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Politik

Experte: Rekordtief bei Organspende wegen Skepsis der Ärzte

Dienstag, 21. Januar 2014

München – Das Rekordtief bei den Organspenden in Deutschland geht nach Meinung von Experten nicht auf die gewachsene Skepsis der Bevölkerung, sondern auf die gesunkene Bereitschaft von Ärzten zurück, sich für Organspenden einzusetzen. Der Rückgang der Spenderzahlen sei vor allem darauf zurückzuführen, dass Ärzte zuletzt erheblich weniger potenzielle Spender an die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) gemeldet hätten, sagte der Präsident der Organ-Vermittlungsstelle Eurotransplant und Leiter der Transplantationsmedizin am Münchner Klinikum Großhadern, Bruno Meiser, der Süddeutschen Zeitung vom Dienstag.

Es habe von 2012 auf 2013 einen Rückgang der ärztlichen Spendermeldungen um 14 Prozent gegeben, erläuterte Meiser. Der Rückgang der Organspender um 16,3 Prozent sei „also fast vollständig mit dem Rückgang der Spendermeldungen zu erklären“, so der Transplantationsexperte. Dass die Bevölkerung der Organspende skeptischer gegenüberstehe, sei aus den Zahlen dagegen „nicht ersichtlich“. Die Ablehnungsquote der Angehörigen blieb mit rund 60 Prozent über die ganzen Jahre relativ stabil.

Als Gründe für die gesunkene Kooperationsbereitschaft der Mediziner nannte Meiser ein erhebliches Misstrauen wegen der Skandale an mehreren Transplantationszentren. Die Ärzte wüssten, dass sich manche Kollegen an den Transplantationszentren persönliche Vorteile verschafft hätten und dass es zu Manipulationen bei der Rangliste für die Vergabe gekommen sei.

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„Es ist verständlich, dass die Kollegen jetzt entsprechend zurückhaltend sind“, sagte Meiser. „Das demotiviert.“ Seit Mitte 2012 war bekannt geworden, dass Ärzte an fünf deutschen Universitätsklinika Patientendaten manipuliert hatten, um ihre eigenen Patienten zu bevorzugen.

Der Transplantationsexperte verwies zudem darauf, dass die vom Gesetz vorge­schrie­bene Ernennung von Transplantationsbeauftragten an allen Krankenhäusern mit Intensivstation noch weit hinterherhinke. Bisher hätten noch nicht einmal alle Bundes­länder eine Liste dieser Krankenhäuser eingereicht. Die Krankenhäuser brauchten zudem mehr finanzielle Ressourcen für die Ausbildung und Bezahlung der Trans­plantationsbeauftragten. Um die Situation zu bessern, müssten also nicht Organ­spendeausweise verschickt werden, meinte Meiser.

In der vergangenen Woche hatte die DSO gemeldet, dass die Zahl der Organspender einen historischen Tiefststand erreicht habe. 2013 gab es nur noch 876 Organspender gegenüber 1.046 Spendern im Jahr 2012; das bedeutet ein Minus von 16,3 Prozent. © kna/aerzteblatt.de

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