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Ärzteschaft

„Es geht nicht nur um kurze Wartezeiten“

Freitag, 24. Januar 2014

Schwerin – A- und B-Überweisungen von Haus- und Fachärzten für eine gezielte und rasche fachärztliche Weiterbehandlung ­– mit diesem Konzept bemüht sich die Kassen­ärztliche Vereinigung (KV) Mecklenburg-Vorpommern, Wartezeiten für schwerer erkrankte Patienten zu verkürzen. Gesetzlich Krankenversicherte mit hochakuten Krankheitsbildern, einer Erkrankung mit drohendem Dauerschaden oder einer anstehenden Krankenhauseinweisung erhalten eine A-Überweisung.Damit werden sie spätestens am nächsten Werktag vom Facharzt versorgt.

Patienten, bei denen eine begonnene Therapie versagt, sich die Symptomatik verschlech­tert oder anhaltende Arbeitsunfähigkeit droht, erhalten eine B-Überweisung. Sie werden innerhalb einer Woche vom Facharzt behandelt. Axel Rambow, zukünftiger KV-Vorstandsvorsitzender, erläutert, wie das Modell angenommen wird und was an zusätzlichem Honorar gezahlt wird.

5 Fragen an Axel Rambow, zukünftiger KV-Vorstand in Mecklenburg-Vorpommern

DÄ: Herr Rambow, wie ist man in Mecklenburg-Vorpommern dazu gekommen, die Dringlichkeit eines Facharztbesuchs von Patienten durch A- und B-Überweisungen zu kennzeichnen?
Rambow: Schon vor etlichen Jahren wurden in einigen Regionen Überweisungsscheine dann, wenn es medizinisch notwendig war, mit „dringend“ gekenn­zeichnet. Die Ärztinnen und Ärzte dort haben die Erfahrung gemacht, dass eilige Überweisungen von den Kollegen zeitnah angenommen und die betroffenen Patienten versorgt wurden.

Diesen Ansatz haben wir dann im Jahr 2010 übertragen in einen Hausarztvertrag mit den Betriebskrankenkassen.2011 haben wir für dieses Überweisungsmodell die AOK Nordost und 2012 die Techniker Krankenkasse gewinnen können. Es geht dabei nicht um Facharzttermine, die der Patient selbst als dringend notwendig empfindet, sondern um solche, die ein Haus- oder Facharzt aus medizinischen Gründen als dringend beurteilt.

DÄ: Welches Honorar sehen die Hausarztverträge für die eiligen Überweisungen vor? Und welche Honorarsumme kommt im Lauf eines Jahres zusammen?
Rambow: Die Verträge sehen gestufte, extrabudgetäre Vergütungen vor. Für die A-Überweisung innerhalb eines Werktags erhält der überweisende Arzt acht Euro und der übernehmende Facharzt zehn Euro. Für die B-Überweisung innerhalb von sieben Tagen bekommt der überweisende Arzt fünf Euro, der übernehmende Arzt sechs Euro. Der gesamte Umfang ist überschaubar. Wir gehen von vier, fünf Patienten je Arzt und je Quartal aus. Eine Mengenausdehnung konnten wir in den letzten Jahren nicht feststellen. Die Behandlungsfälle mit A- und B-Überweisungen sind relativ konstant. Das Honorarvolumen liegt für ganz Mecklenburg-Vorpommern bei rund 90.000 Euro pro Quartal.

DÄ: Sollte es aber eigentlich nicht selbstverständlich sein, dass schwerer erkrankte Patienten rasch einen Facharzttermin erhalten? Braucht es bei Konstellationen wie einem drohenden Dauerschaden oder einer anstehenden Krankenhauseinweisung wirklich spezielle Anreize, um die Untersuchung bei einem Facharzt oder einem speziell qualifizierten hausärztlichen Kollegen zu beschleunigen?
Rambow: Wenn Sie sich den Vertrag auf unserer Homepage ansehen, stellen Sie fest, dass es dabei nicht allein um kürzere Wartezeiten geht. Den Krankenkassen war zusätzlich wichtig, dass Arbeitsunfähigkeitszeiten reduziert und sowohl prästationäre Behandlungszeiten wie auch Krankenhauseinweisungen vermieden werden. Denn es gab auch Hinweise auf Fälle, in denen Patienten ins Krankenhaus überwiesen wurden, obwohl man sie hätte ambulant versorgen können. Das wollten wir eingrenzen.

A- und B-Überweisungen helfen Haus- und Fachärzten auch, Dringlichkeiten zu erkennen. Für sie und erst recht für die Medizinischen Fachangestellten ist es bei der Nachfrage nach Terminen nicht immer einfach zu erkennen, was wirklich eilig ist und was nicht. Hinzu kommt: Die eiligen Überweisungen enthalten eine klare Fragestellung, was abzuklären ist, und sämtliche Befundberichte des überweisenden Arztes. Umgekehrt bekommt er eine geregelte Rückmeldung des Facharztes. All das soll dazu dienen, die Qualität der Überweisungen zu verbessern.

DÄ: Erhöhen sich durch A- und B-Überweisungen die Wartezeiten für den Rest der Patienten?
Rambow: Nein. Wie schon gesagt, infrage kommen sie nur für wenige Patienten, nämlich vier bis fünf pro Arzt und Quartal. Statistisch betrachtet fallen in einer Praxis in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 400 Überweisungen bei insgesamt 1.200 Behandlungsfällen pro Quartal an. Auch deshalb ist es wichtig, dringende Überweisungen mit A und B zu kennzeichnen. Hin und wieder wurde diskutiert über den Umfang dieses Systems, also über die Befundberichte oder das Feedback. Aber das wird innerärztlich ausgetragen.

DÄ: Können Sie nachweisen, dass ein solches gesteuertes Verfahren die Diskussionen um Wartezeiten entschärft und für mehr Zufriedenheit sorgt?
Rambow: Wir haben das selbst nicht erforscht. Aber die Kassenärztliche Bundesver­einigung gibt ja regelmäßig sehr umfangreiche Versichertenbefragungen in Auftrag. Nach der letzten Auswertung aus dem Jahr 2013 wurde für Mecklenburg-Vorpommern festgestellt: Hier gibt es die geringsten Wartezeiten auf einen Arzttermin. Und wir belegen eine Spitzenposition bei der Zufriedenheit der Patienten mit der haus- und fachärztlichen Versorgung. © Rie/aerzteblatt.de

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