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Politik

Raffelhüschen: Gesundheitswesen muss sich den ökonomischen Gesetzen stellen

Sonntag, 2. Februar 2014

Freiburg – Gegen einen Vorrang ökonomischen Denkens in der Medizin hat sich der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio gewandt. Derzeit gerieten Ärzte immer stärker unter Druck, nicht allein im Interesse ihrer Patienten, sondern vielmehr mit Blick auf den wirtschaftlichen Ertrag ihrer Behandlung zu agieren, kritisierte Maio am Freitag in Freiburg. „Die Frage von Rentabilität darf in der Medizin aber keine Rolle spielen.“ Der Ökonom und Gesundheitsexperte Bernd Raffelhüschen wies bei dem Symposium der Universität Freiburg über „Ethik versus Ökonomie in der Medizin“ Maios Kritik als realitätsfern zurück.

Aus Maios Sicht ist es vor allem in den deutschen Krankenhäusern in den vergangenen Jahren zu einer immer stärkeren Personal- und Zeitknappheit gekommen. Damit verdich­teten sich alle Arbeitsabläufe zulasten des Patienten. „Wenn Ärzte und Pfleger nicht mehr genügend Zeit für den einzelnen Patienten haben, spart die Medizin am Kern ihrer Identität“, so Maio. Ziel müsse jedoch vielmehr eine „Medizin der Zuwendung“ sein. Derzeit beobachte er aber eine „systematische Nichtbeachtung der zwischen­mensch­lichen Komponente in der Medizin“.

„Das Gesundheitswesen muss sich den ökonomischen Gesetzen stellen. Kein Arzt handelt nur aus Gutmütigkeit, sondern er muss von seinem Tun auch leben können“, konterte Raffelhüschen.

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Raffelhüschen prognostizierte mit Verweis auf die derzeitige demografische Entwicklung einer immer älteren Bevölkerung, dass das deutsche Gesundheitswesen in den kommenden Jahren noch unter sehr viel stärkeren finanziellen Druck geraten werde als heute. „Unser Gesundheitssystem wird durch einen Generationenvertrag, durch eine Umverteilung von Jung zu Alt, finanziert, und das wird in der Zukunft in der jetzigen Form nicht mehr funktionieren.“

Er sagte voraus, dass es künftig vor allem für alte Patienten eine starke Sanktionierung von teuren medizinischen Leistungen geben müsse. Auch müssten Patienten mittelfristig, etwa nach dem Vorbild von Kran­ken­ver­siche­rungen in der Schweiz, stärker an ihren Behandlungskosten beteiligt werden, „zum Beispiel, indem jeder zusätzlich zu seinem Versicherungsbeitrag jedes Jahr die ersten 400 Euro seiner Behandlungskosten aus der eigenen Tasche bezahlt“, so Raffelhüschen.

Zugleich forderte der Ökonom eine weitere Spezialisierung und Konzentration von Krankenhäusern. Derzeit gebe es bei den Kliniken eine „Überkapazität“ von 30 Prozent. Die aktuelle „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen müsse auch durch die Schließung von Kliniken gestoppt werden. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Samstag, 8. Februar 2014, 07:54

Diskussion mit Fortsetzung im "engsten Kreise"

eingeschriebener Mitglieder eines Forums der über 50 000 Mitglieder ohne Außenwirkung, da man sich dort dem Arzneimittelwerbegesetz verpflichtet sieht ... was meine ich damit?
Im Forum des Ärztenachrichtendienstes liest man von einem Interview mit Raffelhüschen mit der Schlagzeile:
"Der Arzt müsste sagen, dass er Gesundheit verkauft“.
Womit handelt der änd?
Avatar #677828
Carmen P. Baake
am Montag, 3. Februar 2014, 09:08

Es heißt natürlich Ironiemodus!

da waren meine Fingerchen heute früh wohl noch etwas müde.
Avatar #677828
Carmen P. Baake
am Montag, 3. Februar 2014, 09:06

Ja - Die demografische Entwicklung ...

... führt zu kollektivem Zusammenzucken. Nur noch Alte und Superalte und niemand mehr, der ihre Behandlung bezahlt. Schlimm, sehr schlimm ... Ironiemudus aus.
Bevor wir uns ängstlich nach privaten Zusatzversicherungen umsehen, sollten wir uns angewöhnen, die Annahmen zu hinterfragen, die den unter dem Oberbegriff "Demografische Entwicklung" hinterlegten Horrorszenarien zugrunde liegen.
Werden wir z.B. im Alter von 75 Jahren dieselben Krankheiten haben wie die heute 75-jährigen? Welchen Sinn hätte dann die Gesundheitsvorsorge? Durchlaufen wir dann dieselben Behandlungen wie heute oder sind die Behandlungen effizienter (Stichwort: med.-techn. Fortschritt)? Werden wir es schaffen, die Menschen an der Steigerung des Bruttoinlandsproduktes teilhaben zu lassen oder erhöhen wir die Gehälter nur um einen Inflationsausgleich? Dies nur als Beispiele, wie man Annahmen hinterfragen könnte. Denn das ist doch hoffentlich jedem klar: Die Annahme - Alles bleibt in den nächsten 10, 20, 30, 40 Jahren so wie es heute ist, nur die Bevölkerung altert. - ist von allen möglichen Annahmen die unwahrscheinlichste.
Avatar #672734
isnydoc
am Sonntag, 2. Februar 2014, 14:38

Was ist in der Schweiz im System anders?

Die Hinweise von Raffelhüschen dazu bedürfen weiterer Betrachtung, denn Medizin an sich - orientiert an Diagnose und Therapiemöglichkeiten - dürfte weltweit den gleichen Gesetzmäßigkeiten folgen.
Was kennt man im Nachbarland nicht?
Das Sachleistungsprinzip gemäß Sozialgesetzbuch V und die darin verankerte "Selbstverwaltung" mit den Körperschaften der kassenärztlichen Vereinigungen. Dazu schweigen allerdings Maio als auch Raffelhüschen.
LNS

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