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Ärzteschaft

Montgomery für „dringliche Überweisung“ statt schneller Termine

Freitag, 27. Dezember 2013

Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer hat die Einführung einer „Dringlichen Überweisung“ vorgeschlagen, damit Hausärzte ihre Kassenpatienten schnell zu einem Facharzt vermitteln können. So soll die im Koalitionsvertrag vereinbarte Termingarantie verhindert werden. Union und SPD wollen durchsetzen, dass Patienten in ein Krankenhaus gehen können, wenn sie nicht binnen vier Wochen einen Termin beim Facharzt erhalten.

Dies sei unsinnig, sagte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Mont­gomery, der Rheinischen Post vom Freitag. „Wichtig ist, dass Termine beim Facharzt weiterhin aus medizinischen Gründen vergeben werden.“ Dafür könne man eine neue Form der dringlichen Überweisung schaffen. Wer dann ohne Überweisung seines Hausarztes einen Facharzttermin wünsche, müsse unter Umständen etwas länger warten. © dpa/aerzteblatt.de

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Practicus
am Mittwoch, 1. Januar 2014, 13:05

Solange es RLV und Mengenbegrenzung gibt...

... und der Patient selbst entscheiden darf, ob er zum Facharzt geht, wird es Terminprobleme geben!
Die Kranken Kassen haben Geld für jeden Sch..ß, ein volles Bonusheft bringt netto mehr Geld (bis 500 €!) als der Hausarzt brutto für 2-3 Jahre Behandlung erhält, für Akupumktur und Homöopathie werden Stundenhonorare bezahlt, von denen nicht nur Psychotherapeuten träumen, die insgesamt fragwürdige Prävention schüttet einen wahren Geldregen über alle möglichen ärztlichen und nichtärztlichen Institutionen aus...
Wer bestellt, muss auch bezahlen - also nicht die Niedergelassenen für die Krankenhäuser, sondern erst mal die Kassen! Wenn alle Untersuchungen bezahlt werden, wird es auch Termine geben, wer kommt und keinen Umsatz, sondern nur Kosten mitbringt, muss halt warten!
Adolar
am Dienstag, 31. Dezember 2013, 17:30

Und sowas plant unsere Regierung??

Das ganze System ist mehr als krank, es steht knapp vor Koma. Es kann doch nicht sein, daß nur noch mit Tricks die Kassen-"Outlaws" an ihre Termine und die Ärzte an ihren angemessenen Verdienst kommen. Erinnert mich sehr an die Zustände in der Landwirtschaft, wo der Bauer erst dann auf dem Feld "operiert", nachdem er die Subventionen genau durchkalkuliert hat.
Rie-Rie
am Samstag, 28. Dezember 2013, 16:46

Wer bestellt muss auch bezahlen

Wenn Politiker durchsetzen wollen, dass Patienten schneller einen Behandlungstermin bekommen, dann müssen sie fordern, dass mehr Fachärzte ausgebildet werden, die sich dann niederlassen und durch eine entsprechende Aufstockung des ärztlichen Gesamthonorars bezahlt werden. Sie sollten dabei dem Patienten klar machen, dass er, wenn er seinen Arzt mit weniger Patienten teilen will, auch einen größeren finanziellen Anteil am Honorar dieses Arztes bezahlen muss. Die Bevölkerung muss sich bewusst machen, dass ein ständig bereitstehender Arzt für alle Gelegenheiten seinen Preis hätte. Es gibt nur die Wahl zwischen eingeschränktem Service zu akzeptablen Kosten oder uneingeschränkter Leistung zu einem nicht finanzierbaren Preis.
Kostenneutral mehr Patienten pro Zeit zu behandeln und damit schnellere Termine vergeben zu können, wäre nur denkbar, wenn die Fachärzte Leerzeiten hätten. Dies ist meiner Ansicht nach nicht der Fall und sollte von den Facharztverbänden auch definitiv öffentlich dargestellt werden.
Der Vorschlag einer "dringlichen Überweisung" würde dazu führen, dass die Patienten, die sich selbst immer in den Vordergrund stellen, also die Lauten und nicht die schwerer Erkrankten, massiv Druck auf die sowieso überlasteten Hausärzte ausüben würden, so dass viel wertvolle Behandlungszeit mit unsinnigen Diskussionen verloren ginge.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 28. Dezember 2013, 14:01

BÄK in paradoxer Kommunikation mit der KBV?

