NewsMedizinAntipsychotika-Verord­nungen bei Kindern und Jugendlichen steigen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Antipsychotika-Verord­nungen bei Kindern und Jugendlichen steigen

Mittwoch, 22. Januar 2014

Köln – Immer mehr Kinder und Jugendliche erhalten Antipsychotika. Zu dieser Erkenntnis sind Christian Bachmann und seine Koautoren gelangt, welche sie im aktuellen Heft des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch Arztebl Int 2014; 111(3): 25- 40) darlegen. Die Autoren haben anhand der Daten der Barmer GEK die Antipsychotika-Verordnungen dieser Altersgruppe für den Zeitraum 2005 bis 2012 ausgewertet.

Der Anteil der Verordnungen stieg von 0,23 % auf 0,32 %. Am deutlichsten war der Zuwachs bei den 10- bis 14 Jährigen (0,24 % auf 0,43 %) und den 15- bis 19- Jährigen (0,34 % auf 0,54 %). Insbesondere nahmen die Verordnungen atypischer Antipsychotika zu (0,10 % auf 0,24 %). Die am häufigsten verordneten Substanzen waren Risperidon, Pipamperon, Quetiapin und Tiaprid. Verglichen mit den USA oder Kanada liegen die Zahlen für Deutschland niedrig, im europäischen Vergleich bewegt sich die deutsche Verschreibungspraxis im Mittelfeld.

Antipsychotika-Verordnungen bei Kindern und Jugendlichen: Auswertung von Daten einer gesetzlichen Krankenkasse für den Zeitraum 2005–2012

Der Begriff Antipsychotika (synonym: Neuroleptika) bezeichnet eine heterogene Gruppe psychotroper Arzneimittel, die ursprünglich zur Behandlung psychotischer Störungsbilder (zum Beispiel Schizophrenie), psychomotorischer Erregungszustände sowie von Schlafstörungen eingesetzt wurden.

Anzeige

Nur wenige antipsychotische Substanzen sind für das Kinder- und Jugendalter zuge­lassen, so dass ihre Verordnung häufig außerhalb der Zulassung (off-label) erfolgt. Die Autoren weisen darauf hin, dass durch die Verschreibung von Antipsychotika Probleme entstehen, wie zum Beispiel extrapyramidal-motorische Symptome wie Früh- und Spätdyskinesien, Akathisie, Gewichtszunahme  oder Hyperlipidämie.

Auch die älteren zugelassenen Substanzen lösen zum Teil erhebliche Nebenwirkungen aus. Deshalb sei eine genaue Abwägung und Indikationsstellung durch Kinder- und Jugendpsychiater oder andere Experten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen unabdingbar. Unter diesen Voraussetzungen und bei sorgfältigem Monitoring unerwünschter Arzneimittelwirkungen sei eine Verordnung von Antipsychotika vertretbar.

© Ol/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. September 2018
Lübeck – Das Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung der Universität Lübeck soll Medikamentenversuche an Heimkindern aufarbeiten. Die Forscher sollen das Ausmaß und die Umstände
Forscher sollen Medikamentenversuche an Heimkindern aufarbeiten
18. September 2018
Berlin – Die Behandlungsoptionen für psychische Erkrankungen zeigen nur begrenzte Erfolge und die Erfolgsraten stagnieren seit Jahren. Dieser ernüchternde Befund gelte für die Psychotherapie und
„Wir brauchen eine Vielfalt evidenzbasierter Psychotherapieverfahren und keine Monokultur“
15. Juni 2018
Boca Raton/Florida – Die Behandlung mit 3 häufig „off label“ verordneten Antipsychotika führt schon in niedriger Dosierung bei Kindern und Jugendlichen nach wenigen Wochen zu einer Zunahme des
Antipsychotika fördern Adipositas und Insulinresistenz bei Kindern und Jugendlichen
4. Juni 2018
Berlin – Bei der Gesundheitsversorgung in Pflegeheimen gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede. Problematisch sind teils zu viele wundgelegene Patienten, längere Verordnungen kritischer Medikamente
AOK-Institut sieht große Qualitätsunterschiede zwischen Pflegeheimen
26. April 2018
Köln – Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) hat eine angemessene Vergütung für Fachärzte gefordert, die gesetzlich versicherte Patienten beim Reduzieren und Absetzen von
Fachgesellschaft fordert bessere Vergütung für psychiatrische Fachärzte
23. April 2018
Bremen – Der 32. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) hat sich am Wochenende in Bremen mit großer Mehrheit gegen die Einführung eines Modellstudienganges ausgesprochen, mit dem auch Psychologische
Psychotherapeuten gegen Modellstudiengang zur Psychopharmakaverordnung
5. April 2018
Düsseldorf – Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) verlangt weitergehende Aufklärung über den Verdacht von Medikamentenversuchen an Kindern in Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER