NewsAuslandImmer mehr kinderlose Chinesen beauftragen US-Leihmütter
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Immer mehr kinderlose Chinesen beauftragen US-Leihmütter

Montag, 6. Januar 2014

Peking – Jahrzehntelang war China ein begehrtes Ziel für US-Bürger, die im Ausland ein Kind adoptieren wollten. Inzwischen machen viele Chinesen die Reise in umgekehrter Richtung: Weil die Rate der Unfruchtbarkeit in China steigt, verwirklichen viele Paare ihren Traum vom eigenen Kind mit Hilfe von Leihmüttern in den USA.  

„Ich wollte mich bei allem an die Regeln halten“, sagt eine Chinesin Ende 30, seit drei Monaten glückliche Mutter von Zwillingen. „Wir haben eine Menge illegaler Agenturen für Fruchtbarkeitsprobleme in China, aber ich traue den Ärzten nicht.“ Eine Krebser­kran­kung vor drei Jahren machte sie unfruchtbar. Ihre Eizellen sind jedoch in Ordnung, und so entschied sich das Paar für eine Leihmutter in den USA – in China ist das Austragen von Babys für andere illegal.  

Für die Entnahme von Eizellen und Sperma reiste das Paar nach Los Angeles, für die Geburt der Kinder und anschließende Formalitäten in die Heimat der Leihmutter, den US-Bundesstaat Tennessee. Insgesamt bezahlten sie umgerechnet knapp 110.000 Euro. Da die Kosten rund 34 Mal so hoch sind wie ein durchschnittliches Jahreseinkommen in einer chinesischen Stadt, bleibt dies freilich nur eine Option für Wohlhabende.  

Anzeige

US-Leihmutter-Vermittlungen: Ein Drittel der Kunden Chinesen
Rund ein Dutzend US-Leihmutter-Vermittlungen berichten von einem beträchtlichen Anstieg chinesischer Kunden in den vergangenen drei Jahren. Die Agentur Agency for Surrogacy Solutions im kalifornischen Encino ließ vor kurzem ihren Vertrag ins Chinesische übersetzen. Neue Kunden wirbt sie inzwischen mit Hilfe eines chinesisch­sprachigen Beraters. „Ein Drittel unserer Kunden sind Chinesen“, sagt Geschäftsführerin Kathryn Kaycoff-Manos. „Es ist ein Riesengeschäft. Wir bekommen jeden Tag Anrufe.“   

„Es scheint in China eine Menge Probleme mit Fruchtbarkeit zu geben“, sagt auch Stuart Bell, Mitinhaber von Growing Generations, einer der weltgrößten Leihmutter-Agenturen mit Sitz in Los Angeles. Im September besuchte er auf seiner Kundentour erstmals auch Peking und Shanghai und traf jeweils etwa zehn potenzielle Kunden. Der Fachanwalt Andrew Vorzimer aus Los Angeles sagt, die meisten Paare kämen nach Kalifornien, weil es dort eine etablierte Leihmutter-Branche und vorteilhafte Gesetze gebe. Die USA sind zudem beliebt, weil das Kind dann automatisch die US-Staatsbürgerschaft erhält.  

40 Millionen Menschen in China unfruchtbar
Nach Schätzungen des chinesischen Bevölkerungsforschungsinstituts sind in China rund 40 Millionen Menschen und damit ein Achtel der Bevölkerung im gebärfähigen Alter unfruchtbar - vier Mal so viele wie vor 20 Jahren. Wie die „Shanghai Morning Post“ berichtet, erfüllen zwei Drittel der Samen in Shanghais größter Samenbank nicht die Standards der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO). Als einen Hauptgrund dafür nennen Fachleute die starke Umweltverschmutzung.  

60 bis 70 Prozent der chinesischen Kunden entscheiden sich nach Angaben der US-Agen­­turen aus medizinischen Gründen für eine Leihmutterschaft. Auch homosexuelle Paare, die in China keine Kinder adoptieren dürfen, sind unter den Auftraggebern, ebenso Frauen, die Karriere machten und dann für ein Kind zu alt waren.  

Zudem wenden sich Chinesen wegen der Ein-Kind-Politik an Leihmütter: Zwar zahlen Wohlhabende, die mehr als ein Kind haben wollen, oft einfach eine Geldbuße - in Peking liegt diese laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bei durchschnittlich rund 12.000 Euro. Doch für weibliche Beamte ist die Sache schwieriger: Sie können ihre Stelle verlieren, wenn sie schwanger werden. „Ich habe mal einem Paar aus Peking geholfen, ihr Sohn ist jetzt fast zwei Jahre alt, und die Frau arbeitete für eine staatliche Bank“, erzählt ein Leihmutter-Agent in China. „Als Führungskraft durfte sie die Vorschriften nicht verletzen.“ © afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2020
Peking – Nach einem neuen Ausbruch des Coronavirus SARS-CoV-2 hat die ostchinesische Metropole Qingdao innerhalb von vier Tagen einen Massentest bei zehn Millionen Menschen durchgeführt. Wie die
Qingdao: Zehn Millionen Tests, bisher 13 Treffer
12. Oktober 2020
Peking – In China sollen sämtliche Einwohner der Millionenmetropole Qingdao innerhalb von fünf Tagen auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet werden. Das kündigte der Gesundheitsausschuss der
Gesamte chinesische Millionenmetropole Qingdao wird auf SARS-CoV-2 getestet
9. Oktober 2020
Peking – China hat sich der globalen Covax-Initiative angeschlossen, mit der die Entwicklung und gerechte Verbreitung bezahlbarer Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 gefördert werden soll. Es sei ein
China schließt sich globaler Covax-Impfstoffinitiative an
18. September 2020
Peking – Ein aus einem staatlichen chinesischen Labor stammender Erreger hat nach offiziellen Angaben tausende Menschen infiziert. Bei 3.245 Menschen in der Stadt Lanzhou im Nordwesten Chinas sei
Tausende Menschen in China mit aus Labor entwichenem Bakterium infiziert
16. September 2020
Peking – China rechnet damit, dass bereits im November ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung stehen könnte. Die Entwicklung des chinesischen Impfstoffs verlaufe „sehr reibungslos“, sagte
China hält Zulassung von Coronaimpfstoff bereits im November für möglich
24. August 2020
Peking – Durch mit Bakterien verunreinigtes Trinkwasser sind im Osten Chinas hunderte Menschen krank geworden. Nachdem seit vergangener Woche fast 500 Einwohner der ländlichen Stadt Baoyi an Durchfall
Hunderte Menschen in China durch verunreinigtes Trinkwasser erkrankt
5. August 2020
Mainz – Das Mainzer Unternehmen BioNTech und die chinesische Fosun-Gruppen haben in China mit klinischen Tests eines möglichen Impfstoffs gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 begonnen. 72 Teilnehmer seien
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER