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Politik

Organspende-Zahlen noch weiter gesunken

Mittwoch, 15. Januar 2014

dpa

Frankfurt/Berlin – Nach dem starken Rückgang der Organspenden 2012 hat sich diese Entwicklung 2013 weiter verschärft. Die Zahl der Organspender ist im vergangenen Jahr bundesweit um 16,3 Prozent von 1.046 Spender auf 876 gesunken. Die Summe der gespendeten Organe sank von 3.511 im Jahr 2012 auf 3.034 in 2013 und damit um 13,6 Prozent. Das berichtet die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) heute.

„Der Transplantationsskandal hat das Vertrauen in die Transplantationsmedizin erschüttert und ist der Hauptgrund für die weiter zurückgehende Zahl der Organspende in Deutschland. Wir dürfen aber gerade wegen des Skandals nicht nachlassen, dieses lebenswichtige Thema noch stärker in das Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken“, sagte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank-Ulrich Montgomery.

„12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan, täglich sterben drei potenzielle Empfänger“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagfraktion Jens Spahn (CDU). Er betonte, „gesetzlich haben wir im vergangenen Jahr alles getan, damit sich die Missbrauchsfälle nicht wiederholen können. Alle Beteiligten haben jetzt eine Pflicht: Aufklären, aufklären, aufklären!“

„Selbstverwaltung und Gesetzgeber haben nach dem Transplantationsskandal ein ganzes Maßnahmenbündel für mehr Transparenz und Kontrolle in der Transplantations­medizin auf den Weg gebracht“, erklärte auch Montgomery. Unter anderem gelte jetzt das Mehraugenprinzips bei der Anmeldung von Wartelisten-Patienten und die Prüfungs- und Überwachungskommission hätten erheblich mehr Befugnisse. „Heute können wir feststellen, dass diese Maßnahmen greifen und die Transplantationsmedizin in Deutschland so sicher ist wie noch nie“, so der BÄK-Präsident.

Er betonte, die Ärzte setzten sich für vollständige Transparenz ein. Es sei daher richtig gewesen, dass die Medien ausführlich über die Verfehlungen in der Transplantations­medizin berichtet hätten. „Genauso wichtig ist es jetzt aber, die große Bedeutung der Organspende insbesondere für die Patienten auf den Wartelisten in der Öffentlichkeit weiter zu thematisieren“, so Montgomery. Dafür sei auch wichtig, dass die Kranken­kassen ihre Versicherten stärker als bisher informierten.

Rückgang in Bayern am höchsten
„Der Rückgang der Organspendezahlen zieht sich durch alle DSO-Regionen, wobei er in der Region Nord-Ost mit 9,7 Prozent am niedrigsten ausfällt und in Bayern mit 23,9 Prozent am höchsten“, erklärte Rainer Hess die neuen DSO-Zahlen. Hess war Vorsitzender des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses und ist jetzt Hauptamtlicher Vorstand für Restrukturierung der DSO. Er appellierte an alle Partner, gemeinsam zu einer Verbesserung der Situation beizutragen.

„Unsere Aufgabe ist es, die Krankenhäuser, insbesondere auch die Transplantations­beauftragten, professionell in ihrer Aufgabe zu unterstützen. Nur gemeinsam können wir für die Organspende das Vertrauen zurückgewinnen, das sie verdient“, sagte er und betonte, die Organspende werde durch das Transplantationsgesetz klar geregelt. „Kein Patient muss in Deutschland befürchten, wegen einer Organspende von den Ärzten zu früh aufgegeben zu werden“, versicherte der DSO-Vorstand.

Organspende in Deutschland: Wege aus einer angespannten Situation

Die Rate der postmortalen Organspenden ist seit Bekanntwerden schwerer Regelverstöße gesunken. In der Debatte um Wege aus der Krise werden nun Grundsatzfragen wieder intensiv thematisiert. Als das erste deutsche Transplantationsgesetz 1997 in Kraft trat, hatte die postmortale Organspende mit 12,5 Spendern pro Million Einwohnern einen Tiefstand erreicht.

Die Stiftung weist in diesem Zusammenhang auf ihr umfassendes Unterstützungsangebot für Krankenhäuser sowie ihre 24-Stunden-Erreichbarkeit hin. Von der qualifizierten Feststellung des Hirntods über das Gespräch mit den Angehörigen, medizinischen Maßnahmen zur Erhaltung von Organen bis hin zum Organtransport begleitet und koordiniert die DSO alle Abläufe. Außerdem bietet sie Fortbildungen für Krankenhaus­mitarbeiter an, hilft bei der Prozessoptimierung und kümmert sich um die Angehörigen von Organspendern. © hil/aerzteblatt.de

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Practicus
am Donnerstag, 16. Januar 2014, 19:33

auch ein neues Institut...

... hätte das gleiche Problem: Wie kann ich verhindern, dass Ärzte aus eigennützigen Motiven ihre Patienten für kranker erklären, als sie es sind! Zudem üben auch die Patienten selbst einen erheblichen Druck aus, früher an ein Organ zu kommen - das zeigt schon der tägliche Kampf um jeden Prozentpunkt auf dem Schwerbehindertenausweis oder die Pflegestufe!
Das ganze lässt sich m.E. nur in den Griff bekommen, wenn genügend Organe zur Verfügung stehen. Eine Widerspruchslösung wie in Österreich wäre da nicht schlecht... natürlich mit dem Hinweis: Wer die Organspende verweigert, verzichtet selbstverständlich im Gegenzug auf die Organspende anderer im Krankheitsfall. Wer die Organentnahme für sich ausschließen will, soll das anderen auch nicht zumuten, wenn er selbst mal Bedarf an Organen hat, basta
kairoprax
am Donnerstag, 16. Januar 2014, 07:35

die Gründe für den Rückgang liegen doch auf der Hand


Montgomery und Hess können noch so sehr behaupten, alles sei wieder Gold und Deutschlands Spender seien so sicher wie nie zuvor, es ist Schönfärberei.
Das Mißtrauen in die Verwendung der Organe und - noch bedeutender - das Mißtrauen, man könne in erster Linie als Spender und erst in zweiter Linie als Notfallpatient betrachtet werden, sobald man einen Ausweis in der Tasche hat, es wird erst verschwinden, wenn Tabula rasa gmacht wird und die DSO aus dem Zentrum möglichen Mißbrauchs verschwindet - so wie man seinerzeit das Bunbdesgesundheitzsamt auflösen mußte, weil es in den Skandal mit HIV-verseuchtem Plasma verwickelt war.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal

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