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Medizin

FDA zweifelt an Nutzen und Sicherheit antibakterieller Seifen

Dienstag, 17. Dezember 2013

dpa

Rockville – Die US-Aufsichtsbehörde FDA hat die Hersteller von antibakteriellen Seifen und Körperpflegeprodukten für den Consumer-Bereich aufgefordert, die Sicherheit und Effektivität ihrer Produkte wissenschaftlich zu belegen oder die antibakteriellen Bestandteile – nach einer Frist von einem Jahr – aus den Produkten herauszunehmen. Die in Kliniken und Arztpraxen verwendeten Handdesinfektionsmittel sind – vorerst – nicht betroffen.

Die US-Behörde reagiert auf die Kritik von Verbraucherschützern und Wissenschaftlern, die den Nutzen von Desinfektionsmitteln wie Triclosan (in flüssigen Seifen) und Triclo­carban (in festen Seifen) bezweifeln und auf mögliche Risiken hinweisen. Die beiden Antiseptika waren lange auf den medizinischen Sektor beschränkt.

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Seit einigen Jahren hat jedoch der Verkauf von „antibakteriellen“ Seifen und Körper­pflegeprodukten zugenommen. Triclosan und Triclocarban sollen mittlerweile in mehr als der Hälfte aller Pflegeprodukte enthalten sein, wobei die öffentliche Diskussion um die Ausbreitung multiresistenter Keime wie MRSA die Nachfrage gefördert hat. Dass die Verwendung von antibakteriellen Seifen Infektionen verhindert, ist aus Sicht der FDA jedoch wissenschaftlich nicht erwiesen.

Dem möglicherweise fehlenden Nutzen könnte eine schädliche Wirkung gegenüber­stehen. Sie betrifft zum einen die Förderung von Bakterienresistenzen, die durch den verbreiteten Einsatz von Triclosan und Triclocarban in niedrigen Dosierungen geradezu herausgefordert werden.

Klinisch relevante Resistenzen wurden bisher nicht gefunden, dänische Mikrobiologen konnten jedoch kürzlich in einer Studie zeigen, dass die Empfindlichkeit von heutigen Staphylococcus epidermidis gegenüber Isolaten aus der Zeit vor Einführung von Triclosan (in den 70er Jahren) zurückgegangen ist (PLoS ONE 2013; 8: e62197).

Weitere Bedenken betreffen die Auswirkungen von Triclosan auf den menschlichen Organismus und die Umwelt. Triclosan wird vom Körper teilweise aufgenommen, es ist in Spuren im Blut und im Urin nachweisbar. In einer australischen Studie enthielten sogar 93 Prozent aller Muttermilchproben Triclosan. Schon in geringen Mengen könnte Triclosan als endokriner Disruptor in den Hormonstoffwechsel eingreifen. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit mit Thyroxin wird eine Störung der Schilddrüsenfunktion befürchtet, was sich bei Ratten auch beobachten lässt. Umweltschützer sind alarmiert, da Triclosan in Gewässern nachweisbar ist. Eine Akkumulation etwa in Algen ist doku­mentiert.

Die Hersteller haben diese Bedenken bisher von sich gewiesen und Interessenverbände wie das „American Cleaning Institute“ oder der „Personal Care Products Council“ behaupten, dass auch eine infektionspräventive Wirkung längst belegt sei. Die FDA gibt den Herstellern jetzt 180 Tage Zeit, die wissenschaftlichen Befunde hierzu vorzulegen.

Sollten sie die FDA nicht überzeugen, müssten Triclosan und Triclocarban spätestens nach einem Jahr aus den Produkten verschwinden. Ein Ende der Seifen, Shampoos und Körperpflegemittel würde dies sicherlich nicht bedeuten, da die Reinigung nicht durch die Antiseptika gefördert wird, auch wenn die Hersteller dies in den nächsten Monaten suggerieren sollten.

Offen ist derzeit noch, wie die FDA mit den Desinfektions- und Reinigungsmitteln verfahren wird, die in Arztpraxen und Kliniken eingesetzt werden. Sie sind von der derzeitigen Regelung nicht betroffen. Es wird aber erwartet, dass die FDA auch hier in Zukunft Standards einfordern wird.

In der vergangenen Woche hatte die FDA eine weitere Initiative zur Vermeidung von Resistenzen gestartet. Der unkontrollierte Einsatz von Antibiotika als Wachstums­beschleuniger in der Viehzucht soll verboten werden. © rme/aerzteblatt.de

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