NewsMedizinSchlafapnoe: Neurostimulator verbessert Schlaf
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schlafapnoe: Neurostimulator verbessert Schlaf

Donnerstag, 9. Januar 2014

Pittsburgh – Ein Neurostimulator des Nervus hypoglossus, der über eine Tonussteigerung der Zungenmuskulatur nächtliche Apnoe-Attacken verhindern soll, hat in einer offenen klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2014; 370: 139-149) ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom gelindert. Der US-Hersteller bietet das Gerät in Europa bereits an. In seinem Heimatland hat er noch keine Zulassung erhalten.

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSA) ist Folge eines nächtlichen Tonusverlusts der Rachenmuskulatur. Es kommt zu wiederholten Apnoephasen, die die Schlafqualität mindern und langfristig das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Therapie der Wahl ist eine CPAP-Beatmung über eine Nasenmaske. Sie ist allerdings bei den meisten Patienten unbeliebt und wird deshalb oft unzuverlässig angewendet.

Zu den weniger häufig angewendeten, aber effektiven Therapien gehört ein Genioglossus Advancement. Bei dem chirurgischen Eingriff wird der Zungenmuskel gestrafft, was den Rachenraum vergrößert. Eine ähnliche, aber reversible Wirkung verspricht ein Neurostimulator des Zungennerven. Die Aktivierung des Nervus hypoglossus führt zu einer Kontraktion des Musculus genioglossus. Dies führt ebenfalls zu einer Vergrößerung des Rachenraums.

Anzeige

Drohende Apnoe durch elektrische Impulse beendet
Das Gerät der Firma Inspire Medical Systems aus Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota besteht aus drei Teilen. Ein Drucksensor, der unter der Haut des Brustkorbs implantiert wird, misst die Bewegungen des Brustkorbs. Über ein subkutanes Kabel wird die Information an ein Steuergerät übermittelt, das wie ein Herzschrittmacher unter dem Brustmuskel implantiert wird. Es erkennt am Rückgang der Atembewegungen die drohende Apnoe und beendet sie durch elektrische Impulse, die über ein zweites Kabel unterhalb des Kinns an den Hypoglossus abgegeben werden.

Der Hersteller ließ das Gerät in einer Studie an 22 Zentren in den USA und Europa (deutsche Beteiligung: Solingen, Köln, Mannheim, Wuppertal) an 126 Patienten testen. Die Patienten waren aus einer Gruppe von OSA-Patienten ausgewählt worden, die eine CPAP-Beatmung abgelehnt oder das Gerät nur selten angewendet hatten. Voraus­setzung für die Teilnahme waren eine mittelschwere bis schwere OSA mit einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) zwischen 20 und 50 pro Stunde.

Adipositas schließt Patienten aus
Es durften keine anatomischen Behinderungen bestehen und der Body-Mass-Index durfte nicht höher als 32 sein. Dies ist eine bedeutsame Einschränkung, da sie die Mehrzahl der OSA-Patienten ausschließt. Die Adipositas ist der wichtigste Risikofaktor des OSA.

Die Studie hatte außerdem keine Kontrollgruppe, wie dies für klinische Studien eigentlich üblich ist. Abgesehen von diesen Einschränkungen waren die Ergebnisse der „Stimula­tion Therapy for Apnea Reduction“-Studie (STAR Trial) gut. Wie Patrick Strollo vom University of Pittsburgh Medical Center und Mitarbeiter berichten, war der mediane AHI-Score bei der Folgeuntersuchung nach 12 Monaten von 29,3 auf 9,0 Ereignisse pro Stunde gefallen, ein Rückgang um 68 Prozent. Der Oxygen Desaturation Index (ODI), der die Zahl der Sauerstoffabfälle um mehr als 4 Prozent pro Stunde angibt, verbesserte sich von 25,4 auf 7,4 Ereignisse pro Stunde, ein Rückgang um 70 Prozent.

