NewsMedizinDracontiasis: Bürgerkriege gefährden Eradikation
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Dracontiasis: Bürgerkriege gefährden Eradikation

Freitag, 17. Januar 2014

Atlanta – Wie sich die Situationen gleichen. Nicht nur die Eradikation der Polio ist in den letzten Jahren durch kriegerische Konflikte immer wieder ins Stocken geraten. Auch die Bemühungen des ehemaligen US-Präsidenten Carter, den Guineawurm (Dracunculus medinensis) auszurotten, könnten jetzt einen Rückschlag erleiden.

Vor 30 Jahren war der Guineawurm (auch Medinawurm genannt) in weiten Teilen Nordafrikas sowie auf dem indischen Subkontinent verbreitet. Der Parasit vermehrt sich in Wasserflöhen („Ruderfußkrebse“) mit denen er - über kontaminiertes Trinkwasser – in den Verdauungstrakt des Menschen gelangt. Nach der Zersetzung durch die Verdau­ungs­säfte dringen die Larven in die Muskulatur von Magen und Darm. Später wandern die befruchteten Weibchen im Unterhautfettgewebe in Richtung Fuß, wo sie über ein Ulkus die nächste Generation von Larven an die Umwelt freisetzen.

Es gibt weder einen Impfstoff noch effektive Medikamente gegen die Dracontiasis, doch die Filtrierung des Trinkwassers kann die Infektionskette leicht durchbrechen. Dem Carter Center ist es seit Mitte der 80er Jahre allein durch Aufklärung der Bevölkerung und eine Verbesserung der Wasserhygiene gelungen, die Zahl der jährlichen Erkran­kungen von 3,5 Millionen auf wenige hundert Erkrankungen zu senken.

Anzeige

Auch im Jahr 2013 fiel die Zahl erneut von 542 in 2012 auf nunmehr nur noch 148 Erkrankungen. Dracontiasis ist nur noch in vier Ländern Afrikas endemisch: Zu ihnen gehört neben dem Tschad (14 Erkrankungen in 2013), Mali (11 Erkrankungen) und Äthiopien (7 Erkrankungen) der Südsudan, wo im letzten Jahr 113 Erkrankungen aufgetreten waren.

Ausgerechnet hier sind die Berater Carters jetzt zwischen die Fronten eines neu ausgebrochenen Bürgerkriegs geraten. Im Dezember musste die Hilfsorganisation mehr als 30 Personen abziehen und ein Treffen in Juba absagen. Damit droht die Organi­sation, den Kontakt zu den betroffenen Dörfern zu verlieren. Da ein Parasit nach einer Entwicklungszeit von einem Jahr im menschlichen Körper unzählige Larven freisetzt, ist ein Wiederanstieg der Erkrankungszahlen (wie zuletzt bei der Polio) nicht auszu­schließen, teilte der Vizepräsident der Organisation, Donald Hopkins, den Medien bei der Vorstellung des Jahresberichts mit.

Die Pressemitteilung des Carter Centers verbreitet dagegen weiter Optimismus, da der Bürgerkrieg in die Zeit mit den geringsten Übertragungsraten falle. Den Experten ist allerdings bewusst, dass niemand vorhersehen kann, wie lang der Konflikt noch anhalten wird. Auch in Mali ist es der Stiftung nach dem Ende der kriegerischen Konflikte im letzten Jahr noch nicht gelungen, alle betroffenen Dörfer wieder zu erreichen, © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER