NewsMedizinLichtaktivierter Bio-Sekundenkleber für die Herzchirurgie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Lichtaktivierter Bio-Sekundenkleber für die Herzchirurgie

Dienstag, 14. Januar 2014

Cambridge – US-Ingenieure haben einen Klebstoff entwickelt, der gezielt durch UV-Licht aktiviert werden kann, innerhalb weniger Sekunden im menschlichen Gewebe bindet und zudem gewebeverträglich und biologisch abbaubar ist. Erste Experimente in Science Translational Medicine (2014: 6: 218ra6) zeigen, dass der Klebstoff zur Korrektur angeborener Herzfehler verwendet werden könnte.

Herzchirurgische Eingriffe sind hochkompliziert. Auch vermeintlich leichte Aufgaben wie der Verschluss von interventrikulären Septumdefekten erfordern hohe Geschicklichkeit und Zeitaufwand, da die Chirurgen die Löcher mit Nähten verschließen müssen. Gewebekleber kommen kaum zum Einsatz. Sie sind entweder toxisch oder sie besitzen nicht genügend Klebekraft, um einen festen Halt zu liefern in einer feuchten Umgebung und unter den Bedingungen eines raschen Herzschlags, erläutert Nora Lang von der Klinik für Angeborene Herzfehler und Pädiatrische Kardiologie am Universitäts-Herz­zentrum Freiburg in Bad Krozingen.

Die Ärztin war an den ersten präklinischen Tests eines neuartigen Klebers beteiligt, den Robert Langer vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge und Jeffrey Karp vom Brigham and Women’s Hospital in Boston teilweise der Natur abgeschaut haben.

Anzeige

Als Inspiration dienten den Forschern visköse und wasserabweisende (hydrophobe) Sekrete, die es Insekten erlauben, an feuchten Oberflächen zu haften. Ihr Kleber HLAA (hydrophobic light-activated adhesive) klebt in nassen Umgebungen auf feuchten Wunden. Die Polymerisation (sprich: Klebung) kann durch UV-Licht ausgelöst werden und ist innerhalb weniger Sekunden abgeschlossen. Die Klebstoffe sind weich und elastisch und zudem biologisch abbaubar.

Die jetzt vorgestellten präklinischen Studien an Schweinen zeigen, dass HLAA auch unter den erschwerten Bedingungen der Kardiochirurgie eingesetzt werden kann. Die mittels HLAA befestigten Patches wurden nicht vom Blutstrom weggerissen und sie wider­standen den ständigen Bewegungen und den supraphysiologischen Drücken im Herz.

Der neuartige Klebstoff habe das Potenzial, die Operationszeit und die Komplexität der herzchirurgischen Eingriffe zu verringern, meint die Ärztliche Direktorin des Universitäts-Herzzentrums Freiburg, Brigitte Stiller.

Momentan befindet sich der Klebstoff noch in der Testphase. Die beiden Erfinder haben jedoch ein Start-Up-Unternehmen (interessanterweise in Paris) gegründet und hoffen, den Klebstoff in den nächsten zwei bis drei Jahren auf den Markt bringen zu können. Entscheidend dafür ist der Verlauf der weiteren präklinischen Studien, die derzeit am Universitäts-Herzzentrum Freiburg in Bad Krozingen durchgeführt werden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER