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Politik

NRW will Rolle der Behörden im Contergan-Skandal aufarbeiten

Dienstag, 28. Januar 2014

Barbara Steffens dpa

Düsseldorf – Mehr als 50 Jahre nach Aufdeckung des bundesweiten Contergan-Skandals will das Land Nordrhein-Westfalen mögliche Verstrickungen der Behörden historisch erforschen lassen. Damit solle das damalige Handeln von Ministerialbürokratie und Justizbehörden gegenüber der Öffentlichkeit und Opfern der Arzneimittelaffäre transparent gemacht werden, erklärte Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) heute in Düsseldorf. Bis heute fehle es an einer „wissenschaftlich fundierten Dokumen­tation“.

Mit der historischen Erforschung beauftragte das Land ein Team um den Münsteraner Historiker Thomas Großbölting, wie es hieß. Die Arbeiten sollen von einem unab­hängigen wissenschaftlichen Beirat begleitet und Ende 2015 abgeschlossen werden.

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Großbölting erklärte, mit der Rolle der Behörden in diesem Arzneimittelskandal werde auch „die politische Kulturgeschichte in der frühen Bundesrepublik“ erforscht. Zugleich solle geklärt werden, ob im Umgang der Behörden mit der in Aachen ansässigen Her­stellerfirma Grünenthal und den anschließenden Strafermittlungen „alles mit rechten Dingen“ zugegangen sei. Die Forschungen liefen ergebnisoffen.

Öffnung der Grünenthal-Archive noch nicht sicher
Für die Studie stehen den Forschern sämtliche Akten der damaligen Ministerialbüro­kratie und Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung. Dabei handelt es sich laut Groß­bölting um etwa 800 Aktenbände. Bisher sei ungeklärt, ob auch Grünenthal sein Archiv für die Historiker öffne. Eine abschließende Antwort stehe noch aus.

Für die Substanz der Forschungsarbeit wären die Akten des Unternehmens „wertvoll“, aber nicht zwingend notwendig, so Großbölting. Steffens appellierte an die Firma, sich „der Auseinandersetzung zu stellen, solange die Müttergeneration noch lebt und bevor der Zug abgefahren ist“.

Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre hatten Schwangere nach Einnahme des Schlafmittels Contergan Kinder mit schweren Behinderungen geboren. Derzeit leben laut Düsseldorfer Gesundheitsministerium bundesweit noch etwa 2.400 Contergan-Geschä­digte. Eine Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung gegen Verantwortliche der Firma Grünenthal wurde 1970 nach 283 Verhandlungstagen fallen gelassen und das Verfahren wegen „geringfügiger Schuld“ eingestellt.

Vor der Einstellung war es bereits zu einem außergerichtlichen Vergleich zwischen Grünenthal und den Eltern contergangeschädigter Kinder gekommen. © kna/aerzteblatt.de

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