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Medizin

Orale Immuntherapie lindert Erdnussallergie

Donnerstag, 30. Januar 2014

dpa

Cambridge – Die Erdnussallergie, eine häufige und zugleich die am meisten gefürchtete Nahrungsmittelallergie, konnte in einer randomisierten Phase-II-Studie durch eine orale Immuntherapie deutlich gemindert werden, wie aus einer Publikation im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(13)62301-6) hervorgeht.

In den hoch entwickelten Ländern leidet fast ein Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter einer Erdnussallergie. Der einzige wirksame Schutz ist die Vermeidung einer Exposi­tion. Eine subkutane Immuntherapie, die bei anderen Allergien wirksam ist, hat sich in früheren Studien als ineffektiv und gefährlich erwiesen. Verschiedene Forscher­gruppen untersuchen deshalb eine orale Immuntherapie, bei der das Allergen in steigen­der Konzentration mit dem Essen zugeführt wird.

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Mit 99 Teilnehmern im Alter von 7 bis 16 Jahren war die STOP II-Studie, die das britische National Institute for Health Research (NIHR) zusammen mit dem Medical Research Council (MRC) gesponsert hat, die bisher größte Studie. Bei allen Teilnehmern war die Diagnose durch einen positiven Hauttest und eine doppelblinde, placebokontrollierte orale Nahrungsmittelprovokation bestätigt worden. Zunächst führte nur die Hälfte der Teilnehmer die sechsmonatige Immuntherapie durch, in der sie mit einer langsam steigenden Menge des Nahrungmittelallergens (von 2 mg auf bis zu 800 mg) exponiert wurden.

Primärer Endpunkt der Studie war der Anteil der Probanden, die am Ende der Immun­therapie in einer doppelblinden Exposition eine Dosis von 1.600 mg Erdnusmehl tolerierten. Dies war in der ersten Gruppe bei 24 von 39 Teilnehmern oder 62 Prozent der Fall. In der Kontrollgruppe, die noch keine Immuntherapie durchgeführt hatte, tolerierte erwartungsgemäß keiner der 46 Teilnehmer diese Menge.

Die orale Immuntherapie erhöhte den Schwellenwert, ab der eine Reaktion auftrat, um 1.345 mg oder um den Faktor 25,5, bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 45 bis 1.400 mg ein signifikantes Ergebnis, wie Andrew Clark vom Addenbrooke’s Hospital der Universität Cambirdge in England mitteilt.

Auch in der zweiten Gruppe, die die orale Immuntherapie später durchführte, tolerierten am Ende mehr als die Hälfte der Teilnehmer 1.600 mg Erdnusmehl, was der Menge in etwa zehn Erdnüssen entspricht. Die Hälfte, 800mg Erdnusmehl entsprechend der Men­ge von fünf Ernüssen, wurde in der ersten Gruppe sogar von 91 Prozent und in der zweiten Gruppe von 84 Prozent der Teilnehmer toleriert.

Auch wenn die Studien Schwächen aufweist (Fehlen einer Placebogruppe, möglicher­weise selektive Auswahl der Teilnehmer, fehlende Langzeitergebnisse), dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass die orale Immuntherapie zumindest kurzfristig wirksam ist. Sie erwies sich in der Studie auch als weitgehend sicher. Nur ein Fünftel der Teilnehmer klagte im Verlauf der Immuntherapie über Nebenwirkungen, die zumeist milde waren.

Am häufigsten kam es zu oralen Juckreizempfindungen: 18 Patienten wendeten Beta2-Agoniten an, einer injizierte sich zweimal Adrenalin intramuskulär. Die Immuntherapie ist deshalb nicht ganz ohne Risiken, und der Editorialist Matthew Greenhawt vom Food Allergy Center der Universität von Michigan in Ann Arbor rät, vor einer breiten Einführung der Therapie die Ergebnisse weiterer laufender Studien abzuwarten.

In Deutschland arbeitet die Arbeitsgruppe um Kirsten Beyer von der Berliner Charité an der Entwicklung einer effektiven Immuntherapie für Erdnussallergiker. Erste positive Ergebnisse hat die Gruppe im Journal of Allergy and Clinical Immunology 2010; 126: 83-91) vorgestellt. © rme/aerzteblatt.de

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