In einer zweiten randomisierten Studienphase wurden die Auswirkungen eines ein­wöchigen Auslassversuchs untersucht. Bei 23 Patienten, bei denen der Neurostimulator für diese Zeit abgestellt wurde, kam es zu einem sofortigen Anstieg des AHI-Scores auf 25,8 Ereignisse pro Stunde, während sich der Wert bei den 23 Teilnehmern der Ver­gleichs­gruppe, die die Therapie fortsetzten, nicht veränderte.

Kaum Komplikationen
Die Implantation des Neuroschrittmachers verlief in der Regel ohne Komplikationen. Ein Zweiteingriff war nur bei zwei Patienten notwendig. Etwa jeder fünfte Patient beklagte nach der Operation eine vorübergehende Schwäche der Zunge. Etwa 40 Prozent empfanden die Stimulationen als unangenehm, bei 21 Prozent kam es infolge des nächtlichen Zungendrückens gegen die untere Zahnreihe zu wunden Stellen, die bei 9 Patienten einen nächtlichen „Zungenschutz“ erforderlich machten.

In den USA ist der Neurostimulator noch nicht zugelassen. Die US-Arzneibehörde FDA prüft derzeit die Ergebnisse der Studie. Sie dürfte bei ihrem Urteil auch die Ergebnisse der Apnex Clinical Study of the Hypoglossal Nerve Stimulation (HGNS)berücksichtigen. Dort hatte der Konkurrent Apnex Medical Inc. einen anderen Hypoglossus-Stimulator an 132 Patienten getestet.

Die Studie wurde, wie die Lokalmedien berichteten, wegen Erfolglosigkeit vorzeitig abgebrochen. Die Ergebnisse sind bisher nicht publiziert. Die Firma aus Roseville/Minnesota stellte im August letzten Jahres ihren Betrieb ein. In Europa ist das Gerät bereits auf dem Markt. Der Hersteller musste für die Einführung nur die technische Zuverlässigkeit durch ein CE-Zertifikat bescheinigen lassen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Juni 2020
Marburg – Telemedizinische Konzepte können die Versorgung von Patienten, die an Schlafapnoe oder chronischem Schnarchen leiden. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und
Schlafapnoe: Telemedizin kann Versorgung verbessern
13. Mai 2020
Köln – Eine nachts im Mund getragene Kunststoffschiene, die die Atemwege mechanisch offenhält, kann die Tagesschläfrigkeit von Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe lindern. Die Therapie ist der
Unterkieferschiene hilft gegen Tagesschläfrigkeit bei obstruktiver Schlafapnoe
25. März 2020
Hannover − Die am Wochenende wieder bevorstehende Zeitumstellung geht einer Umfrage zufolge besonders Frauen auf den Nerv. Zwei Drittel von ihnen können dann entweder abends schlechter
Umfrage: Zeitumstellung belastet besonders Frauen
20. März 2020
Berlin – Die COVID-19-Pandemie kann auch psychosoziale Folgen haben wie Angstzustände, Depressionen oder Schlafprobleme: Diese Folgen seien in China bereits sichtbar, fanden Wissenschaftler des
COVID-19: Chinesen leiden unter Angst- und Schlafstörungen während der Quarantäne
6. März 2020
Boston – Ein häufiger Wechsel der Schlafgehzeiten und der Schlafdauer können das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. In einer prospektiven Beobachtungsstudie erkrankten Erwachsene mit
Unregelmäßiger Schlaf erhöht Herz-Kreislauf-Risiko
20. Februar 2020
Kiel – Schlafstörungen und Fatigue können chronische Erkrankungen begleiten, werden in Studien aber häufig nur am Rande berücksichtigt. Ein Grund dafür ist das Fehlen praktikabler Methoden, um sie
Wissenschaftler suchen nach Messkriterien für Fatigue und Übermüdung
23. Oktober 2019
Köln – Menschen, die an einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, sind tagsüber weniger müde, wenn sie nachts eine Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) tragen. Das geht aus einem Vorbericht des Instituts
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER