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Gesundheitsberufe fordern Aufbruch in der Gesundheitspolitik

Dienstag, 17. Dezember 2013

Berlin – Die Forderungen der Gesundheitsberufe an die Politik hat das Bündnis Gesundheit 2000 in einer Resolution umrissen. Das Bündnis repräsentiert rund fünf Millionen direkt und indirekt Beschäftigte im Gesundheitswesen. „All diese Menschen in den Gesundheitsberufen kämpfen schon heute mit den Folgen einer steigenden Behandlungs- und Pflegebedürftigkeit der Bevölkerung“, heißt es in der Resolution. Sie litten unter einer erheblichen Leistungsverdichtung, Nachwuchsproblemen und einer nach wie vor unzureichenden Wertschätzung und Honorierung ihrer Arbeit.

Das Bündnis umreißt sieben zentrale Aufgabenfelder: Wichtig sei zunächst, die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) zukunftsfest zu machen. „Es darf nicht allein von der Konjunktur abhängen, ob für die Refinanzierung der Ausgaben im Gesundheits­wesen ausreichend Mittel zur Verfügung stehen“, heißt es in der Resolution. Die Politik müsse das duale Kran­ken­ver­siche­rungssystem so weiterentwickeln, dass es dem demografischen Wandel und dem medizinischen wie pflegerischen Fortschritt Rechnung gewachsen sei.

Zweitens sei es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die von dieser Gesellschaft als Wert geschätzte wohnortnahe und flächendeckende ambulante und stationäre Versorgung zu sichern. „Die finanzielle Ausstattung muss deshalb verbessert und den Herausfor­derungen angepasst werden. Es darf nicht sein, dass auf dem Rücken der Gesundheits­berufe und zulasten der Patienten gespart wird“, heißt es in der Resolution. Zum Bespiel sei es unzumutbar ist, dass alle Gesundheitsberufe im ambulanten wie im stationären Bereich dauerhaft Millionen von unbezahlten Arbeitsstunden leisten müssten.

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Die Therapiefreiheit ist ein weiteres wichtiges Anliegen der Gesundheitsberufe. „Seit Jahren aber sehen sich die Berufe im Gesundheitswesen einer unüberschaubaren Zahl gesetzlicher und untergesetzlicher Regelungen gegenüber“, kritisiert das Bündnis. Nach dem neuen Koalitionsvertrag soll die Kontrollbürokratie im Gesundheitswesen sogar noch ausgebaut werden.

Diese zunehmende Überregulierung führe dazu, dass die im Gesundheitswesen Beschäftigten immer weniger Zeit für ihren Dienst am Patienten hätten. „Wir fordern die neue Bundesregierung auf, die weitere Verrechtlichung in unserem Gesundheitswesen zu beenden und den notwendigen Raum für Therapiefreiheit und verantwortliche Patientenbetreuung wiederherzustellen“. Dazu gehöre auch, dass die Entschei­dungsautonomie der Gesundheitsberufe in Tariffragen unangetastet bleibe.

Der vierte Schwerpunkt der Resolution widmet sich dem Fachkräftemangel. Dieser „ist keine Prognose mehr, sondern längst Realität in deutschen Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Praxen“, heißt es in der Resolution. Diese Situation werde sich erst dann grundlegend ändern, wenn sich auch die beruflichen Rahmenbedingungen änderten. „Dabei geht es nicht nur um Geld: Die Gesundheitsberufe müssen attraktiver werden, nur dann können wir wieder mehr junge Menschen für eine Arbeit mit dem Patienten begeistern“, so das Bündnis.

Dazu gehöre auch – fünftens – mehr familienfreundliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Sechstens fordert das Bündnis, die Prävention zu stärken. „Deutschland braucht eine bessere Gesundheitsvorsorge, die die bestehenden Vorsorgeuntersuchungen nicht mehr allein auf die Entdeckung von Frühsymptomen für definierte Zielerkrankungen beschränkt“, heißte es in der Resolution. Wichtig sei, von rein krankheitsorientierten Strukturen, Prozessen und Vergütungen hin zu einem mehr gesundheitsfördernden Ansatz zu gelangen.

„Wir fordern die neue Bundesregierung auf, die Finanzierung von Gesundheitsan­geboten nicht allein von der Haushaltslage der Krankenkassen abhängig zu machen. Nur so haben patientenbezogene Maßnahmen Erfolg und Chancen“, so das Bündnis. Es sei deshalb wichtig, die Expertise der Gesundheitsberufe bei der Erstellung von Bewertungskriterien sowie der Überprüfung von Präventionsmaßnahmen einzubeziehen.

Die Gesundheitsberufe warnen siebtens vor EU-Plänen, medizinische Verfahren durch nichtmedizinische Industrienormungs-Institutionen festzuschreiben. „Das Gesundheits­wesen braucht Qualitätsstandards, die auf einer soliden Evidenz beruhen und ethisch verantwortbar sind“, so die Resolution. © hil/aerzteblatt.de

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