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40 Prozent der Deutschen mit Gewalterfahrungen

Mittwoch, 22. Januar 2014

dpa

Aachen – 40 Prozent der Deutschen haben in ihrem Leben bereits körperliche, psychische, sexuelle oder wirtschaftliche Gewalt erfahren – Männer wie Frauen. Das ergab eine Befragung mit rund 4.000 Teilnehmern in Aachen. „Die Zahl der Gewalter­fahrenen hat uns doch überrascht“, berichtet Ute Habel, Leitende Psychologin an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Uniklinik Aachen. Habel leitet das das Lehr- und Forschungsgebiet „Neuropsychologische Geschlechter­forschung“.

Es umfasst auch das Modellprojekt „Genderspezifische Erfassung und Versorgung von Patientinnen und Patienten nach Gewalterfahrung“ an, in dessen Rahmen die Umfrage stattfand. Das Projekt wird von der Europäischen Union und dem Land Nordrhein-Westfalen mit über 1,5 Millionen Euro gefördert wird und läuft in Kooperation mit dem Aachener Verein „Frauen helfen Frauen eV“ an der Uniklinik Aachen.

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Die Gewalterfahrungen können weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Die Betroffenen haben laut den Wissenschaftlern ein deutlich höheres Risiko, psychisch oder somatisch zu erkranken – zum Beispiel an Herzrhythmusstörungen, Magersucht oder Magen-Darm-Problemen. Zudem fühlen sich die Betroffenen laut Umfrage stärker belastet und haben einen höheren Konsum von Alkohol und Drogen beziehungsweise eine höhere Suizidgefährdung als unbelastete Patienten.

Die Projektgruppe hat daher verschiedene Beratungsmodule entwickelt. „Jeder Mensch geht anders mit Gewalterfahrungen um. Dies berücksichtigen wir mit unserem Bera­tungs- und Trainingskonzept“, so Habel. Einige Patienten profitierten eher von einem emotionsregulierenden Training, in dem sie lernten, besser auf sich selbst und ihre verschiedenen Stimmungslagen zu achten, andere Patienten benötigten eher ein Training, um effektiver mit anfallenden Problemen umzugehen.

Patienten, die Opfer von Gewalt geworden sind, fehle es zudem häufig an Selbstwert­gefühl. „Auch dieses kann unter fachlicher Anleitung deutlich gesteigert werden“, so die Psychologin. © hil/aerzteblatt.de

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