Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Stammzellen im Labor gewaltsam erzeugt

Mittwoch, 29. Januar 2014

Kobe – Einer Forscherin aus Japan ist die Bildung von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) auf über­raschend einfache Weise gelungen. Statt die Zellen mühsam mit Genen oder Nähr­stofflösungen zu überreden, sich in Stammzellen zu verwandeln, setzte Haruko Obokata vom Forschungsinstitut Riken rohe Gewalt ein: Mit Zitronen­säure, Quetschen oder einem bakte­riellen Toxin lassen sich laut den Studien in Nature (2014; doi: 10.1038/nature12968 und nature12969) STAP-Zellen („stimulus-triggered acquisition of pluripotence“) erzeugen, die Stammzelleigenschaften besitzen sollen.

Als erstem war es Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto im Jahr 2006 gelungen, Fibroblasten in iPS-Zellen zu verwandeln. Schon 2012 erhielt er hierfür den Nobelpreis für Medizin, obwohl das medizinische Potenzial der iPS-Zellen bisher nicht ausgelotet werden konnte. iPS-Zellen oder die aus ihnen herstellten Zellen sind bisher niemals beim Menschen eingesetzt worden.

Dies lag zum einen daran, dass Yamanaka vier Gene in die Fibroblasten einfügen musste, von denen zwei Onkogene waren, also Krebs erzeugen können. Dieses Hindernis wurde inzwischen überwunden: iPS-Zellen können heute ohne Genmani­pulation erzeugt werden. Der andere Umstand, der die Forschung behindert hat, war die mühsame Herstellung und die geringe Ausbeute. Die Produktion von iPS-Zellen dauert oft viele Wochen und die Ausbeute ist am Ende gering. Obokata will dagegen in kurzer Zeit eine Ausbeute von 30 Prozent erzielt haben.

Hinzu kommt, dass sich die Zellen als besonders variabel erwiesen. Obokata konnte sie im Labor sogar in Trophoblastzellen einer Plazenta verwandeln, was bislang weder mit embryonalen Stammzellen noch mit iPS gelungen war. Bislang führte die Forscherin ihre Experimente nur an Mäusezellen durch.

Ob auch menschliche Zellen zur Verwandlung in STAP-Zellen gezwungen werden können, bleibt abzuwarten. Die Öffentlichkeit hat sich in den letzten Jahren daran gewöhnt, dass sich die Ergebnisse der Stammzellforschung nicht so schnell umsetzen lassen, wie dies auf den Pressekonferenzen den Anschein hat. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18.09.17
Apoptosehemmung könnte Transplantations­erfolg von Blutstammzellen verbessern
Freiburg/New York – Eine Möglichkeit, den Transplantationserfolg von Blutstammzellen durch eine Hemmung des programmierten Zelltods zu verbessern, haben Forscher des Universitätsklinikums Freiburg......
04.09.17
Neues Zentrum für pädiatrische Stammzelltrans­plantation und Zelltherapie in Frankfurt
Frankfurt am Main – Forschung und Behandlung direkt miteinander verbinden soll das neue Johanna-Quandt-Zentrum für pädiatrische Stammzelltransplantation und Zelltherapie am Universitätsklinikum......
31.08.17
Transplantierte Stammzellen verbessern Parkinsonsymptome bei Affen
Kyoto – Bisherige zelltherapeutische Ansätze der Parkinsonkrankheit waren limitiert, da die notwendigen Stammzellen aus Hirngewebe abgetriebener Feten verwendet werden mussten. Dabei geht es auch ohne......
22.08.17
Neue Technik: Zelldifferenzierung per Barcode verfolgen
Heidelberg – Eine neue Technik soll die Differenzierung von Stammzellen dynamisch erfassen und Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung geben. Mithilfe eines......
09.08.17
Ethiker sieht keine Beschränkungen für Forscher wegen Embryonen­schutzgesetz
Berlin – Das deutsche Embryonenschutzgesetz beschränkt aus Sicht des Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, deutsche Wissenschaftler hierzulande nicht besonders stark. So liste der......
04.08.17
Stammzellen aus dem Hypothalamus verlangsamen Alterungsprozess bei Mäusen
New York – Stammzellen im Gehirn als Schlüssel zu einem längeren Leben und einem verzögerten Alterungsprozess: Forscher des Albert-Einstein-College of Medicine konnten in einer Studie unter Leitung......
02.08.17
Tausende Heavy-Metal-Fans als Stammzellen-Spender registriert
Wacken – Das Wacken Open Air steht nicht nur für sehr laute Musik, sondern auch für ein für langjähriges Engagement im Kampf gegen Blutkrebs. Seit der ersten Aktion 2014 haben sich rund 5.000......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige