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Politik

Marburger Bund: Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst besser behandeln

Mittwoch, 22. Januar 2014

Einschulungsuntersuchungen gehören zu den Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes /dpa

Berlin – Der Marburger Bund (MB) fordert eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). „Der ÖGD nimmt wichtige Aufgaben innerhalb der Gesellschaft wahr, gerade auch gegenüber Menschen aus sozial schwächeren Schichten oder Menschen ohne gültige Kran­ken­ver­siche­rung“, sagte der 1. Vorsitzende des MB-Landesverbandes Berlin-Brandenburg, Peter Bobbert, heute in Berlin. Gleichwohl werde er von der Gesellschaft und in der Folge auch von der Politik kaum wahrgenommen, was zu einer chronischen Unterfinanzierung führe.

Schon in der Eingangsstufe gebe es eine Differenz von 900 Euro brutto zwischen Krankenhausärzten in kommunalen Häusern und Ärzten, die im Öffentlichen Gesund­heitsdienst arbeiten, erklärte der Hauptgeschäftsführer des MB, Armin Ehl. Dies führe dazu, dass die Ärzte, die es sich aussuchen könnten, schauten, wo sie mehr verdienen könnten.

Mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) verhandle der Marbur­ger Bund die Tarife für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern. Die Ärzte im ÖGD seien für die VKA jedoch keine Ärzte, sondern Verwaltungsmitarbeiter. „Das können wir nicht nachvollziehen“, betonte Ehl. „Wir fordern eine gleiche Behandlung der Ärzte im ÖGD.“

Öffentlicher Gesundheitsdienst I: Vorhandene Kompetenz nutzen

Der Gesetzgeber vertut eine wertvolle Chance, wenn er die Gesundheitsämter nicht besser in seine Präventionsstrategie einbindet, finden die Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Ohne die Beteiligung des ÖGD haben Überlegungen zur Prävention wenig Chancen“, sagte Dr. med. Ute Teichert-Barthel.

Die Leiterin des Gesundheitsamtes Charlottenburg-Wilmersdorf, Claudia Kaufhold, erklärte, dass die Berliner Gesundheitsämter für ein sogenanntes Mustergesundheitsamt zusammengestellt hätten, welche Aufgaben die Ämter erfüllen müssten und welches Personal sie dafür benötigten: 1.688 Mitarbeiter. „Anfang 2013 fehlten uns im Vergleich dazu 417 Stellen, darunter 76 Ärzte“, sagte Kaufhold. 2012 waren es noch 276. „Wenn so viele ärztliche Stellen in einem Krankenhaus nicht besetzt wären, müsste es schließen“, ergänzte Bobbert.

Wertschätzung für ihre Arbeit fehlt
„Die Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst verrichten keine schlechtere oder minderwertigere Arbeit als ihre Kollegen im stationären oder niedergelassenen Bereich“, betonte die Gesundheitsstadträtin Tempelhof-Schöneberg, Sibyll Klotz. Daher sei es nicht nachzuvollziehen, dass nicht nur die Wertschätzung für ihre Arbeit fehle, sondern dass sie auch noch schlechter bezahlt würden.

Klotz betonte, dass der ÖGD in Folge der schlechten Personalausstattung und zugleich zunehmender gesetzlicher Aufgaben seine Arbeit nicht mehr in der notwendigen Tiefe erfüllen könne, zum Beispiel im Bereich der Masernprophylaxe oder der Krankenhaushygiene. „Wir müssten mehr Hygienekontrollen in Krankenhäusern und Arztpraxen durchführen, in denen operiert wird“, ergänzte Kaufhold. Die Abstände zwischen den Kontrollen würden seit Jahren immer größer. Zudem sei keine Zeit mehr, alle Stationen zu begehen.

Klotz gibt ein weiteres Beispiel: „In Syrien sind Fälle von Polio aufgetreten. „Das Robert Koch-Institut hat empfohlen, von allen Flüchtlingen Stuhlproben zu nehmen und sie zu impfen. Das können wir mit der heutigen Personalausstattung aber nicht so schnell machen, wie es notwendig wäre.“ © fos/aerzteblatt.de

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