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Medizin

Herzinfarkt: Schlanke und sportliche Teenager erkranken seltener

Mittwoch, 8. Januar 2014

dpa

Umeå –  Eine gute körperliche Fitness kann Teenager davor bewahren, im späteren Leben einen Herzinfarkt zu erleiden. Die protektive Wirkung war in einer Kohortenstudie schwedischer Rekruten im European Heart Journal (2014; doi: 10.1093/eurheartj/eht527) auch bei adipösen Jugendlichen vorhanden. Sie konnte allerdings die Nachteile durch das erhöhte Körpergewicht nicht ausgleichen.

Die Zunahme von Übergewicht und Adipositas bei Jugendlichen beunruhigt Kardiologen. Die Adipositas ist ein etablierter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und nicht wenige fettleibige Teenager weisen bereits erste Zeichen einer Arteriosklerose auf. Viele fettleibige Teenager versuchen das Risiko durch Sport zu kompensieren, was aber nach Einschätzung von Peter Nordström von der Universität Umeå in Schweden nur bedingt möglich ist.

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Der Sportmediziner hat die Daten der schwedischen Armee zur körperlichen Fitness seiner Rekruten aus den Jahren 1969 bis 1984 mit den Entlassungsdiagnosen der Krankenhäuser in der Zeit danach abgeglichen. Alle jungen Männer werden in Schweden bei der Musterung zweitägigen Tests unterzogen. Dazu gehört auch ein Ergometer­belastungstest sowie die Bestimmung der Muskelstärke in Knie, Bizeps und beim Handgriff.

Nordström fand nun heraus, dass die Rekruten mit der geringsten körperlichen Fitness im späteren Leben am häufigsten wegen eines Herzinfarkts im Krankenhaus behandelt werden müssen. Für das Fünftel der Rekruten mit den schlechtesten Ergebnissen im Ergometertest (weniger als 282 Watt) ermittelt Nordström ein 2,1-fach erhöhtes Risiko. Für die Muskelstärke wurde ebenfalls ein, wenn auch wesentlich schwächerer Zusammenhang gefunden.

Die Assoziation zwischen mangelnder aerober Leistungsfähigkeit und dem späteren Herzinfarktrisiko bestand in allen „Gewichtsklassen“ der Rekruten. Auch adipöse Jugendliche können demnach ihr Herzinfarktrisiko durch eine aerobe Fitness senken (ein Muskeltraining hat dagegen eine geringe Wirkung). Den Nachteil der Adipositas können sie jedoch nicht vollständig ausgleichen.

Nach den Berechnungen von Nordström haben adipöse Jugendliche (BMI über 30) trotz guter Leistungen auf dem Ergometer (oberstes Viertel) ein um 71 Prozent höheres Herzinfarktrisiko als schlanke, aber körperlich leistungsschwache Jugendliche. Gegenüber schlanken körperlich fitten Jugendlichen war das Herzinfarktrisiko der adipösen und körperlich fitten Jugendlichen sogar mehr als vierfach erhöht.

Wie immer bei Kohortenstudien kann von einer Assoziation nicht automatisch auf eine Kausalität geschlossen werden. Zu den Einschränkungen der Studie gehört, dass Nordström keine Daten zum Risikofaktor Cholesterin vorlagen. Auch zum Rauchen langen nur unvollständige Angaben vor. Die körperliche Fitness wurde zudem nur ein einziges Mal – während der Musterung – untersucht, später aber nicht mehr.

Es handelt sich jedoch um die erste epidemiologische Untersuchung, die objektive Parameter der körperlichen Fitness mit späteren Herzinfarkten in Beziehung setzt. Die schwedischen Datenquellen gelten zudem unter Epidemiologen als zuverlässig. Sport kann bei jüngeren Menschen die Nachteile der Fettleibigkeit für die kardiovaskuläre Gesundheit demnach nicht vollständig ausgleichen. © rme/aerzteblatt.de

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