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Ausland

EU-Institutionen einigen sich auf härtere Auflagen für Tabakprodukte

Dienstag, 17. Dezember 2013

In Australien schon einfegührt: Schockbilder auf Zigarettenpackungen /dpa

Straßburg – Mit Schockbildern und unübersehbaren Warnhinweisen will die Europäische Union vor allem junge Menschen verstärkt vom Rauchen abhalten. Auf eine ent­sprechende Neuregelung haben sich nach langen und zähen Beratungen in der Nacht zum Dienstag die Brüsseler Kommission, das Europaparlament und die EU-Staaten in Brüssel geeinigt. Die neue Richtlinie muss nun noch formell von Rat und Parlament verabschiedet werden. Anschließend haben die 28 Mitgliedsländer zwei Jahre Zeit, um die Vorschriften in nationales Recht umzusetzen.   

90 Prozent aller Tabakprodukte betroffen
Neben den abschreckenden Bildern auf den Zigarettenpackungen, wie eine schwarze Raucherlunge, müssen der Neuregelung zufolge künftig 65 Prozent der Vorder- und Rückseite der Packungen von Warnhinweisen wie „Rauchen tötet“ bedeckt sein. Das gleiche gilt für Zigaretten-Feinschnitt und Wasserpfeifen-Tabak – Produkte, die vor allem bei Jugendlichen beliebt sind. Damit fielen rund 90 Prozent aller Tabakprodukte unter die neue Richtlinie, erläuterte eine Mitarbeiterin im Europaparlament. Für Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak reichten hingegen weiterhin einfache Warnhinweise.

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Warnhinweise für Tabakprodukte sind in der EU bereits heute vorgeschrieben. Sie bedecken allerdings bisher nur 30 Prozent der Vorder- und 40 Prozent der Rückseite von Zigarettenschachteln. Besonders gefährliche Zusatzstoffe, die Krebs erregen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzungsfähigkeit einschränken können, sollen ganz aus Tabakprodukten verbannt werden.

Übergangsfrist für Menthol-Zigaretten von acht Jahren
Das gleiche gilt für „charakteristische Aromen“, die nicht nach Tabak schmecken - etwa Vanille oder Schokolade, die den bitteren Geschmack des Tabaks mildern und vor allem bei Jugendlichen beliebt sind. Menthol-Zigaretten sollen längerfristig ebenfalls vom Markt verbannt werden – allerdings erst nach einer Übergangsfrist von acht Jahren.   

Die Neuregelung mache „den Einstieg ins Rauchen für Jugendliche unattraktiver“, betonte der CDU-Abgeordnete Karl-Heinz Florenz, der an den Verhandlungen beteiligt war. Das verbessere den Gesundheitsschutz.   

Der Vorschlag des Europaparlaments, auch sogenannte Imitationsprodukte - wie Zigaretten aus Schokolade für Kinder - zu verbieten, fand im Rat keine Mehrheit. Die EU-Staaten argumentierten, dafür sei die EU nicht zuständig. Einige Mitgliedsländer haben solche „Imitationsprodukte“ bereits verboten, wie es die Weltgesundheits­organisation empfiehlt.    

Die Unterhändler der EU-Staaten, des Europaparlaments und der Brüsseler Kommission vereinbarten außerdem, dass die sogenannte elektronische Zigarette nicht als Medikament eingestuft wird. Damit bleibt die in einigen EU-Staaten sehr verbreitete E-Zigarette, die eine nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft, weiterhin nicht apothekenpflichtig.

Über einige Details konnte jedoch noch keine Einigung erzielt werden - etwa zu Vorschriften über die maximal zulässige Nikotin-Konzentration. Darüber wollen die Unterhändler morgen erneut diskutieren. Wenn sie keine Einigung erzielen, könnte es vorerst gar keine EU-Vorschriften zu diesen Produkten geben, deren Auswirkungen auf die Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 1. Januar 2014, 12:47

