NewsMedizinForscher fordern frühzeitige Integration von palliativen Therapiekonzepten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Forscher fordern frühzeitige Integration von palliativen Therapiekonzepten

Donnerstag, 19. Dezember 2013

dpa

Boston – Laut eines kürzlich veröffentlichten Artikels im New England Journal of Medicine erhalten Patienten mit einer unheilbaren Erkrankungen häufig zu spät eine spezialisierte palliativmedizinische Versorgung. Ravi Parikh und Koautoren berichten, dass die Gleichsetzung der Palliativmedizin und der sogenannten End-Of-Life-Care oft zu einer ungenügenden Versorgung von Schwerstkranken führt (http://dx.doi.org/10.1056/NEJMsb1305469).

Nach WHO-Definition ist die Palliative Care ein Therapiekonzept, das bei der Behand­lung die Lebensqualität von Patienten mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung in den Vordergrund rückt. Sie nimmt sich der körperlichen, psychosozialen und spirituellen Bedürfnisse des Patienten und seines Umfeldes an. Die Autoren berichten, dass der Begriff von Medizinern oft als End-Of-Life-Care falsch verstanden werde, also als Sterbebegleitung von Patienten mit stark begrenzter Lebenserwartung.

Anzeige

Folglich würde eine palliative Versorgung meist erst in der Terminalphase einer Erkrankung geleistet, nachdem andere Therapieansätze nicht greifen. Die Autoren meinen, dass eine frühere Einbeziehung der Palliativversorgung zur herkömmlichen Therapie sich in vielfacher Hinsicht rechnet.

Anhand von fünf zitierten Studien zeigt die Autorengruppe, dass frühe palliative Therapie­ansätze die Lebensqualität, die Symptomkontrolle und das Gesamtüberleben signifikant verbessern können. Nicht zuletzt bekämen die Patienten ein besseres Verständnis für die Therapieziele ihrer Behandlung. Befragungen von Patienten mit metastasierten Tumorleiden zeigten, dass der Großteil irrtümlich glaube, ihre Erkrankung könne kurativ durch Chemo- und Strahlentherapie behandelt werden.

In wirtschaftlicher Hinsicht sei eine frühe Palliativversorgung gleichfalls lohnenswert. Krankenhäuser mit einem palliativen Versorgungsschwerpunkt haben laut den Autoren eine kürzere Verweildauer, weniger Intensivfälle sowie geringere Medikamenten- und Laborkosten.

Eine Abgrenzung der Palliativmedizin von der End-of-life-Care ist nach Ansicht der Forscher auch in politischer Hinsicht wichtig. Letztere werde in der Öffentlichkeit oft mit dem Unterlassen medizinischer Maßnahmen oder der Sterbehilfe in Verbindung gebracht. Die Definition und Anwendung der Palliativversorgung als „zusätzliche Unterstützung für jedes Stadium einer schweren Erkrankung“ werde hingegen wesentlich positiver aufgenommen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2018
Frankfurt (Oder) – Die neue brandenburgische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Susanna Karawanskij (Linke) hat sich für die Weiterentwicklung und den Ausbau von Hospizangeboten im Land ausgesprochen. „Wir müssen
Karawanskij will Hospizdienste in Brandenburg ausbauen
12. Oktober 2018
München, Berlin – Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) tritt anlässlich des morgen stattfindenden Welthospiztages dem Bayerischen Hospiz- und Palliativbündnis bei. Der Vorstand der KVB hat
KV Bayerns will Palliativ- und Hospizversorgung stärker unterstützen
11. Oktober 2018
Berlin – Christliche Verbände fordern zum Welthospiztag am kommenden Samstag eine bessere medizinische Begleitung sterbender Menschen. Der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (kkvd) spricht
Verbände fordern zum Welthospiztag eine bessere Sterbebegleitung
17. September 2018
Stuttgart – Das Land Baden-Württemberg will die Hospiz- und Palliativversorgung verbessern. Staatssekretärin Bärbl Mielich (Grüne) hat dazu jetzt einen mit 1,3 Millionen Euro ausgestatteten
Aktionsplan für Palliativversorgung in Baden-Württemberg
10. September 2018
Berlin – Die Ersatzkassen informieren auf einem Internetportal über Hospiz- und Palliativangebote in Deutschland. Der Hospizlotse verzeichnet rund 1.000 ambulante und 260 stationäre Hospize für
Ersatzkassen starten Suchportal zu Hospizangeboten
9. August 2018
Dresden – Der Bedarf an Palliativmedizin in Sachsen steigt vor allem in Leipzig und Dresden an. Zu diesem Ergebnis kommt die Hospizstudie 2017, die das Sächsische Sozialministerium gestern
Bedarf an Palliativmedizin steigt in Städten
7. August 2018
Hannover – Die Fälle häuslicher Sterbebegleitung haben sich Krankenkassen zufolge seit dem Jahr 2005 in Niedersachsen verdreifacht. Nach einer Prognose des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) werde die
LNS
NEWSLETTER