NewsMedizinParkinson: Tiefe Hirnstimulation verbessert Fahrtauglichkeit
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Parkinson: Tiefe Hirnstimulation verbessert Fahrtauglichkeit

Freitag, 20. Dezember 2013

Hamburg – Die tiefe Hirnstimulation, die zunehmend zur Behandlung  der Parkinson­krankheit eingesetzt wird, hat in einer Studie in Neurology (2014; 82: 32–40) die Fahrtauglichkeit der Patienten in einem Simulator verbessert. Die Frage einer Fahrerlaubnis dürfte aber im Einzelfall zu entscheiden sein.

Parkinson-Patienten dürfen nur bei erfolgreicher Therapie oder in leichten Fällen der Erkrankung Auto fahren. So sehen es die Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereig­nung der Bundesanstalt für Straßenwesen vor. Die Patienten müssen ihre Fahreignung aber in Abständen von ein bis vier Jahren von einem Arzt oder Psychologen überprüfen lassen.

Stellen diese eine Demenz, schwere motorische Beeinträchtigungen wie Tremor oder Sehstörungen fest, müssen die Patienten ihren Führerschein abgeben. Offen war bisher die Frage, welchen Einfluss die tiefe Hirnstimulation auf die Fahrtauglichkeit hat.

Ein Team um Privatdozent Carsten Buhmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat deshalb die Fahrleistung von 23 Parkinson-Patienten mit eingesetzten Hirnschrittmachern geprüft. Zum Vergleich nahmen auch 21 Parkinson-Erkrankte ohne Implantat und 21 gesunde Menschen an den Tests teil. Alle Probanden verfügten über Fahrerfahrungen. Sie waren in den vergangenen drei Jahren mindestens einmal pro Woche länger als 30 Minuten Auto gefahren.

Getestet wurde in einem Simulator, wobei die Studienteilnehmer mit Hirnstimulator den Test dreimal absolvierten: mit eingeschaltetem Hirnschrittmacher, mit abgeschaltetem Implantat sowie ein weiteres Mal mit abgeschaltetem Stimulator und nachdem sie Levodopa eingenommen hatten.

Gemessen wurde die Anzahl der leichten, mittelschweren und schweren Fahrfehler. Geringfügige Fahrfehler waren etwa leichte Geschwindigkeitsüber- oder -unterschreitungen. Zu den schweren Fahrfehlern zählte beispielsweise das Nichtbeachten eines Fußgängers.

Patienten mit Stimulator fuhren insgesamt langsamer und vorsichtiger
Ergebnis: Patienten mit Stimulator fuhren insgesamt langsamer und vorsichtiger, sie verhielten sich aber letztlich ähnlich sicher wie die gesunden Teilnehmer aus der Kontrollgruppe. In der Kategorie „geringfügige Fahrfehler“ machten sie sogar weniger Fahrfehler als die gesunden Probanden, berichtet Buhmann: Die Parkinson-Patienten mit Stimulator erreichten in dieser Kategorie einen Durchschnittswert von 3,8. Die Kontrollgruppe lag bei 7,5 und die Parkinson-Patienten ohne Stimulator erreichten im Schnitt einen Wert von 11,4.

Die Parkinson-Patienten ohne Hirnschrittmacher fuhren schlechter als die gesunden Probanden und als die Patienten mit Stimulator, obwohl sie weniger schwer und kürzer erkrankt waren. Zudem fuhren die Parkinson-Patienten mit eingeschaltetem Hirnschrittmacher bei vergleichbarer Motorik fehlerfreier als unter dem Einfluss von Levodopa. So machten sie mit eingeschaltetem Hirnstimulator 11 Fahrfehler. Im Vergleich dazu verursachten sie 13 Fehler nach Medikamenteneinnahme sowie 14 Fehler ohne Medikament und mit ausgeschaltetem Stimulator.

Unter dem Strich steht für den Neurologen Buhmann fest, dass Parkinson-Patienten mit Hirnschrittmacher per se keine schlechteren Autofahrer sind als Erkrankte ohne Implantat. Sie dürften im Gegenteil sogar hoffen, dass sich ihre Fahrtüchtigkeit durch eine Operation sogar verbessert. Patienten mit tiefer Hirnstimulation sollten nach Ansicht von Buhmann daher nicht restriktiver behandelt werden als andere Parkinson-Erkrankte. Andererseits sei die Hoffnung auf besseres Autofahren allein natürlich kein Grund für die Implantation eines Hirnschrittmachers.

© rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER