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Politik

„Die Einrichtung um die Ecke ist nicht immer die richtige“

Dienstag, 4. Februar 2014

Köln – Den Zusammenhang zwischen der Spezialisierung eines Krankenhauses, der Qualität der Versorgung und der Patientenzufriedenheit hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen in einer Sonderauswertung für die Zeitung „Welt am Sonntag“ untersucht.

5 Fragen an Boris Augurzky, Leiter Gesundheit im Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschafts­forschung (RWI).

DÄ: Bedeutet eine größere  Spezialisierung eines Krankenhauses ihrer Auswertung zur Folge auch eine größere Qualität?
Augurzky: Darauf deuten unsere Daten hin. Wir haben die Krankenhäuser in solche mit geringer, mittlerer und hoher Spezialisierung eingeteilt. Dazu haben wir öffentlich zugängliche Daten zu den Fachabteilungen verwendet. Kleine Krankenhäuser mit vielen Fachabteilungen und Leistungen sind zum Beispiel in die Gruppe der Krankenhäuser mit geringer Spezialisierung gewandert. Danach haben wir die drei Gruppen mit den Qualitätsergebnissen des „BQS Institut für Qualität & Patientensicherheit GmbH“ aus dem Jahr 2009 verglichen. Und siehe da, die Daten korrellieren. Die Krankenhäuser mit der hohen Spezialisierung haben laut den BQS-Daten deutlich seltener Qualitätsprobleme.

DÄ: Gilt dabei auch der Zusammenhang „großes Krankenhaus gleich besseres Krankenhaus“?
Augurzky: Das geht aus unserer Analyse nicht hervor. Es gibt kleine Krankenhäuser, die wenig spezialisiert sind, aber ebenso auch große Krankenhäuser mit – für ihre Größe – einem geringen Grad an Spezialisierung. Unsere Daten zeigen nur einen Zusammenhang zwischen der Spezialisierung und der Qualität.

DÄ: Sie haben auch die Patientenzufriedenheit analysiert. Wie sind die Ergebnisse hier?
Augurzky: Dazu haben wir unsere Daten mit Statistiken der Techniker Krankenkasse zusammengebracht. Es zeigte sich, dass 79,2 Prozent der Patienten in den Häusern mit geringer Spezialisierung zufrieden waren, 80,7 Prozent in den Häusern mit mittlerer Spezialisierung und 82,1 Prozent der Patienten in den Häusern mit hoher Spezialisierung. Die Unterschiede sind hier also nicht so gravierend. Aber immerhin stimmt die Tendenz: Mit dem Grad der Spezialisierung steigt die Patientenzufriedenheit.

DÄ: Was ist ihr Rat für mehr Qualität im Krankenhaus?
Augurzky: Krankenhäuser sollten den Weg hin zu einer höheren Spezialisierung gehen, das ist medizinisch und ökonomisch sinnvoll. Aber auch Patienten sollten bereit sein, längere Wege in Kauf zu nehmen und für komplexe Eingriffe zum Spezialisten zu gehen. Die Einrichtung um die Ecke ist nicht immer die richtige. Häufig fehlt es bei den Patienten dafür noch an Bewusstsein, aber auch an Informationen.

DÄ: Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die Pläne der Großen Koalition für ein neues Qualitätsinstitut?
Augurzky: Ein solches Institut könnte einen Beitrag für mehr Transparenz leisten. Wichtig ist, dass die Bewertungen und Vergleiche fair erfolgen. Sie können zum Beispiel nicht ohne weiteres eine Universitätsklinik mit vielen hochkomplexen Fällen mit einer Einrichtung der Grundversorgung vergleichen, die unter Umständen viel einfachere Fälle versorgt. Da statistisch sauber zu arbeiten, ist nicht einfach. Aber man muss ja auch nicht den Anspruch haben, sofort 100 Prozent des Leistungsspektrums bei den Analysen und Vergleichen abzudecken. Sinnvoll wäre, mit einigen Indikation zu beginnen, denn eines ist klar: Wir brauchen mehr Transparenz! © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #680052
fdwnoh
am Mittwoch, 19. Februar 2014, 13:48

Spezialisierung hat auch Nachteile

Der Patient mit Coxarthrose erhält in der spezialisierten Klinik einen Gelenkersatz. Die Operation verläuft auf sehr hohem Niveau. Leider klagt er anschließend über Brustschmerz. Er wird in das benachbarte Herzzentrum verlegt. Dort führt man eine Koronarintervention auf sehr hohem Niveau aus. Leider klagt er am Folgetag abdominelle Beschwerden und zeigt Teerstuhl. Da es in der Nähe keine auf Gastroenterologie spezialisierte Klinik gibt, landet er schließlich im nahen Haus der Grundversorgung. Zum Glück hat sich dieses Haus noch nicht spezialisiert. So gibt es dort auch Unfallchirurgen, welche sich um die Hüft-TEP kümmern und Kardiologen, welche ggf. die Stentthrombose behandeln können. Ein konstruierter Fall, aber durchaus möglich ...
LNS

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