Peinlich, dass die Bundesärztekammer (BÄK) die eigentlich arzt- und verfassungsrechtlich bedenklichen Anteile der Koalitionspläne völlig übersieht:
Auflaufende Krankenhaushonorare für GKV-Patienten, die länger als 4 Wochen o h n e Rücksicht auf Dringlichkeit, Versorgungs- und Inanspruchnahme-Realität auf einen Termin beim Vertrags-Facharzt warten und deswegen alternativ Fachärzte in den Klinikambulanzen aufsuchen, sollen von der G e s a m t-Vergütung a l l e r ambulant vertragsärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen k o l l e k t i v abgezogen werden. Und das, obwohl Hausärzte i. d. R. taggleich oder innerhalb von 24 Stunden a l l e Akutfälle versorgen. Ein offener Vertragsbruch nach SGB V und die Einführung einer verfassungswidrigen Kollektiv- und Sippenhaftung, welche nur in totalitären "Schurkenstaaten" üblich wäre. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schweigt übrigens dazu bisher alternativlos.

Um maximale Wartezeiten auf Termine beim Facharzt zu verhindern, erfindet jetzt ausgerechnet die BÄK o h n e Abstimmung mit der KBV die Einführung einer "dringlichen Überweisung"?
Damit Hausärztinnen und Hausärzte, die ihre GKV-Patienten mit Akutkrankheiten o h n e Zeitverzug untersuchen, beraten und behandeln, noch ein wenig Mehrarbeit haben?
Und zusätzlich ganz nebenbei zwei verschieden abgestufte Überweisungsformulare abarbeiten sollen, um damit schneller zu einem Facharzt vermitteln zu können?

Man erkennt unschwer, dass BÄK-Präsident und Kollege, Professor h. c. (HH) Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, keine vertragsärztlichen Erfahrungen aufweisen kann:
1. Müssen immer diejenigen Termine organisieren, die sie auch selbst in ihrer Praxis abarbeiten können.
2. Sind Regelungen, die GKV-Patienten betreffen, im ärztlichen Bereich ausschließlich von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und den einzelnen KVen zu gestalten und vertraglich zu fixieren.
3. Es verwirrt Politik, Medien und Öffentlichkeit, wenn BÄK und KBV jeweils immer über die Fachgebiete der anderen Seite konfabulieren.
4. Hausärzte gegen Fachärzte ausspielen zu wollen, ist jetzt anscheinend auch interner BÄK-Bestandteil des zuvor von der BÄK inkriminierten "Ärzte-Bashing"?

Die BÄK täte gut daran, ihre ureigene Hausaufgabe einer brach liegenden GOÄ-Reform ebenso selbstkritisch wie energisch voranzutreiben: Systematik der Gebührenordnung für Ärzte vom 16.4.1987 (BGBl. I, S. 1218); GOÄ-Punktwert-Anhebung in 30 Jahren (1983-2013) um 14 %; kalkulatorischer Punktwert 10 (1983), 11 (1988), 11,4 Pfennige (1996); seit 1996 (!) k e i n e Anpassung an Kostensteigerungen und fehlender Inflationsausgleich.

Die BÄK schaut in aller Seelenruhe zu, wie es seit Jahrzehnten zu überwiegend Facharzt- und Technik-lastigen, unkontrollierten Mengenausweitungen mit immer obskureren Analog-Anwendungen bei den GOÄ-Abrechnungen zu Lasten der privat Krankenversicherten kommt. Und damit zeitgleich die fachärztliche Terminvergabe im vielgepriesenen "Dualen System" der Kran­ken­ver­siche­rungen bei den Gesetzlich Krankenversicherten der GKV immer weiter ausgedünnt wird.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
kairoprax
am Freitag, 27. Dezember 2013, 19:43

Oh, dieser Präsident! Oh, dieser Lauterbach! Oh dieser K.O.alitionsvertrag!


Kaum glaubt Herr Lauterbach einen neuen Weg gefunden zu haben, uns Ärzte vorzuführen, kommt ein mindestens ebenso weltfremder Gegenvorschlag von Herrn Montgomery. Sorry, anders kann man es nichgt ausdrücken.

Wie schnell, Herr Montgomery, werden die Patienten darauf dringen, keinen "normalen" sondern einen "montgomerösen" Überweisungsschein zu bekommen?

Wie effektiv, Herr Montgomery, werden Deutschlands Fachärzte auf einmal Termine haben für "dringliche" Überweisungen?

Und wie werden sich die Arzthelferinnen und Allgemeinärzte über ein weiteres Formular freuen, Herr Montgomery?

Gegenvorschlag.
Nichts machen und Lauterbach krachend gegen die Wand fahren lassen!
Denn, was glauben Sie, Herr Montgomery, wie schnell sich die stationär tätigen Kollegen bei ihrer derzeit bekanntermaßen keineswegs streßfreien Arbeitsbelastung den Grind an den Hals ärgern wegen all der dringlichen Fälle, die mit einem Mal auf ihrer Wartebank sitzen?

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal

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