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Medizin

Vitamin E und N-Acetylcystein beschleunigen Krebswachstum bei Mäusen

Donnerstag, 30. Januar 2014

Göteborg – Viele Menschen nehmen täglich antioxidative Vitamine ein, um einer Krebserkrankung vorzubeugen. Eine Studie in Science Translational Medicine (2014; 6: 221ra15) zeigt jedoch, dass Vitamin E und N-Acetylcystein (NAC) nicht nur gesunde Zellen, sondern auch Krebszellen vor oxidativen Schäden schützen. Bei Mäusen wird dadurch das Wachstum von Lungenkrebs gefördert.

Eine Reihe von Studien hat in den letzten Jahren den bedenkenlosen Einsatz von antioxidativen Vitaminen infrage gestellt. Nachdem die Beta-Carotene Cancer Prevention (ATBC)-Studie bereits 1994 gezeigt hat, dass Betacaroten bei Rauchern das Risiko auf einen Lungenkrebs erhöht (NEJM 1994; 330: 1029–1035), lenkte die VITamins And Lifestyle (VITAL)-Studie, eine prospektive Kohortenstudie, den Verdacht auf Vitamin E, dessen Einnahme bei Rauchern mit einer erhöhten Rate von Lungenkrebserkrankungen assoziiert war (AJRCCM 2008; 177: 524-530).

Kürzlich zeigte die SELECT-Studie, dass die Einnahme von Vitamin E bei älteren Männern die Erkrankungsrate am Prostatakrebs erhöht (JAMA 2011;306: 1549-1556). Die Ergebnisse überraschten, da Vitamin E zu den Antioxidanzien gehört, die die Zellen unter anderem vor einer Schädigung der DNA durch Sauerstoffradikale schützen, deren Folge ein Krebswachstum sein kann.

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Antioxidanzien unterscheiden jedoch nicht zwischen gesunden Zellen und Krebszellen, wie das Team um Martin Bergo und Per Lindahl von der Sahlgrenska Universität in Göteborg jetzt zeigt. Die Forscher hatten zunächst Mäuse, die bereits an Lungenkrebs erkrankt waren, mit hohen Dosierungen von Vitamin E und NAC behandelt und festgestellt, dass die beiden Antioxidanzien das Wachstum der Tumore deutlich beschleunigten und die Lebenszeit der Tiere verkürzten.

Die nähere Untersuchung von Zellkulturen ergab, dass die beiden Antioxidanzien die Krebszellen vor einer Schädigung schützten. Außerdem verminderten sie die Expression des p53-Proteins. Das p53-Protein ist in den Zellen für die Reparatur der DNA zuständig. Sein Mangel könnte erklären, warum die Antioxidanzien das Wachstum der Lungen­tumoren bei den Versuchstieren steigerten.

Die in den Experimenten verwendeten Dosierungen bewegen sich in dem Bereich von Vitamin-Supplementen, die dem Körper häufig ein Vielfaches der empfohlenen Tages­menge zuführen. Die Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass der Einsatz von antioxidativen Vitaminen zur Krebsprävention ein zweischneidiges Schwert ist. Auf der einen Seite könnte es die Entwicklung von Tumorzellen verhindern. Wenn diese aber bereits entstanden sind, könnten die Antioxidanzien das Krebswachstum beschleunigen.

Dass auch N-Acetylcystein das Krebswachstum fördert, gibt zu denken, da NAC häufig als schleimlösendes Mittel bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) eingesetzt werden. Bei diesen Patienten handelt es sich häufig um langjährige Raucher, die deshalb ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben. Der Einsatz von NAC könnte deshalb negative Folgen haben. Ob dies tatsächlich der Fall ist, sollte nach Ansicht der Autoren dringend untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

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