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Medizin

Migränetherapie: Erwartungshaltung des Patienten so wichtig wie Wirkstoff

Dienstag, 28. Januar 2014

fotolia

Berlin – Auf die Bedeutung der Erwartungshaltung des Patienten gegenüber der Therapie haben die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) anlässlich einer neuen Studie zur Migränetherapie hingewiesen.

In der in Science Translational Medicine veröffentlichten Studie (DOI:10.1126/scitranslmed.3006175) haben Wissenschaftler um Rami Burstein vom Beth Israel Deaconess Medical Center der Harvard Medical School bei 66 Patienten, die schon seit langer Zeit an Migräne litten, 459 Kopfschmerzattacken unter sieben verschiedenen Bedingungen dokumentiert.

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Die erste Untersuchung diente dabei der Ermittlung eines Ausgangswertes für das Ausmaß der Schmerzen ohne jegliche Behandlung, jeweils 30 Minuten und 2,5 Stunden nach Beginn der Kopfschmerzen. Bei den sechs folgenden Attacken erhielten die Patienten randomisiert zur Hälfte eine häufig verschriebenes Migränearzneimittel oder ein Placebo – in diesem Fall Pillen mit dem exakt gleichen Aussehen, jedoch ohne aktiven Wirkstoff. Sie wurden angewiesen, diese Pillen eine halbe Stunde nach Beginn der Kopfschmerzen einzunehmen. Variiert wurde außerdem die Information auf dem Umschlag, in dem die Pillen enthalten waren.

Placeboeffekt robuster als die pharmakologische Wirkung
Es bestätigte sich die Hypothese der Autoren, dass sich das klinische Ergebnis der Behandlung bei akuter Migräne mit Placebo und mit Verum verbessert, wenn die begleitende Information von „negativ“ über „unsicher“ zu „positiv“ verändert wird. Wie die Forscher errechneten, trug der Placeboeffekt unter jeder der drei Arten von Informa­tionen mehr als 50 Prozent zur Wirksamkeit der Behandlung bei – der Placeboeffekt war somit robuster als die pharmakologische Wirkung.

„Die Untersuchung ist für alle Ärzte, die Medikamente verordnen, enorm wichtig, da sie zeigt, wie sehr die pharmakologische Wirkung einer Substanz durch den vom Arzt angekündigten Wirkeffekt beeinflusst werden kann“, betont die Neurologin Stefanie Förderreuther, Generalsekretärin der DMKG und Oberärztin an der Neurologischen Klinik der Ludwig-Maximilian- Universität München.

„Wer glaubt, durch die Einnahme einer Tablette mit einem pharmakologisch definierten Wirkmechanismus standardisierte und immer gleiche Effekte zu erzielen, irrt“, sagt die Neurologin. Offenkundig passiere weit mehr an unspezifischen Effekten, die auf ganz anderen Wirkmechanismen basierten. © hil/aerzteblatt.de

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