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Medizin

Kraniopharyngeom: Mutation weist auf medikamentöse Therapie hin

Montag, 13. Januar 2014

Boston – Eine Studie von US-Genetikern könnte die Behandlung des papillären Kranio­pharyngeoms erleichtern. Das Wachstum des Tumors wird einer Studie in Nature Genetics (2014; doi: 10.1038/ng.2868) zufolge durch eine Mutation im BRAF-Gen ausgelöst, dessen Folgen durch ein bereits zugelassenes Medikament ausgeschaltet werden können. Für das adamantinöse Kraniopharyngeom, das vor allem bei Kindern auftritt, deutet sich ebenfalls eine Behandlungsmöglichkeit an.

Nur selten haben die Erkenntnisse von Molekulargenetikern unmittelbare Auswirkungen auf die Therapie. Die Studie der Arbeitsgruppe um Sandro Santagata vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston könnte solch ein Glücksfall sei. Die Forscher haben das Erb­gut von 12 adamantinösen und 3 papillären Kraniopharyngeomen entschlüsselt, wobei sie sich auf das Exom konzentrierten. Das ist der Abschnitt, der die Geninformation für Proteine enthält.

Bei 11 der 12 adamantinösen Kraniopharyngeome stießen die Forscher auf Mutationen im Gen CTNNB1. Es enthält die Information für das Protein Beta-Catenin. Beta-Catenin befindet sich auf der Oberfläche von Zellen. Es ist an der Adhäsion, also der Verbindung zwischen den Zellen beteiligt. Mutationen sind als Krebsauslöser bekannt.

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Sie treten bei einer Reihe von Tumoren auf. Eine Reihe von Wirkstoffen, die die Folgen der Mutationen verhindern sollen, sind in der klinischen Entwicklung. Mit den Ergeb­nissen der Studie dürften Kinder mit adamantinösen Kraniopharyngeomen zu Kandidaten dieser neuartigen Wirkstoffe werden.

Ein Medikament zur Behandlung des papillären Kraniopharyngeoms steht möglicher­weise bereits zur Verfügung. Das Team um Santagata fand bei allen drei untersuchten Tumoren eine Punktmutation im BRAF-Gen, die zum Austausch einer Aminosäure an Position 600 führt. Die Aktion des mutierten Enzyms, eine Serin-Threonin-Kinase, kann durch Vemurafenib geblockt werden.

Vemurafenib wurde als Zelboraf im März 2012 zur Behandlung des malignen Melanoms zugelassen. Ob es auch beim papillären Kraniopharyngeom wirksam ist, wird demnächst Gegenstand einer multizentrischen klinischen Studie sein, auf die die Pressemitteilung hinweist.

Ob eine Therapie mit Inhibitoren von Beta-Catenin oder dem BRAF-Protein wirksam wäre und welche Vorteile sich für die Patienten daraus ergäben, lässt sich nicht vorhersagen. Kraniopharyngeome lassen sich derzeit aber nur sehr schwer behandeln. Mit einer Inzidenz von 0,18 Erkrankungen auf 100.000 Menschen sind die Tumore, die im Bereich der Hypophyse lokalisiert sind, sehr selten.

Kraniopharyngeome entstehen aus Resten der Rathke-Tasche, der embryonalen Anlage der Adenohypophyse. Die adamantinösen Kraniopharyngeome treten bei Kindern auf, am papillären Kraniopharyngeom erkranken Erwachsene. Die Tumore metastasieren nicht, doch ihre Lage neben der Hirnanhangdrüse und unterhalb der Sehnerven­kreuzung macht die Therapie äußerst diffizil. Zu den Komplikationen gehören Sehstörungen, schwere Kopfschmerzen und ein Ausfall der Hypophyse. © rme/aerzteblatt.de

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