@Malledoc

Da haben Sie mich aber gründlich missverstanden! Ich bin nicht fürs Verbieten, aber für einen regulierten Umgang mit Drogen. Und ich bin gegen eine Unterscheidung von legalen und illegalen Drogen! Ich bin vor allem für einen regulierten Alkoholmarkt, 40.000 Alkoholtote pro Jahr (möglicherweise auch die doppelte Zahl bei Berücksichtigung der Todesfälle durch alkoholassoziierte Krankheiten) und Millionen betroffene Angehörige, wirtschaftlicher Schaden allein durch Krankheitskosten, Arbeitsunfähigkeit, Berentung, vorzeitigen Tod 40 Mrd. €, mehr als der Gesamtumsatz der Alkoholerzeuger von 28 Mrd. € (Quelle: Statistisches Bundesamt). Dazu kommen die Kosten durch psychische und physische Schäden der Kinder und Partner, die Unterhaltskosten für die Familien nach der Trennung, der Kindesunterhalt für nichtzahlende außereheliche Väter...
Ich wehre mich gegen die einseitige Verteufelung des Tabakrauchens, beim Passivrauchen auf einer äußerst dünnen Datenlage, und die völlige Ignoranz der alkoholbedingten Störungen. Eine mächtige Lobby von trinkenden Politikern, Brauern, Winzern, Schnapsbrennern und Gastronomen sorgt dafür, dass Alkohol als Droge kaum wahrgenommen wird, von den Schäden durch "Passivtrinken" gar nicht zu reden! Gerade Sie müßten doch auf Mallorca damit bestens vertraut sein.
Avatar #90037
malledoc
am Sonntag, 29. Dezember 2013, 22:24

@Practicus

Sie sind im Trend der Zeit. Immer verbieten.
Im Übrigen empfehle ich flg. Artikel aus dem Ars Kunstmagazin:

Militante Nichtraucher, wer kennt sie nicht. Wir erfreuen uns weiterhin der vollen Wucht ihrer Gesellschaft. Wenn sie da so vor uns stehen, vollgepisst vor Freude weil sie auf Vergeltung aus sind und ihre schorfigen Schenkel die warmen Urintropfen willkommen heißen.
Jahrelang verfluchten sie ihr Pech und suchten nach plausiblen Gründen für ihr Scheißleben. Aber jetzt ist für militante Nichtraucher das ganze Jahr über Weihnachten. Anstatt sich nach einer sinnvollen Tätigkeit umzusehen, wurden aus ihnen begabte Vollzeitantirauchernazis, die uns den Blick auf eine unabhängige Zukunft verdunkeln. Das ist aber auch wirklich das einzige, was möglich ist, da die eklatanten intellektuellen Mängel zu einer gewissen Bescheidenheit in der Wahl der Möglichkeiten verdammen.
Am besten sind diese militanten Anti-Raucher, wenn sie sich in energischer Weise gegenseitig Beistand leisten, sich mit großem Temperament artikulieren und mit angeborenem Geschick grimassenschneidend mit der Hand vorm Gesicht wedeln. Die hochgezogenen Augenbrauen, ein Zeichen von Empfindsamkeit, das sich bis ins Barmherzige und Gönnerhafte steigern lässt. Aber meistens verdecken ihre ausdrucklosen Gesichter hartnäckig ihren unchristlichen Widerwillen. Sie meinen es ja gut und machen sich Sorgen. Wer macht sich sonst die Mühe, wenn sie ihre heroisch-ritterlichen Reserven für uns mobilisieren? Militante Nicht-Raucher sind Scheißnervensägen. Wahrscheinlich sucht ihr Geist uns noch nach unserem Lungekrebstod heim.
Es bringt ja auch nichts, sie in ihrer Gesundheitsduselei, in ihrer Bettnässerei, in ihrem protestantischen Irrtum und mangelndem Schamgefühl zu bremsen. Was kann man den Idealen von Reinheit, Gesundheit und gegenseitigem Respekt entgegenhalten? Ab wann darf man den Raucher endlich schlagen? Aber vielleicht provoziert unsere Anwesenheit nur den Dialog über die morbide Spekulation der eigenen Sterblichkeit.
Aber eigentlich sind militante Nicht-Raucher dufte. Sie bringen mich mit ihrer kleingeistigen Haltung niemals in Verlegenheit. Das mag ich so an ihnen. Rauchen lässt mich morgens aufstehen, ersetzt mir die Beichte und löst meine Probleme. Jesus, wie ich das Rauchen liebe!
Alles Gute und Gesundheit noch fürs neue Jahr.
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 24. Dezember 2013, 13:06

...es gibt ja bewährte Modelle!

