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Medizin

Asthma: Wie sich das Essen auf die allergische Atemwegsentzündung auswirkt

Montag, 6. Januar 2014

Lausanne – Eine ballaststoffreiche Kost ist ein ungewöhnlicher Therapieansatz für das allergische Asthma, doch er könnte funktionieren. Tierexperimentelle Studien in Nature Medicine (2014; doi: 10.1038/nm.3444) zeigen, dass eine ballaststoffreiche Kost über eine Veränderung der Darmflora Fernwirkungen auf Knochenmark und die Atemwege erzielt und dadurch allergische Reaktionen abschwächt.

Die Ernährungsgewohnheiten der Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Der Anteil der Ballaststoffe ist zugunsten von Kohlenhydraten und Fetten gesunken, die leicht vom Darm resorbiert werden können. Gleichzeitig ist es zu einem Anstieg von allergischen Erkrankungen in der Bevölkerung gekommen. Das Team um Benjamin Marsland von der Universität Lausanne vermutet zwischen beiden Entwick­lungen einen Zusammenhang, dem es in einer Reihe von Experimenten nachgegangen ist.

Zunächst können die Forscher zeigen, dass Mäuse, die ballaststoffarm ernährt werden, eine verstärkte entzündliche Reaktion der Atemwege auf Hausstauballergene zeigen. Eine ballaststoffreiche Ernährung erzielte dagegen eine protektive Wirkung, allerdings nur, wenn die Pflanzenfasern von den Darmbakterien aufgeschlossen werden können.

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Dies ist beispielsweise bei Pektinen der Fall, die von einigen Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren aufgespalten werden. Eine pektinhaltige Kost führte bei den Versuchstieren schon nach kurzer Zeit zu einer Änderung der Darmflora mit einem vermehrten Anteil von Bacteroidaceae und Bifidobacteriaceae, die Pektine aufschließen,

Die Konzentration der kurzkettigen Fettsäuren nahm sowohl in den Faeces als auch im Blut zu. Als kurzkettige werden alle Fettsäuren bezeichnet, deren aliphatische Anteile aus höchstens sechs Kohlenstoffatomen bestehen. Zu den kurzkettigen Fettsäuren gehören beispielsweise Acetat, Propionat und Butyrat.

Nun ist bekannt, dass kurzkettige Fettsäuren über die Rezeptoren GPR41 und GPR43 einen Einfluss auf Zellen des Immunsystems haben, was sich im gesamten Organismus auswirken kann. Tatsächlich konnte Marsland die allergische Reaktion der Atemwege auf Hausstaubmilben vermindern, indem er das Trinkwasser der Tiere mit kurzkettigen Fettsäuren anreicherte.

Weitere Experimente zeigten, dass die hemmende Wirkung durch einen der beiden Rezeptoren (GPR41) vermittelt wurde. Über den Rezeptor kommt es zur Rekrutierung zusätzlicher dendritischer Zellen aus dem Knochenmark, die dann in die Atemwege einwandern. Als antigenpräsentierende Zellen entscheiden sie darüber, ob der Kontakt mit einem Antigen beispielsweise der Hausstaubmilbe eine allergische Reaktion auslöst.

In den Experimenten hatten die kurzkettigen Fettsäuren aus dem Darm eine verminderte Bildung von TH2-Zellen zufolge. TH2-Zellen sind gekennzeichnet durch die Bildung bestimmter Zytokine wie IL-4 und IL-5, die eine allergische Reaktion anstoßen. Eine ballaststoffarme Ernährung hatte einen gegenteiligen Effekt. Es kam zu einer vermehrten Bildung von TH2-Zellen. Die Bronchialwände wurden von eosinophilen Granulozyten infiltriert und die Entzündungsreaktion verlängert.

Ob die Ernährung auch beim Menschen einen Einfluss auf die Allergiebereitschaft hat, ist nicht bekannt. Die Erkenntnisse der Schweizer Forscher dürfte Anregungen für epidemiologische Studien geben, etwa zu der Frage, ob Menschen, die sich ballast­stoffreich ernähren, seltener an Asthma erkranken. Am Ende könnten klinische Studien stehen, die den Einfluss von Diäten auf die Symptome bei Asthmakranken untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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