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Sterbeverein: Höherer Beitragssatz für schnelleren Tod

Dienstag, 4. Februar 2014

Hamburg – Der Verein Sterbehilfe Deutschland (StHD) des früheren Hamburger Justizsenators Roger Kusch hat gestaffelte Beitragssätze eingeführt, die Mitgliedern unterschiedlich schnell Begleitung zur Selbsttötung gewähren. Einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung Die Welt bestätigte der Verein in der Neufassung seiner Satzung auf der eigenen Internetseite. Diese wurde in zwei Mitgliederversammlungen im Januar beschlossen.

In den Statuten ist festgehalten, dass bei einem Mitgliedsbeitrag von jährlich 50 Euro eine Suizidbegleitung grundsätzlich nicht stattfindet. Für 200 Euro im Jahr wird sie nach drei Jahren Mitgliedschaft gewährt. Eine 2.000 Euro teure Mitgliedschaft verkürzt die Wartezeit laut Satzung auf ein Jahr. Bei Zahlung von 7.000 Euro entfällt auch diese Wartefrist. Der Verein bemühe sich dann, „die Voraussetzungen der ethischen Grundsätze besonders zügig zu klären“.

Die Satzung enthält zudem den Passus, dass nach einer Beendigung der Mitgliedschaft die Mitgliedsbeiträge nicht zurückerstattet werden. Eine Mitgliedschaft im Sterbehilfe­verein endet laut Satzung mit dem Tod, durch Austritt oder durch Ausschluss.

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StHD-Gründer Kusch hatte noch Mitte Januar den Vorwurf zurückgewiesen, sein Verein wolle mit Suizidbeihilfe Geld verdienen. Er persönlich arbeite ehrenamtlich und habe „keinen Euro“ damit verdient. „Unsere Mitglieder zahlen einen Mitgliedsbeitrag, beispiels­weise für die Dienstleistung, dass wir ihnen eine umfangreiche Patientenverfügung zur Verfügung stellen.“ Der Suizid selbst sei nicht kommerziell.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz rief angesichts des Vorstoßes von Kusch die Politik zu raschem Handeln auf. Der Bundestag sei aufgefordert, „mit dem Verbot der organisierten Suizidhilfe ein klares Zeichen zu setzen“, so Stiftungsvorstand Eugen Brysch. © kna/aerzteblatt.de

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advokatus diaboli
am Montag, 10. Februar 2014, 08:07

Redlicher Diskurs hängt nicht von einem einzelnen Verein ab!

Da darf man/frau gespannt sein, mit welcher Erklärung der Sterbehilfe-Verein inmitten der aktuellen Diskussion über die Liberalisierung der Sterbehilfe aufwarten wird.

Ich gestehe freimütig, dass ich dieses Gebaren für wenig förderlich erachte und sich vermehrt die Frage stellt, welches Motiv für die Aktivitäten des Herrn Roger Kusch mit „seinem“ Verein handlungsleitend ist. Fakt ist, dass er und sein Verein mit dieser neuerlichen Aktion den Diskurs mehr als „nur“ belastet, macht doch in der Tat das Motto die Runde: „Wer sterben will und viel bezahlt, ist früher tot“, so M. Kamann in der WELT.

Dieser Eindruck täuscht nicht, denn die geänderte Satzung lässt diesen Schluss durchaus zu.

Der gewünschte qualifizierte Diskurs über die Liberalisierung der Sterbehilfe wird abermals durch die Aktivitäten eines R. Kusch und „seines“ Vereins überschattet und es ist geradezu Wasser auf die Mühlen der Gegner einer ausgewogenen Sterbehilferegelung.

Roger Kusch erweist nicht nur der gesellschaftlichen Debatte, sondern wohl auch dem Sterbehilfe-Verein einen Bärendienst, denn von dem selbst gesteckten Ziel und Vereinszweck, das „Recht auf Selbstbestimmung“ nach dem Vorbild der Schweizer hierzulande zu verankern, ist er aktuell weiter denn je entfernt.

Nicht zu Unrecht haben die Kritiker darauf hingewiesen, dass es zuvörderst gilt, eine kommerzielle Sterbehilfe zu unterbinden.

Dies mag auch so sein, wenngleich zu hoffen ist, dass die Aktivitäten eines einzelnen Vereins hierzulande nicht über Gebühr den Sterbehilfediskurs beeinflussen, denn die Liberalisierung der Sterbehilferegelungen ist nicht notwendig mit dem Namen R. Kusch oder des Sterbehilfe-Vereins Deutschland verbunden.
LNS

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