In vielen Länder hat es sich bewährt, Tabakprodukte und Spirituosen nur in lizenzierten Geschäften zu verkaufen. Mindestalter am besten 21 Jahre, begrenzte Höchstabgabemenge an Privatpersonen... Wirksam natürlich nur dann, wenn die Weitergabe von legalen und illegalen Drogen an Kinder und Jugendliche einer einheitlichen Strafbarkeit unterliegt - wer Jugendlichen oder Kindern Alkohol und Tabak anbietet, tut nichts anderes als ein Dealer, der Cannabis und Pep an Schüler vertickt!
Was nützt es, wenn Jugendliche zwar nicht mehr - oder zumindest weniger - rauchen, dafür aber 10% der männlichen Bevölkerung zwischen 15 und 25 nach ICD-10-Kriterien eine Alkoholabhängigkeit aufweisen?
Öffentliches Tabakrauchen ist inzwischen in allen Medien verpönt, während allerorten fröhlich aus jedem Anlass gebechert wird, von der Talkshow bis zum Tatort, und Alkoholreklame ungefiltert 24 Stunden täglich läuft, vor allem beim Sport...
Statistisch errechnete Todesfälle durch Passivrauchen begründen ein weitgehendes Rauchverbot, allein 40.000 ermittelte(!) alkoholisierte Täter bei schwerer und gefährlicher Körperverletzung sowie Sexualdelikten mit ebensovielen Opfern des "Passivtrinkens" begründen aber nicht einmal ein Nachdenken über Restriktionen beim Alkohol... irgendwie eine verkehrte Welt!
Avatar #93996
johann.gruber
am Sonntag, 22. Dezember 2013, 00:14

Warnhinweise und Schockbilder werden auf Großplakaten lächerlich gemacht!

Die SCHOCKBILDER auf Zigarettenschachteln werden nicht viel wirksamer sein, als die bisherigen Sprüche wie "Rauchen kann tödlich sein.“ usw. Denn auf Großplakaten werden fröhliche junge Menschen weiter vergnügt die abgebildeten Zigarettenpackungen inkl. der Warnhinweise mit einem Lächeln kommentieren.
Wer den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Gefahren des Nikotins und seinem Suchtpotenzial sowie des Tabakrauchs ernst nimmt, wird nicht umhinkommen, die Plakatwerbung abzuschaffen, die in Deutschland noch zulässig ist. In www.krebsgesellschaft.de (Suche nach: „Tabakwerbung“) werden die Gefahren der Tabakwerbung für Kinder und Jugendliche in ihrem schwierigen Alter ausführlich aufgezeigt.
Wer in England Zigaretten kaufen will, muss dort seit 2011 in ein Geschäft gehen, weil die Zigarettenautomaten abgeschafft wurden.
Peinlich ist es allerdings, wenn Geschäfte und Lebensmittelmärkte mit einer „zuckerfreien Kasse“ bei Müttern und Vätern punkten wollen, gleichzeitig aber an jeder Kasse ihr Sortiment an Tabakwaren und die entsprechende Werbung dazu platzieren. Es wäre nur zu wünschen, dass einer der großen Anbieter damit anfangen würde, sein Tabakwarenangebot in eine nur Erwachsenen zugängliche Ecke zu verbannen. Dann könnte man nämlich mit „tabakfreie Kassen“ bei Familien punkten.
Avatar #88255
doc.nemo
am Mittwoch, 18. Dezember 2013, 15:20

@WillBerlin


<Mit der noch zu beweisenden Unterstellung, dass besagte "Politiker" überhaupt wissen, was Genuss ist.>

Ha, die wissen genau, was Genuss ist: Das lernen sie spätestens bei "Arbeitsessen" auf Einladung von Lobbyisten in sterneprämierte Luxusfresstempel.
Avatar #110406
WillBerlin
am Dienstag, 17. Dezember 2013, 23:23

Abschreckbilder von Europa-Politikern wären adäquater

Dummheiten, die vorstellbar sind, werden in der Regel auch irgendwann umgesetzt. Dazu gehören Abschreckbilder auf Zigarettenpackungen. Empirische Untersuchungen der bisherigen Abschreck-Parolen auf den Packungen mit dem Ergebnis von Unwirksamkeit oder gegenteiliger Wirkung haben offenbar straßburger Wichtigtuer wenig beeindruckt.
Wenn Politik nicht mehr von den als "Politiker" deklarierten Personen wirklich ausgeübt werden kann, dann sind immerhin Attacken auf Kultur und Lebenswelten noch Möglichkeiten, sich Machtillusionen zu verschaffen und bei den Massen den Eindruck von politischer Macht oder politischer Aktivität zu erzeugen. Das Motto "Jugendschutz" als Alibi zieht natürlich immer, obwohl bisher langfristig - siehe Komasaufen - keine derartige Maßnahme jemals Erfolge hatte. Nichtrauchen und Nichtsaufen sind Negativ-Perspektiven, d. h. Reduktionen, Entzüge, und nicht Maßnahmen, die positive Perspektiven für Jugendliche eröffnen, welche dann vielleicht Rausch- und Suchtmittel wieder mehr zurück in den Genußbereich bringen könnten. Mit der noch zu beweisenden Unterstellung, dass besagte "Politiker" überhaupt wissen, was Genuss ist.
LNS

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