Medizin

Studie sieht langfristige Effekte von kognitiven Trainings

Montag, 20. Januar 2014

Baltimore – Kognitives Training scheint auch zehn Jahre nach der Intervention die Denkfähigkeit von Senioren positiv zu beeinflussen. Das berichten Forscher um George Rebok von der Johns Hopkins University im Journal of the American Geriatrics Society (http://dx.doi.org/10.1111/jgs.12607).

Die Teilnehmer der Studie trainierten jeweils eine von drei Kompetenzen. Beim Erinnerungstraining mussten die Probanden Listen und Inhalte aus Texten repro­duzieren, ein Logiktraining umfasste Problemlösungen und beim Geschwin­dig­keitstraining mussten die Teilnehmer möglichst schnell Informationen auf einem Computerbildschirm lokalisieren. Über einen Zeitraum von fünf bis sechs Wochen trainierten die Senioren in drei Gruppen jeweils eine dieser Kompetenzen.

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Die Trainingseinheiten dauerten 60 bis 75 Minuten. Eine Kontrollgruppe erhielt keinerlei kognitives Training. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 74 Jahre. Einige der Senioren machten nach einem beziehungsweise drei Jahre ein Auffrischungstraining. Die Arbeitsgruppe befragte die Teilnehmer nach fünf und zehn Jahren zu den sogenannten Instrumental activities of daily living (IADL) und kontrollierten die kognitiven Fähigkeiten der Probanden. Die IADL umfassen praktische Fähigkeiten des täglichen Lebens und lassen eine Abschätzung der Selbstständigkeit zu.

Teilnehmer des Trainings berichteten insgesamt von weniger Schwierigkeiten im alltäg­lichen Leben. So lagen 60 Prozent über dem Basislevel ihrer altersspezifischen IADL, während es in der untrainierten Gruppe nur 50 Prozent waren. Nach fünf Jahren waren die Teilnehmer aller drei Trainingsgruppen in ihrer trainierten Disziplin leistungs­fähiger als die Vergleichsgruppe. Auch nach zehn Jahren war dies noch bei Teilnehmern des Geschwindigkeits- und des Logiktrainings der Fall.

Da die Trainingseffekte für die Teilnehmer auch im alltäglichen Leben spürbar waren, vermuten die Forscher das kognitive Trainings mehr leisten können als die bloße Verbesserung von Testergebnissen. Möglicherweise könnte durch das Training mehrerer kognitiver Kompetenzen und Lebensstiländerungen ein noch größerer Effekt erzielt werden, so die Wissenschaftler.

© hil/aerzteblatt.de

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