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Rund 100.000 herzchirurgische Eingriffe pro Jahr in Deutschland

Donnerstag, 30. Januar 2014

dpa

Berlin – Herzchirurgen haben 2012 in 79 Zentren in Deutschland rund 100.000 Mal am Herzen operiert. Der demografische Wandel sorgt dabei dafür, dass das Alter der herzchirurgischen Patienten ansteigt. Das berichtete die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) bei der Vorstellung des Herzberichtes 2013 gestern in Berlin.

Wegen des steigenden Alters leiden die Patienten häufiger unter Begleiterkrankungen, welche die Chirurgen bei der OP beachten müssen. „Die deutschen Herzchirurgen sind dieser Entwicklung mit der Etablierung minimalinvasiver, schonenderer Operations­verfahren begegnet, so dass auch weiterhin Überlebensraten der Patienten von mehr als 95 Prozent erzielt werden“, hieß es aus der Fachgesellschaft.

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Kritisch sieht die DGTHG aber die Zunahme der kathetergestützten Aortenklappen­implantationen, bei denen die verkalkte Aortenklappe zunächst mit einem Ballon an die Gefäßwand gedrückt wird, bevor nach ausreichender Aufdehnung eine biologische Herzklappenprothese implantiert wird. Auch im Jahr 2012 wurden nach den vorliegenden Zahlen für die kathetergestützten Aortenklappenimplantationen derartige Eingriffe entgegen den Empfehlungen der Fachgesellschaften bei Patienten unter 75 Jahren und mit geringem Risikoprofil durchgeführt.

Das widerspricht der im Jahr 2012 gemeinsam von den europäischen Fachgesell­schaften der Kardiologen und Herzchirurgen publizierten medizinischen Leitlinie. „Im Sinne der Patienten wäre die konsequente Umsetzung dieser Leitlinie aber notwendig. Für welche Patienten neben den genannten sehr alten, multimorbiden Personen dieses immer noch relativ neue Verfahren sonst noch infrage kommt, werden erst die langfristigen Ergebnisse aus dem Deutschen Aortenklappenregister zeigen“, sagte Jochen Cremer, Präsident der DGTHG.

Mehr als die Hälfte der herzchirurgischen Eingriffe am Herzen machten im Jahr 2012 die koronaren Bypass-Operationen aus. Im Jahresvergleich 2012 zu 2011 zeigt sich eine Stabilisierung bei rund 55.000 Bypass-Eingriffen. Laut den Fachgesellschaften von Herzchirurgen und Kardiologen sollte in einer Klinik ein interdisziplinäres Team aus einem Herzchirurgen und einem Kardiologen gemeinsam für jeden Patienten individuell festlegen, ob eine Bypass-Operation oder eine Stentimplantation die richtige Therapie ist.

„Wir raten den Patienten bei der Auswahl einer Klinik gezielt nachzufragen, ob ein solches Herzteam zur Verfügung steht. Wenn nicht, ist unsere Empfehlung, sich auf jeden Fall sowohl von einem Kardiologen als auch von einem Herzchirurgen beraten zu lassen, um sicherzustellen, dass man wirklich die für den individuellen Krankheitsfall beste Behandlung erfährt“, so Anno Diegeler, Sekretär der DGTHG.

Dramatischer Rückgang an Herztransplantationen
„Dramatisch“ nennt die DGTHG die Entwicklung bei den Herztransplantationen. An den 22 Transplantationszentren in Deutschland, die Spenderherzen transplantierten, seien diese Eingriffe seit 1997 deutlich zurückgegangen. Dieser Negativtrend halte an: Im Jahr 2012 wurden in Deutschland 346 Herz- und Herz-Lungen­trans­plan­ta­tionen durchgeführt, 20 weniger als 2011. „Wir Herzchirurgen erleben jeden Tag das Leid unserer zurzeit rund 1.000 Patienten auf den Wartelisten. Aufgrund ihres lebensbedrohlichen Erkrankungs­zustandes müssen viele dieser schwerst-herzkranken Menschen meist mehrere Monate auf einer Intensivstation auf die lebensrettende Transplantation warten“, so Diegeler.

Der Herzbericht wird von der Deutschen Herzstiftung in Zusammenarbeit mit drei ärztlichen Fachgesellschaften erstellt und herausgegeben – der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie.

© hil/aerzteblatt.de

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