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Ausland

Gericht verbietet passive Sterbehilfe für schwerkranken Franzosen

Donnerstag, 16. Januar 2014

Reims – Ein Gericht in Frankreich hat die passive Sterbehilfe für einen querschnitts­gelähmten 38-Jährigen verboten, bei dem nur noch geringfügige Bewusstseinsanzeichen vorhanden sind. Das Verwaltungsgericht von Châlons-en-Champagne im Nordosten des Landes ordnete heute an, dass die künstliche Ernährung des Mannes fortgesetzt werden muss. Die Ärzte des Uniklinikums Reims hatten in Absprache mit der Frau des 38-Jähri­gen und einem Teil seiner Familie beschlossen, die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden. Gegen die Entscheidung hatten die Eltern, eine Schwester und ein Halbbruder des Mannes geklagt.

Der Mann ist seit einem Verkehrsunfall vor fünf Jahren gelähmt. Er kann nicht mehr sprechen, laut seinen Medizinern kommuniziert er mit seinem Umfeld höchstens noch per Augenkontakt, ohne dass dabei klar ist, ob er Informationen wirklich verarbeiten kann. Nachdem der Kranke mehrfach Widerstand gegen seine weitere Pflege hatte erkennen lassen, beschloss die Klinik bereits im vergangenen Jahr zusammen mit der Frau und weiteren Angehörigen, passive Sterbehilfe zu leisten. Schon damals hatten die Eltern geklagt und vor Gericht Recht bekommen.

Am vergangenen Samstag dann kündigten die Ärzte gemeinsam mit der Frau und anderen Angehörigen an, die künstliche Ernährung einzustellen. Das Gericht befand nun, dass die künstliche Ernährung nicht „unverhältnismäßig“ sei und auch nicht nur der künstlichen Aufrechterhaltung des Lebens diene. Die Klinik und einige Familienan­gehörige wollen möglicherweise in Berufung gehen. 

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In der gestrigen Anhörung am Mittwoch hatte die staatliche Berichterstatterin die Einschätzung vertreten, dass der Zustand des Patienten zwar „unumkehrbar" sei, dass er aber noch bei minimalem Bewusstsein sei und „unmöglich" über seinen Lebenswillen geurteilt werden könne. Die Frau des 38-Jährigen, die praktisch täglich bei ihm in der Klinik ist, will ihrem Mann hingegen unnötiges Leid ersparen.

Wie in den meisten europäischen Staaten ist in Frankreich die aktive Sterbehilfe verboten, aber auch die Beihilfe zur Selbsttötung. In einem Gesetz aus dem Jahr 2005 ist aber das Recht verankert, unheilbar Kranke an deren Lebensende „sterben zu lassen", damit diese nicht mehr leiden müssen. Der Anwalt der Eltern des 38-Jährigen hatte argumentiert, dieser sei zwar behindert, nicht aber unheilbar krank oder am Ende seines Lebens. © afp/aerzteblatt.de

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