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Medizin

Statine: Fachgesellschaft bekräftigt bisherige Behandlungsstrategie

Dienstag, 14. Januar 2014

Düsseldorf – Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) sieht keinen Bedarf, die aktuelle Behandlungsstrategie mit Statinen zu ändern. Das hiesige Vorgehen ent­sprechend den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) bette die Lipidtherapie in ein Gesamtkonzept zur Risikominimierung ein. Wichtig sei es dabei, individuelle LDL-Zielwerte in Abhängigkeit vom Ausgangsrisiko zu erreichen. „Eine stärkere Betonung der Lipidtherapie als dies in den aktuellen europäischen Leitlinien schon der Fall ist, halten wir für nicht notwendig“, fasst DGK- Präsident Christian Hamm zusammen.

Dieser Strategie folgten bisher auch amerikanische Ärzte. Im November 2013 haben die American Heart Association und das American College of Cardiology jedoch neue Leitlinien zur Reduzierung des Atheroskleroserisikos mit Lipidsenkern veröffentlicht. Eine wesentliche Neuerung ist, dass die Leitlinien eine hochdosierte Statintherapie für eine Vielzahl von Patientengruppen empfehlen.

„Gegenüber den früheren amerikanischen und den aktuellen europäischen Empfehlungen treten definierte Zielwerte für das in zu hoher Konzentration schädliche LDL-Cholesterin in den Hintergrund“, erläutert Hamm die neuen amerikanischen Leit­linien. Vielmehr würden nun im Wesentlichen Dosierungsvorschläge für Statine in Abhängigkeit vom Ausgangsrisiko gemacht. Das entspreche einem Paradigmenwechsel.

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Die Fachgesellschaft kritisiert in ihrer aktuellen Stellungnahme vor allem zwei Aspekte der neuen amerikanischen Strategie: Das neue Scoringsystem, mit dem das Ausgangs­risiko von Patienten bestimmt werden soll, sei in der Fachwelt umstritten. Es sei noch nicht ausreichend durch Studien validiert und könnte Kritikern zufolge zu einer massiven Überschätzung des tatsächlichen Risikos führen.

Die DGK hält für möglich, dass nach der neuen Risikodefinition bis zu 50 Prozent der 33 Millionen US-Bürger im mittleren Alter für eine Statintherapie in Betracht kommen könnten. In Europa richten sich die Leitlinien nach dem ESC-SCORE, einer Berechnungsmethode des Zehn-Jahres-Risikos für tödliche kardiovaskuläre Ereignisse. Dieser Score berücksichtigt auch regionale Unterschiede in Europa.

Des Weiteren werde unter Experten kritisch diskutiert, dass bei der Indikationsstellung mehr Wert auf das Gesamtrisiko gelegt werde als auf erhöhte Cholesterinwerte. Beispielsweise sei bei einem Raucher mit Bluthochdruck, aber nur grenzwertig erhöhten Cholesterinwerten die Lipidsenkung mit Statinen weniger sinnvoll als Rauchverzicht und Blutdrucksenkung, also die direkte Beeinflussung der Risikofaktoren.

„Eine komplette Abkehr von LDL-Zielwerten erscheint uns nicht immer patientengerecht“, so DGK-Präsident Hamm. „In Europa, wo die Statintherapie als Erst- und Haupttherapie nie infrage stand, steht die Ergebnisqualität stärker im Vordergrund, also das Erreichen von individuell definierten LDL-Zielwerten in Abhängigkeit vom Ausgangsrisiko. In den US-Leitlinien wird stärker die Prozessqualität unter ausschließlichem Einsatz von Statinen betont, wobei sich die Dosierung am Ausgangsrisiko orientiert.“ © hil/aerzteblatt.de

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