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Medizin

Epidermolysis bullosa: Gentherapie bei Patienten langfristig erfolgreich

Montag, 30. Dezember 2013

Modena – Ein Patient aus Italien mit Epidermolysis bullosa lebt seit mehr als sechs­einhalb Jahren mit gentechnisch veränderten Hautzellen, die – allerdings nur am Ort der Transplantation – die Bildung von Hautblasen verhindert haben, die Kennzeichen der genetischen Dermatose sind. In Stem Cell Reports (2013; doi: 10.1016/j.stemcr.2013.11.001) stellen die Forscher jüngste Ergebnisse vor.

Der Patient „Claudio“ leidet unter einer non-Herlitz-Variante der sogenannten junktionalen Epidermolysis bullosa. Dieser Dermatose können unterschiedliche Gendefekte zugrunde liegen. Ihr gemeinsamer Nenner ist eine Blasenbildung in der Ebene der Lamina lucida genannten Basalmembran unterhalb der Epidermis.

Bei „Claudio“ ist eine verminderte Bildung von Laminin 332 für die extreme Fragilität verantwortlich. Er leidet allerdings unter einer milderen Variante der Epidermolysis bullosa, die bei anderen Gendefekten nicht mit dem Leben vereinbar ist. Bei Claudio kommt es vor allem nach leichteren Traumata zur Bildung von Blasen.

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Um einige Regionen an den Beinen zu schützen, entnahm ein Team um Michele de Luca von der Universität in Modena an der Handfläche Hautbiopsien. Die dort enthaltenden Stammzellen wurden isoliert und im Labor mit Hilfe eines Retrovirus (dem „murinen Leukämie virus MLV) mit einer korrekten Version des defekten Gens („long terminal repeat-driven LAMB3“) ausgestattet.

Danach wurden die Zellen zu flächigen Transplantaten vermehrt (eine Routinetechnik, die beispielsweise bei Verbrennungsopfern eingesetzt wird) und an neun Stellen am Oberschenkel des Patienten transplantiert. Die Therapie erfolgte vor Inkrafttreten der EU-Verordnung Nr. 1394/2007, die die Behandlung weiterer Patienten verhinderte.

Inzwischen sind sechseinhalb Jahre seit der Behandlung vergangen. Die Transplantate haben überlebt. Die Haut sei normal pigmentiert und robust, berichtet de Luca. Es komme weder spontan, noch nach Traumata, beispielsweise an den Stellen von Biopsien, zur Blasenbildung. Die transplantierte Haut sei heute sowohl berührungs- als auch schmerzempfindlich.

Auch nach einem stärkeren Trauma etwa 3 Jahre nach der Gentherapie hätten sich im Transplantat keine Blasen gebildet, schreibt de Luca, ganz im Gegensatz zur umgebenden Haut, wo es weiterhin bei den kleinsten Traumata oder auch spontan zur Blasenbildung komme.

Die Biopsien zeigen laut de Luca, dass die transplantierte Haut ausschließlich aus den genetisch modifizierten Zellen besteht. Auch mikroskopisch waren keine Störungen zu erkennen. Interessanterweise haben die Transplantate die Kennzeichen ihrer Herkunft aus der Handfläche behalten. Die Haut sei insgesamt derber als die umgebende Haut des Oberschenkels, teilt de Luca mit. Dies zeigt auf der einen Seite, dass die Plastizität von Stammzellen der Haut begrenzt ist.

Auf der anderen Seite fanden die Forscher keine Hinweise auf eine maligne Entartung oder andere Spätfolgen der Gentherapie, wenngleich die Gene der verwendeten Retroviren weiterhin in den Hautzellen nachweisbar sind. Sie haben sich allerdings im Erbgut nicht in der Nähe von sogenannten Onkogenen platziert, deren vermehrte Expression zum Krebswachstum führen könnte. Die Forscher sind zuversichtlich, dass dies auch in Zukunft bei „Claudio“ nicht der Fall sein wird, da sich die Epidermiszellen seit der Transplantation etwa 80 Mal durch Zellteilung erneuert haben. © rme/aerzteblatt.de

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