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Medizin

Sollen Fachzeitschriften pharmagesponserte Studien veröffentlichen?

Dienstag, 21. Januar 2014

London – Eine Kontroverse über Studien, welche die Pharmaindustrie gesponsert hat, tragen Publizisten und Redakteure im British Medical Journal aus (BMJ, http://dx.doi.org/10.1136/bmj.g171). Konkret geht es um die Forderung, renommierte Journals sollten solche Studien nicht mehr annehmen.

Diese Auffassung vertreten Richard Smith, ehemaliger Herausgeber des BMJ und jetzt Vorsitzender eines Verbandes namens „Patients know best“, und Peter Gotzsche, Direk­tor des Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen. Sie argumentieren, pharmagesponserte Forschung sei zu oft mangelbehaftet und diene dazu, den Absatz von Medikamenten anzuregen. Verordnete Medikamente seien aber die dritthäufigste Todesursache nach Herzerkrankungen und Krebs, zum Teil aufgrund von Mängeln der Studien, die in Journalen veröffentlicht würden.

„Wir wissen seit langem, dass pharmagesponserte Forschung deutlich häufiger als öffentliche Forschung günstige Resultate für Firmen hervorbringt. Der Grund ist offensichtlich. Die Differenz zwischen einer ehrlichen und einer nicht ganz ehrlichen Datenanalyse kann Milliarden Euro wert sein“, argumentieren sie.

Beide berichten, zwei Drittel der klinischen Studien, die in renommierten Journalen wie im Lancet oder New England Journal veröffentlicht würden, seien pharmagesponsert. Firmen nutzten nach der Veröffentlichung Ghost-Writer, um diese Studien weiter in Sekundärpublikationen und Reviews zu promoten, die dann aber oft Namen von Meinungsträgern auf der Autorenliste hätten.

Die beiden Kritiker berichten weiter, dass Pharmafirmen Millionen US-Dollars ausgäben, um Reprints von gesponserten Studien zu kaufen. So nutzten sie den renommierten Namen des Journals, um ihre Medikamente zu promoten. Die Journals wiederum machten Gewinne mit diesen Verkäufen.

Trish Groves vom BMJ hält dem entgegen: „Sind wir Redakteure unfähig, den Bann über Tabakindustrie-gesponserte Studien auf Pharmaforschung auszudehnen, weil unsere Journale Werbekosten und Reprintkosten und einiges Sponsoring verlieren würden?“. Dies sei nicht der Fall. „Es ist nämlich so, dass wir aktuell nicht genug akademisch oder öffentlich finanzierte Studien haben, so dass wir auf pharmagesponserte Studien angewiesen sind“, so ihr Hauptargument.

Fiona Goodlee, die Chefredakteurin des BMJ, nimmt folgendermaßen Stellung: „Wenn es nicht bald eine notwendige Wende bei der Durchführung von industriegesponserten Studien gibt, könnte es sein, dass das BMJ entscheidet, solche Studien nicht mehr zu veröffentlichen. Ob eine Redaktion eine solche Entscheidung überleben würde, ist eine Frage, die ich möglicherweise testen muss.“

© hil/aerzteblatt.de

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