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Medizin

Testosteron: Herzinfarktrisiko schon nach Erstverordnung

Donnerstag, 30. Januar 2014

dpa

Bethesda – Eine Analyse von US-Versichertendaten stützt den Verdacht, dass die oft unnötige Verordnung von Testosteron-Präparaten mit kardialen Risiken verbunden ist. Laut der Publikation in PLoS ONE (2014; doi: 10.1371/journal.pone.0085805) sind vor allem Männer über 65 Jahre sowie solche mit kardialen Vorerkrankungen gefährdet, deren Herzinfarktrisiko bereits nach der ersten Verordnung anstieg.

In den USA verkaufen sich Testosteron-Präparate derzeit sehr gut. Die Hersteller bewer­ben den Einsatz vor allem bei älteren Männern, denen durch die Behandlung eines „Low T“-Syndroms mehr Vitalität und Muskelmasse, vor allem aber eine gesteigerte Potenz versprochen wird. Endokrinologen warnen dagegen vor dem unkritischen Einsatz des Hormons.

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Nicht ohne Grund: Im Jahr 2009 musste eine randomisierte klinische Studie abgebrochen werden, weil es unter den älteren Teilnehmern zu einem Anstieg der kardiovaskulären Komplikationen gekommen war (NEJM 2010; 363: 109-122). Im letzten Jahr kam dann in einer Kohortenstudie unter US-Veteranen heraus, dass die Anwender ein um 29 Prozent erhöhtes Risiko auf Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod haben (JAMA 2013; 310: 1829-1836).

Erstmalige Verordnung von Testosteron steigert schon das Herzinfarktrisiko
Jetzt kommt das Team um Robert Hoover vom US-National Cancer Institute in Bethesda/Maryland zu dem Ergebnis, dass bereits die erstmalige Verordnung von Testosteron das Herzinfarktrisiko deutlich steigert. Die Epidemiologen haben die Daten von 55.593 Männern ausgewertet, denen erstmals ein Testosteron-Präparat verordnet worden war.

Sie verglichen dann die Zahl von Herzinfarktbehandlungen in den folgenden drei Monaten mit dem Jahr vor der Erstverordnung. Für die Altersgruppe über 65 Jahre ermittelten sie ein 2,19-fach erhöhtes Risiko. Das Risiko stieg mit dem Alter an: In der Altersgruppe der über 75-Jährigen kam es nach der Verordnung 3,43-mal häufiger zu Herzinfarkten. Für Männer unter 65 Jahre war das Risiko ebenfalls um den Faktor 2,90 erhöht, wenn sie eine Herzerkrankung in der Vorgeschichte hatten.

Als Kohortenstudie kann die Untersuchung keine Kausalität herstellen. Es ist durchaus möglich, dass die hormonell verstärkte Libido die älteren Männer in anderen Bereichen zu einem ungesunden Verhalten verleitete, das der wirkliche Grund für das erhöhte Sterberisiko ist. Eine vermehrte sexuelle Aktivität kommt nach Ansicht der Autoren als Erklärung jedoch nicht infrage.

Die Forscher konnten jedenfalls keine Assoziation des Herzinfarktrisikos mit der Verord­nung von Sildenafil oder anderen PDE5-Inhibitoren feststellen. Eine endgültige Klärung wird von der laufenden „Testosterone Trial in Older Men“ (T Trial) erwartet. Die Studie hat 800 Männer im Alter über 65 Jahre mit symptomatischem Testosteron­mangel auf die Anwendung eines Testosterongels oder eines wirkstofffreien Gels randomisiert. Die Studie läuft noch bis Juli 2015. © rme/aerzteblatt.de

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