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Medizin

Multiple Sklerose: Vitamin D könnte Krankheitsverlauf verlangsamen

Dienstag, 21. Januar 2014

Boston – Kann Vitamin D das Fortschreiten der multiplen Sklerose im Frühstadium der Erkrankung günstig beeinflussen? Darauf deutet die Post-Hoc-Auswertung einer Inter­ventionsstudie zur Interferontherapie hin, die in JAMA Neurology (2014; doi: 10.1001/.jamaneurol.2013.5993) veröffentlicht wurde. Patienten mit den höchsten Plasmakonzentrationen des „Sonnenhormons“ hatten dort einen deutlich verlangsamten Krankheitsverlauf.

Die multiple Sklerose wird seit langem mit einem Mangel an Vitamin D in Verbindung gebracht, das überwiegend unter Sonneneinfluss in der Haut gebildet wird. Die Häufigkeit der Erkrankung nimmt mit der geografischen Nähe zum Pol zu, und 90 Prozent aller Patienten haben einen Vitamin D-Mangel (wie aber auch große Teile der übrigen Bevölkerung).

Frühere Untersuchungen haben niedrige Vitamin D-Spiegel bereits mit einem raschen Fortschreiten der Erkrankung in Verbindung gebracht. Eine reverse Kausalität konnte jedoch nicht ausgeschlossen werden: Patienten halten sich mit zunehmender Behin­derung krankheitsbedingt weniger im Freien auf als andere Menschen.

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Dieser Einwand kann nicht gegen die Studie von Alberto Ascherio erhoben werden. Der Epidemiologe der Harvard School of Public Health in Boston hat die Daten der BENEFIT-Studie ausgewertet, die im letzten Jahrzehnt den Nutzen von Interferon beta-1b im Frühstadium der Erkrankung untersucht hatte.

Die 468 Teilnehmer hatten zu Beginn der Studie lediglich ein klinisch isoliertes Syndrom, das zusammen mit mindestens zwei stummen Läsionen in der Kernspintomographie auf den Beginn einer multiplen Sklerose hinwies. Sie waren zunächst auf eine Therapie mit Interferon beta-1b oder Placebo randomisiert worden. Nach zwei Jahren, im Fall eines Fortschreitens der Erkrankung auch schon früher, wurde allen Patienten eine Weiter­behandlung mit Interferon beta-1b angeboten, das heute eine Standardtherapie der multiplen Sklerose ist.

Bei (fast) allen Teilnehmern war zu Beginn und im weiteren Verlauf der Studie mehrmals die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D (25OH-D) bestimmt worden. Ascherio kann jetzt zeigen, dass die Erkrankung bei den Patienten mit der niedrigsten Vitamin D-Konzen­tration am schnellsten fortschritt: Ein Anstieg der 25OH-D-Konzentrationen um 50 nmol/l (20 ng/ml) war signifikant mit einer um 57 Prozent verminderten Rate von neuen Hirnläsionen und einer um 25 Prozent verminderten Größenzunahme der Läsionen verbunden.

Der Verlust an Hirnmasse war um 0,41 Prozent vermindert. Auch die Schubrate sank um 23 Prozent. Dieser Wert war allerdings statistisch nicht signifikant, was aufgrund der niedrigen Progression in den ersten fünf Jahren der Erkrankung aber auch nicht zu erwarten war.

Die Studie legt natürlich die Vermutung nahe, dass eine Vitamin D-Substitution eine sinnvolle Ergänzung der Interferon-Therapie (und vielleicht auch anderer krankheits­modifizierender Therapien) sein könnte. Zweifelsfrei belegen kann dies eine epidemio­logische Studie jedoch nicht. Im nächsten Jahr werden allerdings die Ergebnisse der sogenannten SOLAR-Studie vorliegen, die die Add-On-Therapie der Interferon­behandlung mit einem Vitamin D-Supplement dem Test einer randomisierten klinischen Studie unterzieht. © rme/aerzteblatt.de

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