NewsAuslandTÜV muss Entschädigungen an Brust­implantat-Patientinnen zahlen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

TÜV muss Entschädigungen an Brust­implantat-Patientinnen zahlen

Dienstag, 21. Januar 2014

Marseille – Im Skandal um minderwertige Brustimplantate der französischen Firma PIP können betroffene Frauen vom TÜV Rheinland sofort Schadenersatz verlangen. Das Berufungsgericht der südfranzösischen Stadt Aix-en-Provence lehnte heute einen Antrag des TÜV ab, die Vollstreckbarkeit eines Urteils gegen das Zertifizierungsunternehmen auszusetzen.

Das Handelsgericht der südfranzösischen Stadt Toulon hatte den TÜV Mitte November zur Zahlung von Schadenersatz in Millionenhöhe verurteilt. Der TÜV, der die Produktion des Brustimplantateherstellers PIP zertifiziert hatte, habe gegen „seine Kontroll- und Aufsichtspflichten“ verstoßen, urteilte das Gericht. 1.700 betroffenen Patientinnen sprach das Gericht eine Schadenersatzzahlung von zunächst 3.000 Euro zu, bevor die genaue Entschädigungszahlung auf Grundlage von individuellen Gutachten festgelegt wird.

Anzeige

Der TÜV, der sich selbst als Opfer eines Betrugs durch PIP sieht, legte gegen die Entscheidung umgehend Berufung ein. Dies hat aber mit Blick auf die Zahlung von 3.000 Euro pro Patientin keine aufschiebende Wirkung. Der TÜV wollte daher vom Berufungsgericht in Aix-en-Provence erreichen, dass die Vollstreckbarkeit des Urteils aus Toulon ausgesetzt wird – bis zum Urteil in einem Berufungsprozess, dessen Datum noch nicht feststeht.  

Bei einem Gerichtstermin in Aix-en-Provence Ende Dezember argumentierte TÜV-Anwältin Cécile Derycke, sollte der TÜV in einem Berufungsverfahren freigesprochen werden, wäre es „sehr schwierig“, das den Patientinnen gezahlte Geld zurückzuverlangen. Heute sagte Derycke, sie nehme die Entscheidung des Berufungsgerichts „zur Kenntnis“. Mit Blick auf den angestrebten Berufungsprozess sagte sie, der TÜV werde weiter gegen die Verurteilung als solche „kämpfen“. Im Falle eines Sieges im Berufungsverfahren werde bis dahin gezahltes Geld von den Patientinnen zurückgefordert.  

Der TÜV hatte im Auftrag des insolventen französischen Herstellers PIP dessen Produktion zertifiziert. Dabei wurden Unterlagen und Qualitätssicherung geprüft, nicht aber die Implantate selbst. Der TÜV sieht sich selbst als PIP-Opfer, was mehrere Gerichte in Deutschland und Frankreich bestätigt haben. Weltweit haben Chirurgen Schätzungen zufolge Hunderttausenden Frauen minderwertige Silikonkissen implantiert, in Deutschland sind mehr als 5.000 Frauen betroffen. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. September 2020
Berlin – Investitionen in Höhe von 20 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung innovativer Medizintechnik tätigt das Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die aktuelle
Forschungsministerium will innovative Medizinprodukte fördern
10. September 2020
New York – Ein mit Paclitaxel beschichteter Ballon hat in einer randomisierten Studie die Ergebnisse der perkutanen transluminalen Angioplastie von stenosierten Dialyse-Shunts verbessert. Die Zahl der
Dialyse: Beschichteter Ballon hält Shunt nach Angioplastie länger offen
8. September 2020
Hilden – Das Biotechunternehmen Qiagen baut mit finanzieller Hilfe des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) seine Produktionskapazitäten für Coronatests an seinem Standort Hilden bei Düsseldorf aus.
Nordrhein-Westfalen fördert Produktion von Coronatests
2. September 2020
Houston – Das Tragen von bifokalen Kontaktlinsen hat in einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.10834) das Fortschreiten der Myopie bei Kindern
Bifokale Kontaktlinsen verlangsamen Kurzsichtigkeit bei Kindern
21. August 2020
Stuttgart – Der Paritätische Wohlfahrtsverband schlägt Alarm: Einmalhandschuhe für Pflegekräfte in Senioren- und Behindertenheimen werden nach Ansicht des Verbandes derzeit Mangelware. „Es ist extrem
Warnung vor Engpass bei Einmalhandschuhen in der Pflege
11. August 2020
Berlin – Metalle werden bei künstlichen Gelenken nicht allein durch die Reibung der Gelenkoberflächen freigesetzt. Sie lösen sich auch von den Außenflächen der Implantate. Mit einer hochauflösenden
Metalle aus Endoprothesen lagern sich in Knochen und Knochenmark ab
4. August 2020
London – Die Regierung in London hat Lieferanten von Medizinprodukten im Land wegen des bevorstehenden Auslaufens der Brexit-Übergangsphase dazu aufgerufen, Vorräte anzulegen. Ziel sei es, auf
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER