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Medizin

Herpes genitalis: Pritelivir vermindert Viral Shedding

Freitag, 17. Januar 2014

Seattle – Die Freisetzung von Viren (viral shedding), die bei genitalen Herpeser­krankungen auch im asymptomatischen Stadium erfolgt, konnte in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2014; 370: 201-210) durch Pritelivir, den ersten Vertreter einer neuen Wirkstoffgruppe von Helikase–Primase Inhibitoren, deutlich unterdrückt werden. Auch die Zahl der Tage mit Herpessymptomen wurde vermindert. Zweifel an der Sicherheit des Wirkstoffs, die sich aus tierexperimentellen Befunden ergaben, konnten jedoch bisher nicht ausgeräumt werden.

Herpesinfektionen können seit drei Jahrzehnten mit DNA-Polymerase-Inhibitoren behandelt werden. Die drei heute verfügbaren Wirkstoffe Acyclovir, Valacyclovir und Famciclovir lindern häufig die Symptome, sie können aber die Virusausscheidung über die Schleimhäute (Viral Shedding) nicht stoppen.

Außerdem kann es bei einer langfristigen Therapie zu Resistenzen kommen. Es besteht deshalb Bedarf an weiteren Medikamenten, die zur Vermeidung einer Kreuzresistenz einen anderen Wirkungsmechanismus haben und zuverlässig vor einer Übertragung schützen.

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Die Firma AiCuris aus Wuppertal, ein Ableger von BayerHealthCare, hat einen völlig neuartigen Wirkstoff getestet. Pritelivir ist Inhibitor eines Komplexes aus den beiden Enzymen Helikase und Primase. Diese Virusenzyme trennen die DNA-Doppelstränge, was eine Voraussetzung für die Vermehrung der Herpesviren ist, die ihre Gene bekanntlich im menschlichen Erbgut verankern.

Pritelivir greift an einem früheren Punkt der Virusreplikation ein als die DNA-Polymerase-Inhibitoren. Außerdem muss Pritelivir anders als Acyclovir, Valacyclovir oder Famciclovir nicht durch Phosphorylierung aktiviert werden. Durch den unterschiedlichen Wirkungsmechanismus sind zudem Kreuzresistenzen unwahrscheinlich.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der in-vitro-Experimente und von tierexperimentellen Studien wurde Pritelivir an sieben Zentren in den USA an 125 Patienten in vier unter­schiedlichen Dosierungen getestet. Weitere 30 Patienten wurden mit Placebo behandelt. Alle Teilnehmer litten seit mindestens 12 Monaten unter rezidivierenden genitalen Herpes-Infektionen, waren aber zu Beginn der Studie symptomfrei. Primärer Endpunkt war die genitale Virusausscheidung. Sie wurde mittels quantitativer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) in von den Probanden täglich durchgeführten Genitalabstrichen vorgenommen.

Wie Anna Wald von der University of Washington in Seattle und Mitarbeiter jetzt mitteilen, senkte Pritelivir das Viral Shedding während der 28-tägigen Behandlung in der Dosis von 75 mg/die um 87 Prozent. Die Herpesviren waren mittels PCR nur an 2,1 Prozent der Tage in den Abstrichen nachweisbar gegenüber einem Anteil von 16,6 Prozent im Placebo-Arm. Der Anteil der Tage mit genitalen Läsionen wurde ebenfalls von 9,0 auf 1,2 Prozent gesenkt.

Die Unterschiede zu Placebo waren in allen Endpunkten hoch-signi­fikant. Außerdem wurde – selbst bei den niedrigen Dosierungen von Pritelivir – keine Hinweise auf eine Resistenz gefunden (was allerdings nach einer kurzen Behandlungs­zeit und einer geringen Teilnehmerzahl der Studie nur eine geringe Aussagekraft hat).

Die Verträglichkeit des Medikaments war gut: Nur drei Patienten brachen die Studie ab. Die häufigste Nebenwirkung könnte eine Nausea sein. In einer tierexperimentellen Studie waren jedoch unerklärliche dermale und hämatologische Befunde aufgetreten. Die US-Arzneibehörde FDA hat deshalb im Mai 2013 die klinische Entwicklung von Pritelivir vorerst gestoppt. Ob sie nach Klärung der Studienergebnisse wieder aufgenommen werden kann, ist derzeit unklar. © rme/aerzteblatt.de

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