Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wie finanzielle Interessenkonflikte Reviews zu Übergewicht beeinflussen

Donnerstag, 2. Januar 2014

dpa

Potsdam-Rehbrücke – Systematische Übersichtsarbeiten, bei denen ein finanzieller Interessenkonflikt aufgrund industrieller Förderung angegeben war, kommen fünfmal häufiger zu dem Ergebnis, dass kein Zusammenhang zwischen dem Konsum zucker­haltiger Erfrischungsgetränke und einer Gewichtszunahme besteht, als Studien, bei denen kein Interessenkonflikt vorlag. Das berichten Wissenschaftler der Universität Navarra in Spanien und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) in der Fachzeitschrift Plos Medicine (doi 10.1371/journal.pmed.1001578).

Die Forscher erfassten zunächst alle in der PubMed-, Cochrane- und Scopus- Literatur­datenbank aufgeführten systematischen Übersichtsarbeiten, die seit Gründung der Datenbanken bis zum 31. August 2013 zum Thema „Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Getränke und Übergewicht“ erschienen waren.

In sechs der 17 identifizierten Artikel gaben Autoren finanzielle Interessenkonflikte an. Konkret bedeutet „finanzielle Interessenkonflikte“, dass einer oder mehrere der am wissenschaftlichen Manuskript beteiligten Autoren im Artikel angeben, der Lebens­mittelindustrie anzugehören oder finanzielle Unterstützung von ihr erhalten zu haben.

Nachdem die Forscher aus den Manuskripten alle Hinweise auf die Finanzierung oder auf angezeigte finanzielle Interessenkonflikte entfernt hatten, werteten zwei Wissen­schaftler unabhängig voneinander die Studien hinsichtlich ihrer Ergebnisse aus.

83,3 Prozent der systematischen Übersichtsarbeiten, die in den Manuskripten ohne Interessenkonflikt beschrieben waren, kamen zu dem Schluss, dass ein hoher Konsum von zuckerhaltigen Getränken direkt mit einer Gewichtszunahme oder Übergewicht verbunden ist. Dagegen kamen ebenso 83,3 Prozent der Arbeiten, bei denen Interessenkonflikte angegeben waren, zu dem entgegengesetzten Ergebnis, dass die vorliegenden Daten keinen Zusammenhang belegen.

„Obwohl unsere Untersuchung nicht darauf ausgerichtet war, zu klären, welche Interpretation der verfügbaren Daten richtig ist, stimmen die Ergebnisse uns doch bedenklich, da sie annehmen lassen, dass finanzielle Interessenkonflikte die Schluss­folgerungen einer Übersichtsarbeit beeinflussen können“, sagt Matthias Schulze, Co-Autor und Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie am DIfE.

So sei auffällig, dass industriell geförderte Studien oft über einen fehlenden Zusammenhang zwischen dem Konsum von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken und Übergewicht berichteten, obwohl dies im Widerspruch zu den Ergebnissen der Originalarbeiten stehe, erklären die Autoren weiter. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

12.10.17
Wieso ein Kaiserschnitt zu dickeren Kindern führt
New York – Mäuse, die per Kaiserschnitt entbunden werden, wiegen später ein Drittel mehr als nach einer natürlichen vaginalen Geburt. Die Auswirkungen, die Forscher in Science Advances (2017; doi:......
19.09.17
Mehr übergewichtige Kinder und Jugendliche in Mecklen­burg-Vorpommern
Schwerin – In Mecklenburg-Vorpommern (MV) leben mehr übergewichtige Kinder als in den Nachbarländern Berlin und Brandenburg. Das geht aus dem ersten Kinderreport hervor, den die AOK Nordost heute......
14.09.17
Darmbakterien beeinflussen Erfolg der „New Nordic Diet“
Kopenhagen – Die „New Nordic Diet“, die dänische Spitzenköche als Alternative zur mediterranen Diät entwickelt haben, führte in einer randomisierten Studie nur dann zur Gewichtsreduktion, wenn ein......
08.09.17
Online-Kampagne für mehr Geld im Kampf gegen Fettleibigkeit
Genf – Angesichts rasant steigender Zahlen von Übergewichtigen und Fettleibigen will die Internationale Adipositas-Gesellschaft die Aufmerksamkeit für das Problem erhöhen. Um Fettleibigkeit in......
17.08.17
Energiedichte Lebensmittel erhöhen das Krebsrisiko unabhängig vom BMI
Tucson – Nicht nur übergewichtige Menschen haben ein erhöhtes Risiko für bestimmte Tumoren. Auch normalgewichtige Personen, die sich ungesund ernähren, leben mit einem um zehn Prozent höheren Risiko......
18.07.17
Künstliche Süßungsmittel: Bisherige Studien zeigen eher Nachteile für die Gesundheit
Manitoba – Wer abhnehmen will, greift gerne zu Produkten, die anstelle von Haushaltszucker kalorienärmere Zuckerersatzstoffe enthalten. Dabei liegen keine Beweise vor, dass Übergewichtige durch......
13.07.17
Hausstaub bringt Fettzellen zum Wachsen und fördert Ansammlung von Triglyzeriden
Durham – Hausstaub enthält Umweltschadstoffe, die Übergewicht begünstigen könnten. In-Vitro-Versuche in einem Mauszell-Modell zeigen, dass bestimmte Substanzen die Weiterentwicklung zu reifen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige