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Politik

Pflegekräfte am Limit

Dienstag, 7. Januar 2014

dpa

Saarbrücken – Die Pflegearbeit im Krankenhaus leidet unter knappen Mitteln und wachsenden Aufgaben. Besonders der bereits bestehende Fachkräftemangel bringt Beschäftigte an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Diese schlechten Arbeitsbedingungen verstärken wiederum den Pflegemangel. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie des Saarbrücker iso-Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft.

In den sozialen Diensten setze sich mehr und mehr eine Markt- und Wettbewerbslogik durch, schreiben Lukas Nock, Volker Hielscher, Sabine Kirchen-Peters von dem Forschungsinstitut. So hätten sich im Krankenhaussektor durch Budgetkürzungen und seit der Einführung der Fallkostenpauschalen die Verweildauern der Patienten drastisch verkürzt. Zugleich habe die Zahl der Patienten in den vergangenen 20 Jahren um rund drei Millionen zugenommen. „Alles muss so organisiert werden, dass der Patient in der vorgegebenen Zeit alle notwendigen Prozeduren durchläuft. Dies begünstigt eine Industrialisierung der Pflegearbeit“, schreiben die Autoren.

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Für ihre Studie befragten sie im Rahmen einer Online-Erhebung mehr als 600 Pflegekräfte aus Allgemeinkrankenhäusern. Danach meint die Mehrheit der Befragten, dass es in ihrer Abteilung zu wenige Pflegekräfte gebe. Eine große Zustimmung der Befragten fand zudem die Aussage, dass die Arbeitsanforderungen in der Pflege deutlich gestiegen seien. Sie berichten in diesem Zusammenhang nicht nur von einem Anstieg der Patientenerwartungen, sondern ebenso von neuen Anforderungen durch arztnahe oder administrative Tätigkeiten.

Darüber hinaus machen sich die Alterungsprozesse der Bevölkerung im Arbeitsalltag der Pflegekräfte bemerkbar. Dies zeigt sich laut den Autoren auch in der breiten Zustimmung der Befragten zu der Aussage, es gelänge ihnen nicht, stets auf die Bedürfnisse ihrer pflegebedürftigen Patienten einzugehen. Zudem scheine eine Qualifizierungsoffensive notwendig, um die Pflegekräfte in die Lage zu versetzen, mit der steigenden Zahl Demenzkranker im Klinikalltag adäquat umzugehen.

Hinsichtlich der Arbeitssituation berichtet die überwiegende Mehrheit der Befragten von gesundheitlichen Folgen durch die Arbeitsbelastung und von der Erfahrung, an die persönlichen Belastungsgrenzen geraten zu sein. Je stärker der wirtschaftliche Druck wahrgenommen wird, desto weniger haben die Beschäftigten außerdem das Gefühl, gute Arbeit in der Pflege verrichten zu können. „Die Ergebnisse geben Grund zu der Annahme, dass ein durch Öko­nomi­sierung verursachter Zeit- und Effizienzdruck eine Arbeitssituation erzeugt, unter der die Gesundheit der Beschäftigten ebenso leidet wie die Pflegequalität“, so die Autoren der Studie.

Besonders ernüchternd: 19 von 20 Befragten glauben, dass unter den gegebenen Arbeitsbedingungen immer weniger Menschen einen Beruf in der Krankenpflege ergreifen werden. © hil/aerzteblatt.de

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