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Medizin

COPD: Opioide und Benzodiazepine in niedriger Dosierung sicher

Freitag, 31. Januar 2014

Karlskrona – Aufgrund der Atemdepression gilt der Einsatz von Opioiden und Benzodiazepinen bei Patienten mit COPD als riskant. Eine prospektive Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 348: g445) kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass die beiden Medikamente bei einer niedrigen Dosierung die Sterblichkeit nicht erhöhen.

Chronische Atemnot ist ein sehr belastendes Syndrom, das viele Menschen mit chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen (COPD) über längere Zeit ertragen müssen. Opioide könnten die Beschwerden lindern. Die begleitenden Angstzustände könnten mit Benzodiazepinen behandelt werden. Viele Ärzte verordnen die beiden Medikamente dennoch ungern. Wegen der atemdepressorischen Wirkung fürchten sie um das Leben ihrer Patienten.

Die Bedenken sind berechtigt, doch wenn die Medikamente in einer niedrigen Dosierung eingesetzt werden, scheint das Risiko sich in einem vernünftigen Rahmen zu bewegen, wie Magnus Ekström vom Blekinge Hospital in Karlskrona/Schweden und Mitarbeiter in einer Analyse des Swedevox Register zeigen. Das Register umfasst etwa 85 Prozent aller schwedischen COPD-Patienten, die wegen einer Atemnot dauerhaft mit Sauerstoff versorgt werden. Jeweils etwa einem Viertel der Patienten werden Opioide oder Benzodiazepine verordnet. Fast jeder zehnte nimmt beide Medikamente ein.

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COPD-Patienten, die Sauerstoff benötigen, haben insgesamt eine schlechte Prognose. In der Nachbeobachtungszeit von 1,1 Jahren starb die Hälfte der schwedischen Patienten. Opioide oder Benzodiazepine können den Tod im Prinzip beschleunigen. Tatsächlich konnte Ekström für beide Wirkstoffgruppen einen dosisabhängigen Anstieg der Mortalität zeigen. In der hohen Dosis steigerten Benzodiazepine das Sterberisiko um 23 Prozent, bei höher dosierten Opioiden war es um 21 Prozent höher als bei COPD-Patienten, die keines der beiden Medikamente verordnet bekamen.

Bei Patienten, die eines der beiden Mittel in einer niedrigen Dosierung erhalten hatten, war das Sterberisiko dagegen nicht erhöht. Als niedrige Dosis galt 0,3 DDD (definierte Tagesdosis) oder weniger beziehungsweise 30 mg oder weniger des oralen Morphin­äquivalents. Die Hazard Ratio für die niedrig dosierten Benzodiazepine betrug 1,18 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,99 bis 1,40. Bei den Opioiden betrug die Hazard Ratio 1,03 (0,84-1,26).

Wurden den Patienten beide Wirkstoffgruppen verordnet, war das Sterberisiko ebenfalls nur tendenziell erhöht (Hazard Ratio 1,25; 0,78-1,99). Bei diesen Patienten war das Risiko erneut hospitalisiert zu werden übrigens um 14 Prozent vermindert (Hazard Ratio 0,86; 0,53-1,42), möglicherweise ein Hinweis auf die gute symptomatische Wirkung der beiden Medikamente.

Bei seinen Berechnungen hat Ekström versucht, andere Faktoren zu berücksichtigen, die ebenfalls das Sterberisiko beeinflussen wie Alter, Geschlecht, arterielle Blutgaswerte, Body-Mass-Index (BMI), Allgemeinzustand, frühere Krankenhauseinweisungen, Begleiter­krankungen und andere Medikamente. Bei einer nicht-randomisierten Studie ist es nicht möglich, alle denkbaren Verzerrungen zu vermeiden. Ekström schätzt das Risiko, das Leben der Patienten durch die Verordnung der beiden Medikamente zu verkürzen, jedoch als gering ein. © rme/aerzteblatt.de

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