NewsPolitikGröhe für neues Sterbehilfegesetz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Gröhe für neues Sterbehilfegesetz

Montag, 6. Januar 2014

Düsseldorf – In der Debatte um Sterbehilfe plädiert Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) für ein klares Verbot jeglicher organisierter Form der Beihilfe zur Selbst­tötung. Im Bundesjustizministerium gibt es nach Informationen der Katholischen Nach­richten-Agentur (KNA) allerdings derzeit keine Pläne für eine entsprechende Gesetzes­initiative. Die SPD, die mit Heiko Maas den Bundesjustizminister stellt, hatte sich in der vergangenen Legislaturperiode dafür ausgesprochen, das Thema mit einer gemein­samen Initiative im Bundestag anzupacken.

„Ich wünsche mir, dass wir jede geschäftsmäßige Hilfe zur Selbsttötung unter Strafe stellen”, sagte Gröhe der Rheinischen Post vom Montag. Wer mit den Ängsten der Menschen vor dem Sterben ein Geschäft machen wolle und sich für Hilfe zur Selbsttötung bezahlen lasse, handele „überaus verwerflich”, sagte Gröhe.

Die Straffreiheit der Selbsttötung und damit auch ihres Versuches zeige, dass es menschliche Dramen gebe, vor denen das Strafrecht zu Recht schweige, so Gröhe weiter. „Wer aber die Selbsttötung propagiert, als Ausdruck der Freiheit des Menschen geradezu verklärt, der versündigt sich an der Wertschätzung des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen”, sagte Gröhe.

Anzeige

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, begrüßte die Forderung Gröhes. „Der Minister rennt damit bei uns offene Türen ein”, sagte er dem Berliner Tagesspiegel vom Dienstag. „Wir sind gegen jede Form von organisierter Sterbehilfe und warnen seit langem vor der Werbung und Verlockung für Menschen, den vermeintlich leichten Ausweg zu suchen.”

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz zeigte sich erfreut über die Initiative Gröhes. Jede Form der organisierten Suizidbeihilfe müsse unter Strafe gestellt werden - egal, ob sie entgeltlich oder unentgeltlich geleistet werde. „Denn jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstbe­stimmung und würdevolles Sterben, aber kein Recht auf Tötung”, sagte Vorstand Eugen Brysch.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte in der vergangenen Legislaturperiode einen Gesetzentwurf eingebracht, der lediglich die gewerbsmäßige, auf Gewinne angelegte Beihilfe zur Selbsttötung unter Strafe stellt. Große Teile der Union und die Kirchen fordern aber, dass jede Form der organisierten geschäftsmäßigen Sterbehilfe - zum Beispiel auch gebührenfrei in Stiftungen und Vereinen - verboten wird.

Das würde auch Aktivitäten von Sterbehilfeorganisationen wie den Schweizer Gruppierungen Dignitas und Exit in Deutschland oder des Sterbehilfevereins des früheren Hamburger Justizsenators Roger Kusch untersagen © kna/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. August 2019
Portland/Oregon – In „kombiniert" 28 Jahren haben in den US-Staaten Oregon und Washington 3.368 Patienten von ihren Ärzten Medikamente zum Zweck der Selbsttötung erhalten, aber nur drei von vier
Ärztliche Sterbehilfe in den USA: Krebserkrankungen der häufigste Auslöser
11. Juli 2019
Lille – Nach jahrelangem Rechtsstreit ist der bekannteste französische Wachkomapatient Vincent Lambert tot. Der 42-jährige verstarb heute Morgen in der Universitätsklinik in Reims, wie seine Familie
Französischer Wachkomapatient Vincent Lambert ist tot
9. Juli 2019
Reims/Paris – Im Fall des Wachkomapatienten Vincent Lambert hat die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen wegen Mordes eingeleitet. Französischen Medienberichten zufolge hatten die Anwälte der Eltern
Vorermittlung der Staatsanwaltschaft wegen Mordes im Fall Lambert
8. Juli 2019
Paris – Die Eltern von Frankreichs wohl bekanntestem Wachkomapatienten wollen ihren Sohn sterben lassen. „Wir können uns heute nicht mehr vorstellen, den tödlichen Prozess aufzuhalten“, sagte der
Juristisches Tauziehen um Behandlungsstopp von Lambert beendet
5. Juli 2019
Berlin – 67 Prozent der Deutschen sind nach einer Umfrage für eine Zulassung der aktiven Sterbehilfe. 38 Prozent würden sie „voll und ganz“ befürworten, 29 Prozent würden ihr „eher“ zustimmen, heißt
67 Prozent der Bundesbürger für aktive Sterbehilfe
4. Juli 2019
Berlin – Das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Suizidbeihilfe von Ärzten hat heute weitere Reaktionen hervorgerufen. Die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates, die Kölner Medizin-Ethikerin
Urteil zu Sterbehilfe ruft unterschiedliche Reaktionen hervor
3. Juli 2019
Leipzig – Ärzte sind nicht verpflichtet, Patienten nach einem Suizidversuch gegen deren Willen das Leben zu retten. Das hat der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) heute in Leipzig entschieden
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER