NewsPolitikRegierung: Medikamentöse Tabakentwöhnung wird auch weiterhin nicht von der GKV bezahlt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Regierung: Medikamentöse Tabakentwöhnung wird auch weiterhin nicht von der GKV bezahlt

Donnerstag, 16. Januar 2014

Berlin – Medikamente zur Raucherentwöhnung sind Arzneimittel, deren Einsatz im Wesent­­lichen durch die private Lebensführung bedingt ist. Deshalb ist jeder Verbraucher für deren Finanzierung selbst verantwortlich. Das erklärte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ (Drucksachen-Nummer 18/234) und bekräftigte damit den im § 34 Sozialgesetzbuch V festgeschriebenen Ausschluss sogenannter Lifestyle-Medikamente aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV).

Der Gesetzgeber verletze seinen Gestaltungsspielraum nicht, wenn er angesichts der beschränkten finanziellen Leistungsfähigkeit der GKV Leistungen ausschließe, die in erster Linie einer Steigerung der Lebensqualität jenseits lebensbedrohlicher Zustände dienten. Die Tagestherapiekosten für Medikamente zur Raucherentwöhnung lägen zudem in einem Bereich, den Versicherte auch wegen der eingesparten Kosten für Zigaretten selbst finanzieren könnten.

Der Bundesregierung zufolge liegt darüber hinaus kein Verstoß gegen den Gleichheits­grundsatz vor, wenn die Kosten der medikamentösen Therapie einer Opiatabhängigkeit von der GKV erstattet würden, die der medikamentösen Therapie einer Nikotinab­hängigkeit jedoch nicht, „weil hier keine im Wesentlichen gleichen Sachverhalte vorliegen“.

Anzeige

Bei der Tabakentwöhnung komme es vor allem auf die persönliche Motivation zum Rauchverzicht an, schreibt die Bundesregierung weiter. Medikamentöse Maßnahmen könnten allerdings unter Umständen eine zusätzliche Unterstützung darstellen, die jedoch individuell mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden müssten.

„Die Antwort der Bundesregierung kann ich nur als zynisch empfinden“, kommentiert der drogenpolitische Sprecher der Links-Fraktion, Frank Tempel. „Es ist nicht so, dass der Regierung der aktuelle Wissensstand nicht bekannt wäre, nur spielt dieser für ihre Argumentation und ihr Handeln offenbar überhaupt keine Rolle.“ Wirksame Arzneimittel gegen schwere Erkrankungen per Gesetz von der Erstattung auszuschließen, sei rechtlich absurd und für die Betroffenen eine Katastrophe.

„Das gewandelte Bild von Abhängigkeitserkrankungen muss endlich auch die Bundesregierung zur Kenntnis nehmen“, so Tempel. „Es gibt keinen Grund, sie anders zu behandeln als andere Krankheiten. Es käme ja auch niemand auf die Idee, eine Therapie gegen Diabetes oder Gefäßerkrankungen nicht zu bezahlen, weil das Verhalten des Einzelnen mit zu ihrer Entstehung beigetragen hat.“ © fos/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #93996
johann.gruber
am Montag, 17. Februar 2014, 23:08

Hilfen zum Rauchstopp finanzieren sich selbst

Warum soll die Versichertengemeinschaft für Hilfen zum Rauchstopp zahlen, wenn die Einsparungen der Betroffenen durch den Wegfall der Ausgaben für die schädlichen Tabakprodukte die Kosten der Hilfen um ein vielfaches übersteigen?
LNS

Nachrichten zum Thema

14. Oktober 2019
Sacramento – Kalifornische Strände und Naturparks werden zur rauchfreien Zone. Der Gouverneur des US-Westküstenstaates unterzeichnete ein entsprechendes Gesetz, das den Konsum von Zigaretten
Kalifornien verbietet Rauchen an Stränden und in Naturparks
11. Oktober 2019
Berlin – Der Bundestag muss sich mit der Forderung nach einem Rauchverbot in Autos mit Kindern und Schwangeren beschäftigen. Der Bundesrat beschloss heute, einen entsprechenden Gesetzentwurf ins
Bundestag muss sich mit Rauchverbot in Autos im Beisein von Kindern und Schwangeren beschäftigen
8. Oktober 2019
New York – Die Exposition mit dem Dampf aus nikotinhaltigen E-Zigaretten hat in einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2019; doi: 10.1073/pnas.1911321116) bei Mäusen
E-Zigaretten mit Nikotin erzeugen bei Mäusen Lungenkrebs und Urothelhyperplasien
7. Oktober 2019
Berlin – Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus strebt eine rasche Einigung mit der SPD auf eine Ausweitung des Verbots für Tabakwerbung an. „Ich würde gern einen konstruktiven Strich unter das Thema
Brinkhaus für schnelle Einigung mit SPD beim Tabakwerbeverbot
4. Oktober 2019
Scottsdale – Die Ursache der schweren Atemwegserkrankungen, an denen in den USA bereits mehr als tausend Anwender von E-Zigaretten erkrankt sind, ist weiterhin unbekannt. Mediziner der Mayo Clinic
E-Zigaretten: Mediziner vermuten jetzt chemisch-toxische Lungenschädigung
4. Oktober 2019
Washington – Die Zahl der Lungenerkrankungen und Todesfälle in den USA, die mit dem Rauchen von E-Zigaretten in Verbindung gebracht werden, ist weiter deutlich gestiegen. Wie die US-Gesundheitsbehörde
E-Zigaretten: Zahl der Lungenerkrankten in den USA gestiegen
4. Oktober 2019
Melbourne – Im Haupteinkaufsviertel der australischen Stadt Melbourne darf nicht mehr geraucht werden. Am Freitag trat in der Metropole im Südosten des Landes ein neues Rauchverbot rund um die Bourke
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER