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Medizin

Blasenkrebs: Genstudie liefert alte und neue Therapieansätze

Freitag, 31. Januar 2014

Houston – In der Therapie des muskelinvasiven Blasenkarzinoms hat es in den letzten 30 Jahren keine wesentlichen Fortschritte gegeben. Die Erbgutanalyse von 131 Tumoren im Rahmen des Cancer Genome Atlas könnte erstmals die Entwicklung zielgerichteter Medikamente stimulieren, hoffen US-Genforscher in Nature (2014; doi: 10.1038/nature12965).

Wenn ein Urothelkarzinom in die Muskulatur der Blasenwand eingedrungen ist, verschlech­tert sich die Prognose deutlich. Operation und Cisplatin-basierte Chemo­therapie erzielen in der Regel keine Heilung mehr und die mediane Überlebenszeit liegt bei 14 bis 15 Monaten, berichtet das Team um John Weinstein vom M.D. Anderson Cancer Center in Houston.

Das Urothelkarzinom der Blase gehört deshalb zu den Krebserkrankungen, deren Erbgut im Rahmen des Cancer Genome Atlas entschlüsselt wird. Die Hoffnung bestand darin, auf häufige Mutationen in Genen zu stoßen, die an Entwicklung und Wachstum des Tumors beteiligt sind.

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Das Team untersuchte die Tumoren von insgesamt 131 Patienten mit unbehandelten muskelinvasiven Blasenkarzinomen. Sie stießen dabei auf wiederkehrende Mutationen in 32 Genen, darunter waren neun Gene, die bisher nicht mit Blasenkrebs in Verbindung gebracht wurden. Bei mehr als der Hälfte der Patienten war das TP53-Gen mutiert, auch Abweichungen im RTK/RAS-Stoffwechselweg waren häufig.

Die Mutationen im TP53-Gen führen häufig zum Ausfall eines wichtigen Tumor­suppressors. RTK/RAS ist an der Regulation des Zellwachstums beteiligt. Häufiger als bei den anderen bisher untersuchten Krebserkrankungen waren epigenetische Störungen, die sich auf die Ablesung einzelner Gene auswirken könnten.

In 69 Prozent aller Tumore fanden die Forscher Mutationen, die potenzielle Angriffs­punkte für eine Therapie liefern. Häufig waren Mutationen im ERBB2-Gen, besser bekannt als HER2. Es kodiert den Rezeptor für einen Wachstumsfaktor. Sie werfen die Frage auf, ob HER2-Inhibitoren wie Trastuzumab beim Blasenkrebs wirksam sein könnten (was bisher nur in kleineren Studien untersucht wurde).

Ein neuer HER2-Inhibitor (DN24-02 des Herstellers Dendreon) wird derzeit in einer Phase-II-Studie bei HER2-positiven Blasenkarzinomen untersucht. Andere potenzielle Ansatzpunkte sind FGFR3 (kodiert einen Wachstumsfaktor für Fibroblasten) und der PI3-Kinase/AKT/mTOR-Stoffwechselweg, für den es bereits Inhibitoren gibt. Die Genom­studie könnte hier Anreize für weitere Studien liefern.

Im Genom einiger Tumore entdeckten die Forscher Virusgene, darunter auch die des humanen Papillomavirus 16. Er gehört zu den Auslösern des Zervixkarzinoms, mit Blasenkrebs wurde er nicht in Verbindung gebracht. Der Nachweis der Gene allein belegt allerdings nicht, dass er für den Tumor verantwortlich ist. Blasenkrebs wird eher durch chemische Karzinogene ausgelöst. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählt das Rauchen. Die Studie lieferte allerdings keine Hinweise auf spezifische durch das Rauchen ausgelöste Mutationen. © rme/aerzteblatt.de

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