Medizin

ADHS: Priapismus durch Methylphenidat

Dienstag, 17. Dezember 2013

Rockville – Der zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) am häufigsten eingesetzte Wirkstoff Methylphenidat kann in seltenen Fällen einen Priapismus auslösen. Darauf macht die US-Arzneibehörde FDA in einer Drug Safety Communication aufmerksam. Die Fachinformation wurde geändert.

Der Priapismus ist eine zumeist schmerzhafte Dauererektion, die unbehandelt zu einer erektilen Dysfunktion führen kann und deshalb zu den medizinischen Notfällen zählt. Als Zeitgrenze wird eine Dauer von vier Stunden angegeben, in der eine Entlastung der Schwellkörper erfolgen sollte.

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Dem FDA Adverse Event Reporting System (FAERS) sind zwischen 1997 und 2012 insgesamt 15 Fälle von Priapismus im Zusammenhang mit der Einnahme von Methyl­phenidat gemeldet worden. Bis auf einen ereigneten sich alle bei Jugendlichen unter 18 Jahren, der jüngste war gerade einmal 8 Jahre alt (medianes Alter 12,5 Jahre).

Einige Patienten mussten hospitalisiert werden. Bei zwei Patienten wurde eine chirur­gische Intervention notwendig: Bei einem wurde ein Shunt gelegt, um das Blut aus den Schwellkörpern zu entleeren, bei dem anderen gelang dies durch eine Nadelaspiration.

Bei vier Patienten trat die Störung auf, nachdem sie Methylphenidat abgesetzt hatten. In diesen Fällen besserte sich die Störung manchmal durch eine Wiederaufnahme der Therapie, schreibt die FDA, die keine Angaben zum möglichen Pathomechanismus macht. Methlyphenidat hat eine sympathomimetische Wirkung. Da die Erektion auf einer Relaxation glatter Muskelzellen beruht, erscheint ein Priapismus als Folge paradox. Dies könnte darauf hindeuten, dass eine Änderung der Dosierung oder der Wechsel zwischen Präparaten unterschiedlicher Halbwertszeit als Auslöser infrage kommen.

Die Nebenwirkung ist laut FDA vermutlich sehr selten, auch wenn von Spontanmel­dungen nicht auf eine Häufigkeit geschlossen werden kann. Außerdem ist es möglich, dass Kinder und Jugendliche die Nebenwirkung aus Scham verschweigen. Wegen der dauerhaften Folgen sollten die Ärzte aber auch die jüngeren Patienten über die Komplikation informieren, fordert die FDA, die die Fachinformation entsprechend aktualisiert hat.

Der Priapismus ist eine bekannte Nebenwirkung von Medikamenten, darunter Antikoa­gulanzien, Antihypertensiva, Antidepressiva und Antipsychotika. Häufiger tritt er jedoch bei Sichelzellanämie und Krebserkrankungen auf. © rme/aerzteblatt.de

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