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Medizin

HIV-Medikament schützt Gehirn von MS-Patienten

Freitag, 31. Januar 2014

dpa

Montreal – Das HIV-Medikament Maraviroc kann möglicherweise eine schwere Komplikation in der Therapie der multiplen Sklerose verhindern, zu der es in der Erholungsphase nach dem Absetzen des Wirkstoffs Natalizumab kommt. Dies berichtet eine Forschergruppe im New England Journal of Medicine (2014; 370: 486-488).

Zu den am meisten gefürchteten Komplikationen der Therapie mit Natalizumab (und einiger anderer hochpotenter Immunsuppressiva) gehört die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML). Zu ihr kommt es bei Patienten, deren Gehirn latent mit dem JC-Virus infiziert ist. Das Immunsystem hält die Viren normalerweise in Schach.

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Wenn Natalizumab den Immunzellen aber den Weg ins Gehirn versperrt, gewinnen die Viren Oberhand und es kommt zur PML. Die einzige Behandlung der ansonsten tödlichen PML besteht im Absetzen von Natalizumab. Dann kann es allerdings zu einer überschießenden Immunabwehr im Gehirn kommen, die als IRIS (Immune reconstitution inflammatory syndrome) bezeichnet wird und das Leben des Patienten ebenfalls gefährdet.

Eine Möglichkeit, die Komplikation IRIS zu vermeiden, besteht möglicherweise in der Therapie mit Maraviroc. Der Wirkstoff blockiert selektiv den menschlichen Chemokin­rezeptor CCR5. Bei HIV-Infizierten verhindert dies das Andocken von HI-Viren an den Immunzellen über den Rezeptor CCR5. Dieser Rezeptor spielt aber auch in der Pathogenese von IRIS eine Rolle.

Das Team um Amit Bar-Or von der McGill University in Montreal behandelte deshalb eine 49-jährige Frau, bei der es nach 43 Infusionen mit Natalizumab zu einer PML gekommen war, nach dem Absetzen des Medikaments vorsorglich mit Maraviroc. Die befürchtete IRIS blieb aus – bis die Frau vergaß ihre Maraviroc-Tabletten einzunehmen.

Die Medikationspause führte sofort zu kognitiven Störungen, von denen sich die Frau nach der Wiederaufnahme der Therapie langsam erholte. Später konnten die Mediziner die Maraviroc-Therapie durch langsames Ausschleichen beenden. Die MIMSAPI-Gruppe (für Maraviroc in Multiple Sclerosis–Associated PML–IRIS) plant jetzt weitere Patienten mit PML zu behandeln. © rme/aerzteblatt.de

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