlitten haben – wobei es sich um Erkrankungen handelte, die einen Arztbesuch mit Diagnose der Krankheitserreger zur Folge hatte.

Am häufigsten waren die Infektionen bei Kindern. Oft waren es die Kinder von Farmern. Drei Viertel der Erkrankten unter 5 Jahre hatten die Milch von der eigenen Farm oder der Farm von Verwandten getrunken. Dabei kam es auch zu schweren Erkrankungen. Laut Robinson entwickelte ein Fünftel aller Escherichia coli O157–infizierten Patienten, die einen Konsum von Rohmilch angegeben hatten, ein hämolytisch-urämisches Syndrom, das in einem Fall tödlich endete. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER